Check der Heizanlage
Die Temperaturen des Heizwassers beim Einströmen ins System und beim Rücklauf sind wichtige Indikatoren für die Effizienz einer Heizanlage. | Foto: jodo

Genaues Hinschauen lohnt sich

Heiz-Check der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur spürt Sparpotenziale auf

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Verschiedene Energie-Checks für alle Karlsruher Haushalte sowie Interessenten in den angrenzenden Gemeinden bietet die  Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur  (KEK)  in Kooperation mit der Verbraucherzentrale an. Im Fokus steht etwa die Heizanlage. Die Berater kommen ins Haus. Ziel ist einen unabhängige und verlässliche Beratung für die Verbraucher, wie sie den Energiebedarf und die -kosten senken können – vor dem Hintergrund, dass so auch große Mengen CO2 eingespart werden können. Da die Beratungen weitgehend durch Fördermittel des Bundes finanziert werden, fällt für die Verbraucher lediglich ein Anteil von 30 Euro an. Aktuell

Messungen über 24 Stunden

Mit einem Satz Messgeräte geht Birgit Groh in Martin Sauerteigs Keller. Sie will seine Heizanlage genauer überprüfen. Mit welcher Temperatur fließt das Wasser ins Heizsystem, mit welcher kommt es zurück? Wie heiß sind das Vor- und das Rücklaufwasser im Boiler für die Warmwasserversorgung? Bei welchen Gegebenheiten und wie oft springt die Pumpe an? All diese Messwerte werden mindestens 24 Stunden aufgezeichnet und gemeinsam mit weiteren Indikatoren ausgewertet. Ziel ist eine optimale Einstellung der Heizanlage – um Energie und letztlich viel Geld zu sparen.

Unabhängige Einschätzung ohne Verkaufsabsicht

Birgit Groh arbeitet für die KEK, die im Auftrag der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg verschiedene Energie-Checks anbietet und Handlungsempfehlungen gibt. Die Finanzierung ist zum großen Teil über Mittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gesichert. „Mir kam es aber vor allem auf eine unabhängige Einschätzung an“, sagt Hausbesitzer Sauerteig. „Hier ist klar, dass mir niemand etwas verkaufen möchte, sondern dass es nur um die Effizienz geht.“ Obwohl der Grünwettersbacher selbst Techniker ist und sich schon sehr intensiv mit seiner Heizanlage befasst hat, ist er mit dem aktuellen Zustand nicht rundum zufrieden. „Die Heizung ist ein Thema, seit wir unser Haus haben“, sagt er. „Meine Frau findet es in einigen Räumen zu kalt, und außerdem pfeifen die Ventile immer wieder.“

Check der Heizanlage bei Martin Sauerteig
Genaues Hinschauen lohnt sich: Birgit Groh von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur checkt im Einfamilienhaus bei Martin Sauerteig die Heizanlage. | Foto: jodo

Blick auf die Heizkurve

Birgit Groh nimmt noch eine Reihe weiterer Daten auf: Wie groß ist die Wohnfläche des Einfamilienhauses? Wie viele Personen nutzen die Warmwasserversorgung? Wie viel Heizöl wird für den Niedertemperaturkessel benötigt? Zudem will sie wissen, wie es um die Raumtemperatur bestellt ist: Ein weiteres Messgerät soll diese an einer Stelle im Haus, die man angenehm temperiert haben möchte, aufzeichnen. Außerdem wirft Birgit Groh einen Blick auf die Heizkurve. Das Dokument zeigt an, bei welcher Außentemperatur das Vorlaufwasser des Heizkessels welche Temperatur hat.

So bald es kühler wird, ballert der Kessel

Ein Klassiker sei, dass es den Menschen in der Übergangszeit zu warm und im Winter zu kalt in ihren Räumen ist, schildert die Beraterin. Mit der richtigen Nachjustierung der Einstellungen sei dies aber zu beheben. Martin Sauerteig hätte am liebsten eine Rückkopplung von der Raumtemperatur zur Kesselsteuerung. „Das geht bei meinem Kessel aber nur drahtgebunden“, erklärt er. Darum nimmt er bislang noch mit der Optimierung der Heizkurve vorlieb. „Da wird die Energie dann aber nur über die Außentemperatur bestimmt – so bald es draußen kälter wird, ballert der Kessel“, sagt er.

Dämmung der Rohre und Armaturen

An einem zweiten Termin mit Martin Sauerteig wird Birgit Groß die Messergebnisse auslesen, daraus Schlüsse ziehen und konkrete Tipps geben. Einer wird sein, im Keller alle Leitungen zu Kessel und Boiler zu dämmen. Zwar sind die meisten Kupferrohre schon ummantelt, einige Abschnitte direkt an Kessel und Boiler sind aber noch blank. „Auch an Armaturen und Pumpen lohnt sich die Dämmung“, sagt sie. Vielleicht könne man auch an der Regulierung der Heizanlage noch etwas ändern, meint sie.

Oft noch die Werkseinstellung

Anders als in vielen anderen Haushalten sei im Hause Sauerteig allerdings schon vieles gut eingestellt. „Bei vielen Anlagen ist noch die Werkseinstellung vorhanden, denn viele Menschen trauen sich nicht, das System nach ihren Bedürfnissen einzustellen“, so ihre Erfahrung. Welche Nutzungszeiten man hat und wann genau man es warm haben möchte, sollte man aber schon analysieren. Wichtig sei auch, dass nicht zu viel Wärme zur Verfügung gestellt wird – die dann nur über den Kamin abgegeben werde.

Hydraulischer Abgleich

Vielleicht wird Birgit Groh auch einen hydraulischen Abgleich der Heizanlage empfehlen. Oft ist es in Räumen nahe der Heizquelle zu warm und in weiter entfernten zu kalt. Verbunden sei dies oft mit störenden Strömungsgeräuschen. Voreinstellbare Thermostatventile an jeder Heizung sorgen dafür, dass jeder Heizkörper die richtige Menge Heizwasser erhält und so jeder Raum optimal beheizt wird. Für etwa 1 000 Euro sei der hydraulische Abgleich im Einfamilienhaus möglich, so Groh. Das Einsparpotenzial sei hoch, denn anschließend reiche oft eine deutlich kleinere Umwälzpumpe.

Förderung für neue Pumpe

Überhaupt die Pumpen: Wird eine alte Umwälzpumpe durch eine Hocheffizienzpumpe ersetzt, spare dies pro Pumpe 60 Euro im Jahr. „Die Investition amortisiert sich schnell, zumal es für den Pumpentausch noch 30 Prozent Förderung gibt“, erklärt Groh. Gut überlegt sein will auch, wie warm es sein muss im Haus. „Ein Grad weniger bringt sechs Prozent weniger Energieverbrauch“ sagt sie. Das größte Potenzial habe aber die richtige Einstellung der Anlage, so die Beraterin: „Da sind bis zu zehn Prozent Ersparnis möglich.“

 

Die KEK bietet in Kooperation mit der Verbraucherzentrale verschiedene Energie-Checks für alle Karlsruher Haushalte an. Die Berater kommen ins Haus. Ziel ist einen unabhängige und verlässliche Beratung für die Verbraucher, wie sie den Energiebedarf und die -kosten senken können – vor dem Hintergrund, dass so auch große Mengen CO2 eingespart werden können. Da die Beratungen weitgehend durch Fördermittel des Bundes finanziert werden, fällt für die Verbraucher lediglich ein Anteil von 30 Euro an. Kostenlos gibt es den Basis-Check für Mieter und private Eigentümer, bei dem der Strom- und Heizenergieverbrauch sowie die Geräte im Fokus stehen. Weitere Angebote sind der Gebäude-Check, der Solarwärme-Check und der Eignungs-Check für Solarwärme sowie der Heiz-Check.  Bei letzterem werden Heizsysteme mit Niedertemperaturkessel, Brennwertkessel, Wärmepumpe oder Fernwärme überprüft, ob ihr Verbrauch und ihre Leistung in einem optimalen Verhältnis stehen. Nicht möglich ist der Check für rein elektronische Versorgungen wie Nachtspeicheröfen.  Gemessen werden die Systemtemperaturen über mindestens 24 Stunden. Ergebnis ist ein Kurzbericht mit den Check-Ergebnissen und Empfehlungen. Dieser geht den Verbrauchern spätestens vier Wochen nach dem zweiten der einstündigen Besuche zu. Das Angebot richtet sich an private Haus- und Wohnungseigentümer sowie private Vermieter.
Termine können bei der KEK per E-Mail unter sowie unter Telefon 4 80 88-0 vereinbart werden.  Weitere Informationen zum Heiz-Check gibt es hier.