WENIG WASSER IM RHEIN – WENIGER HEIZÖL AN BORD: Das wirkt sich auf die Lager aus. Heizölhändler aus der Region müssen die Ware teilweise aus Nordrhein-Westfalen holen. Die Lieferfristen für die Endkunden sind deutlich höher als sonst. | Foto: dpa

Auswirkung des Niedrigwassers

Heizölhändler im Stress

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Hans-Jürgen Funke kennt die Heizölbranche aus dem Effeff. Seit 28 Jahren ist er dort tätig. „So etwas habe ich aber noch nicht erlebt“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH/Mannheim) im BNN-Gespräch. Mit „so etwas“ meint er das Niedrigwasser des Rheins. Teilweise sind die Tankschiffe nur zu einem Drittel beladen, was die Frachtkosten erhöht. Vor allem kommt aber nicht genügend Heizöl für die Lager nach – ausgerechnet jetzt, wo es kalt wird. Viele Konsumenten ordern derzeit wegen der Witterung Heizöl. Sie bestellen aber auch den Tanklaster, weil sie nicht noch höhere Preise bezahlen wollen.

Doch hier sieht Funke gute Gründe für eine Entwarnung: Die Wachstumsraten gehen weltweit zurück, was erfahrungsgemäß den Rohölpreis drückt. Auch die Iran-Sanktionen von US-Präsident Donald Trump sind aus Sicht des VEH bereits eingepreist. Funke: „Wer also noch ein gutes Drittel oder die Hälfte in seinem Heizöltank hat, sollte sich auf das kommende Jahr konzentrieren. Ich gehe davon aus, dass sich dann die Situation auch wieder preislich entspannt.“

Heizölhändler setzen auch auf synthetische Brennstoffe

Flüssige Energieträger werden – so Funkes Prognose – gefragt bleiben. Wenn synthetisches Heizöl einmal wirtschaftlich ist, könnten Hauseigentümer ihre bisherigen Tanks und Heizanlagen weiter benutzen. Der Branchen-Lobbyist begrüßt auch Kohlendioxid-Modelle beim Heizöl: Der Verbraucher bezahlt etwas mehr, dafür werden im Gegenzug beispielsweise Aufforstungsprojekte in Schwellenländer finanziert, um die CO2-Bilanz zu verbessern.

„Die Ölheizung ist kein Auslaufmodell“, sagt Funke. Einsparpotenziale ergäben sich durch zeitgemäße Brennwerttechnik. | Foto: jodo

„Die Ölheizung ist kein Auslaufmodell“, sagt Funke. Einsparpotenziale ergäben sich durch zeitgemäße Brennwerttechnik. 56,5 Prozent der Ölheizungen im Südwesten sind 20 Jahre und älter. Hier sei es wichtig, dass die Politik das Erneuerbare-Wärme-Gesetz nicht verschärft. Bislang schreibt es bei Modernisierungen von Heizanlagen vor, dass zu 15 Prozent auf Erneuerbare gesetzt wird. Dies schrecke viele Menschen ab, ohne Not in eine sparsamere Technik zu investieren. Aktuell komme erschwerend hinzu, dass Installateure sehr gut ausgelastet sind. Funke räumt auch ein, dass Heizen mit Öl wieder teurer als Heizen mit Gas ist. Hauseigentümer mit größeren Öltanks könnten Preisspitzen aber durchaus aussitzen.

Nach VEH-Angaben wurden im vergangenen Jahr bundesweit rund 700 000 Heizgeräte eingebaut: Gas hatte demnach einen Anteil von rund 60 Prozent, Öl von zehn Prozent und die Wärmepumpentechnologie von acht Prozent. Diese könne in Neubaugebieten durchaus sinnvoll sein, sagt Funke. Regionale Nahwärmenetze auf dem flachen Land hätten hingegen ohne Subventionen keine Chance, wirtschaftlich zu sein.
Im Bestand hat die Zahl der Ölheizungen über die Jahre abgenommen: 1998 gab es 6,4 Millionen in Deutschland. Im vergangenen Jahr waren es noch 5,6 Millionen. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen. „Es ist aber kein rapider Einbruch.“

Der VEH vertritt rund 430 überwiegend mittelständische Mitgliedsfirmen, die neben Heizöl auch Holzpellets, Kohle, Kraft- und Schmierstoffe, technische Gase und vereinzelt Strom sowie Erdgas anbieten. Zum VEH-Gebiet gehören Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland sowie Thüringen. Dort deckten die VEH-Mitglieder 80 Prozent des Marktvolumens ab.