Auch Polizistinnen und Polizisten benötigen mal jemanden, der ihnen zuhört. Sie können sich jederzeit an einen der Polizeiseelsorger oder an die Psychosoziale Beratung des Polizeipräsidiums Karlsruhe wenden. | Foto: Adobe Stock / Brian Jackson

Helfer in der Not

Die Arbeit der Polizeiseelsorger

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Den hartgesottenen Gesetzeshüter mag es zwar immer noch geben; Tatsache ist aber auch, dass viele Polizisten und Polizistinnen darunter leiden, bei der Arbeit regelmäßig mit Toten, Verstümmelten oder Schwerverletzten konfrontiert zu werden. Auch die immer häufiger werdenden Bedrohungen und Beleidigungen hinterlassen Spuren. Manche Erlebnisse können zu posttraumatischen Störungen führen, die Schwierigkeiten im Beruf und im Privatleben, Alkoholismus oder gar Selbsttötungsabsichten mit sich bringen.

„Wir waren Vorreiter“

„Für diese Menschen sind wir da“, sagt Gabriele Hug. Die Pfarrerin der Karlsruher Christuskirche ist seit 1995 Polizeiseelsorgerin des Polizeipräsidiums Karlsruhe. „Damals gab es diese Funktion eigentlich noch gar nicht“, sagt sie. „Wir waren Vorreiter für ganz Baden-Württemberg. Polizisten hatten stark zu sein. Erst nach und nach änderte sich das allgemeine Bewusstsein und es wurde klar, dass auch Polizisten hin und wieder Hilfe oder Begleitung brauchen.“

Viele Aufgaben für Pfarrer

Die Aufgabe von Gabriele Hug ist ausgesprochen vielfältig. Mal eilt sie zu einem schweren Autobahnunfall, um gegebenenfalls trösten zu können. Mal leitet sie – was häufiger vorkommt – Arbeits- oder Gesprächsgruppen innerhalb der Polizei, in denen über Probleme geredet wird. „Es sind nicht immer spektakuläre Fälle, bei denen Betreuung gefragt ist“, sagt die Pfarrerin. „Es sind auch viele Alltagsprobleme, die einen Polizisten belasten.“ Das kann zum Beispiel eine „hohe Empfindlichkeit bei Bewertungen“ sein, wenn es um eine Beförderung geht. Oder ganz normale Sorgen mit Kollegen oder Vorgesetzten.

„Ökumenisches Tandem“

Gemeinsam mit dem katholischen Pastoralreferenten Peter Bitsch bildet Gabriele Hug in Sachen Polizeiseelsorge ein „ökumenisches Tandem“. „Alle Gespräche, die wir führen, stehen unter dem Schutz des Zeugnisverweigerungsrechts“, sagt Bitsch. „Oft hilft es den Menschen schon, wenn ihnen nur jemand zuhört.“ Bitsch sieht sich denn auch mehr als „Wegbegleiter“ denn als „Problemlöser.“

Zusammenarbeit mit „PSB“

Was sowohl Gabriele Hug als auch er festgestellt haben: Während eines Einsatzes, beispielsweise bei einem Verkehrsunfall oder neulich nach dem Flugzeugabsturz bei Rheinhausen, würden die Helfer meist noch sehr gut „funktionieren“ und bräuchten nicht sofort Hilfe. Ein oder zwei Tage danach sieht das oft anders aus.
Alleine könnten die beiden Seelsorger die mannigfaltigen Aufgaben längst nicht mehr erledigen. Sie arbeiten eng zusammen mit dem „PSB“-Team des Polizeipräsidiums Karlsruhe. PSB steht für „Psychosoziale Beratung“. Dieses Team setzt sich zusammen aus erfahrenen, gut ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen des Präsidiums. Zwei Polizeibeamte, Roland Heilig und Michael Strauß, wurden eigens freigestellt und arbeiten jetzt hauptamtlich für die PSB.

„Um Kollegen kümmern“

„Wir sind für alle Beschäftigten und Angehörige des Polizeipräsidiums Karlsruhe da, ganz gleich, ob die Anlässe geschäftlicher oder privater Natur sind“, sagt Heilig, der 30 Jahre lang im Ermittlungsdienst in Calw tätig war, bevor er seit Januar 2015 im PSB-Team einen völlig anderen Job antrat.
„Ich habe schon immer mein Herzblut daran gesetzt, mich um Kollegen zu kümmern“, sagt Heilig, der seit über 20 Jahren auch im „Weißen Ring“ tätig ist, jener Hilfsorganisation, die sich um Kriminalitätsopfer und deren Familien kümmert.

„Wir vermitteln professionelle Hilfe“

Die rund zehn Mitglieder des PSB-Teams, die zum Teil auch in Pforzheim oder Nagold arbeiten, nehmen sich Zeit, sie hören zu, sie beraten, sie begleiten. „Gemeinsam erarbeiten wir Lösungsmöglichkeiten“, sagt Heilig, „und wir vermitteln professionelle Hilfe. Ich bin froh, dass sich die Polizei dieser Themen angenommen hat. Die Kollegen sollen wissen, dass es kein Makel ist, wenn man irgendwann mal nicht mehr alles schultern kann. Es ist legitim, auch mal zu sagen: Mir geht es gar nicht gut.“ Zwei bis drei Einzelgespräche führt der 54-Jährige jeden Tag mit Kolleginnen und Kollegen. Man sieht also: Der Bedarf ist da. Und er wird in Zukunft vermutlich eher steigen als sinken.

 

Info:

2017 kamen auf den Straßen im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe über 60 Menschen ums Leben. Einmal im Jahr findet zum Gedenken an alle Unfalltoten ein Gottesdienst statt. Am Freitag, 23. März, ist es wieder soweit: Ab 15.30 Uhr werden sich in der Stephanskirche in Karlsruhe nicht nur viele Angehörige der Opfer einfinden, sondern auch Einsatz- und Hilfskräfte. Der öffentliche Gottesdienst wird von Gabriele Hug und Peter Bitsch gemeinsam geleitet.