Helmut Sandrock beendet seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Karlsruher SC und verlässt den Verein auf eigenen Wunsch zum 31. August dieses Jahres. | Foto: Oliver Hurst/GES

Paukenschlag in Karlsruhe

Geschäftsführer Helmut Sandrock verlässt den KSC

Paukenschlag in Karlsruhe: Helmut Sandrock beendet seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Karlsruher SC und verlässt den Verein auf eigenen Wunsch zum 31. August dieses Jahres. Das teilte der KSC am Dienstag per Pressemitteilung mit.

„Wir haben allergrößten Respekt vor der Entscheidung von Helmut Sandrock, die wir gleichzeitig zutiefst bedauern“, wurden Präsident Ingo Wellenreuther und die beiden Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze in der Mitteilung des Fußball-Drittligisten zitiert. Verabschiedet wurde Sandrock mit warmen Worten: Er habe sich für den KSC stets mit vollem Engagement eingebracht und einen ganz entscheidenden Anteil daran, dass sich der Verein in den vergangenen Monaten gut für die Zukunft aufgestellt habe, hieß es weiter. Sandrock selbst wurde in der Club-Mitteilung nicht zitiert. Die Zukunft des renovierungsbedürftigen KSC, die der frühere Thyssen-Manager und DFB-Generalsekretär maßgeblich gestalten sollte und wollte, findet ohne ihn statt.

Wichtige Rolle bei der Lizenzierung

Der 61-jährige Sandrock hatte das Amt als Geschäftsführer seit dem Juni 2017 inne. Als Leisetreter war er nicht bekannt, er sollte beim KSC aufräumen, umkrempeln und sanieren. Sandrock wollte sich nicht vom Präsidium zum bloßen Gehilfen stempeln lassen, das hatte er in diversen Hintergrundgesprächen deutlich gemacht. Sandrock spielte bei der kniffligen Lizenzierung im Frühjahr eine gewichtige Rolle, was das Präsidium auch hervorhob, und er entwickelte eine starke Position nach innen wie nach außen. Das Zukunftskonzept des Vereins, in dessen Umsetzung die Stadt und nicht zuletzt die dadurch gnädiger gestimmten Hausbanken Hoffnungen setzen, ging offenbar in weiten Teilen auf Sandrock zurück. Der Verwaltungsrat forderte mit Nachdruck vom Präsidium, das Konzept umzusetzen.

Auf der Präsidiumssitzung am Montag sollte die Kompetenzerweiterung für den Geschäftsführer und die damit verbundene, notwendige Satzungsänderung Thema sein. Ein Anwalt sollte dazu Stellung nehmen. Zu diesem Punkt sei man aber nicht mehr gekommen, erklärte Wellenreuther am Dienstag und betonte: „Die Entscheidung von Helmut Sandrock steht in keinem Zusammenhang mit der Vertagung.“ Über die Hintergründe von Sandrocks Entscheidung wollte sich Wellenreuther aber nicht äußern.

Wohl nicht in allen Punkten einer Meinung: Zwischen Präsident Ingo Wellenreuther und Helmut Sandrock sollen sich Gräben aufgetan haben. | Foto: GES

Die Mitglieder des Verwaltungsrats erfuhren am Dienstagmorgen von Sandrocks Abschied. Vom Account des Geschäftsführers kam am Dienstag um 8.09 Uhr eine lange Mail, in der er sich bei den Angehörigen der Gremien für die Zusammenarbeit bedankte und seine Kündigung bestätigte. Obwohl Sandrocks Kündigung für die in der Sache kundigen Angehörigen der Vereinsgremien nicht mehr unvermittelt kam, reagierten die meisten erschüttert auf diese Entwicklung. Diese hatte sich für Beobachter abgezeichnet, da sich im Verhältnis zwischen Sandrock und dem KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther vor längerer Zeit schon Gräben aufgetan hatten. Darüber sprach man – nur eben nicht offen.

Funktionäre auf Tauchstation

Am Dienstag, nachdem die Katze aus dem Sack war und die Drähte zwischen den Funktionären im Verein glühten, gingen alle auf Tauchstation. Denn: Jedes Wort, so die Furcht wohl, wäre womöglich eines zu viel gewesen. Informell aber war durchgesickert, dass man sich im Verwaltungsrat kurzzeitig auch mit dem Gedanken an die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung getragen hatte.

Eine „Tragödie“ sei der Weggang von Helmut Sandrock für den KSC, findet Sportchef Oliver Kreuzer. | Foto: GES

Einer äußerte sich dann doch: Sportchef Oliver Kreuzer, ein alter Vertrauter von Sandrock. Der Sportchef sagte am Dienstag im Trainingslager des KSC in Tirol gegenüber dieser Zeitung, dass er „schockiert“ sei und den Vorgang als „Tragödie“ empfinde. „Ich bedauere es sehr, dass es uns als Verein nicht gelungen ist, ihn für den gemeinsamen Prozess in die Zukunft zu gewinnen. Er hat mich über seinen Schritt und über seine Gründe informiert. Diese sind aber nichts für die Öffentlichkeit“, erklärte Kreuzer.

Kobald unterschreibt

„Das vom ihm und dem Präsidium verantwortete Zukunftskonzept wird die Basis für die Arbeit der nächsten Zeit sein. Ebenso werden wir die Pläne zur Satzungsänderung intensiv weiterverfolgen“, erklärte das Präsidium in der Mitteilung des KSC, der am Dienstag dann immerhin noch eine sportliche Nachricht hatte: Innenverteidiger Christoph Kobald unterschrieb erwartungsgemäß  einen bis 2021 gültigen Vertrag beim badischen Fußball-Drittligisten. Der Österreicher spielte zuletzt beim SC Wiener Neustadt.

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