An dieser Tankstelle in Karlsruhe soll der 28-Jährige den Wodka gestohlen haben.
An dieser Tankstelle in Karlsruhe soll der 28-Jährige den Wodka gestohlen haben. | Foto: Töngi

Tod nach Festnahme

Hat eine Vorerkrankung zum Tod des 28-Jährigen aus Karlsruhe geführt?

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Führte eine mögliche Vorerkrankung zum späteren Tod des festgenommenen 28-Jährigen in Karlsruhe? Das zumindest schließen Staatsanwaltschaft und Polizei derzeit nicht aus. Der Mann habe sich am 20. Juli in ärztlicher Behandlung befunden, also einen Tag vor seiner Festnahme. Wieso bleibt jedoch offen.

Entgegen ärztlichem Rat soll der Mann auf eigene Verantwortung das Krankenhaus verlassen haben. Am 21. Juli stahl der Pole dann in einer Karlsruher Tankstelle eine kleine Flasche Wodka und rannte weg. Der 28-Jährige starb später, nachdem er sich mehrfach massiv gegen die Festnahme gewehrt hatte.
Die Obduktion des Mannes konnte bislang die Todesursache nicht aufklären. Weitere umfangreiche rechtsmedizinische Untersuchungen seien notwendig, heißt es.

Waren die polizeilichen Maßnahmen verhältnismäßig?

„Das wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Mirko Heim, Pressesprecher der Karlsruher Staatsanwaltschaft. Auch dort laufen die Ermittlungen weiter. Es geht unter anderem um die Frage, ob die Maßnahmen der Polizisten, die von dem 28-Jährigen bespuckt und getreten worden sein sollen, verhältnismäßig waren. Eine konkrete Richtlinie und Regelung, was Beamten in solchen Situationen erlaubt ist und was nicht, gibt es laut Ralf Kusterer nicht. Eine Bewertung könne nur im Einzelfall und in der konkreten Betrachtung erfolgen, erklärte der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft.

Warum wurde der Mann in die JVA Bruchsal gebracht?

Doch warum wurde der 28-Jährige in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal und nicht nach Karlsruhe gebracht? „Die JVA Karlsruhe ist für den Vollzug der Untersuchungshaft zuständig“, erklärte Staatsanwalt Heim auf Nachfrage. Da aber gegen den Verdächtigen bereits ein Strafbefehl aus Dortmund wegen Diebstahls vorgelegen habe, sei er zur Vollstreckung in die JVA Bruchsal gebracht worden. „Das war die nächste zuständige Justizvollzugsanstalt.“ Von dort aus sollte der Pole in das Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg gebracht werden.

Atemnot in der JVA

Der „Umweg“ sei üblich, so Heim, da die Polizisten den Mann in die Obhut der Justiz geben mussten. Der 28-Jährige wehrte sich aber erneut rabiat. Im Eingangsbereich der JVA bekam er Atemnot. Ein Notarzt wurde gerufen, Reanimationsmaßnahmen eingeleitet. Nachdem sein Zustand stabil war, wurde er in eine Karlsruher Klinik gebracht. Dort starb er am 1. August. Und warum wurde er nicht in die angrenzende Fürst-Stirum-Klinik gebracht? „Das haben wohl die Sanitäter so entschieden“, vermutete Heim.