Bis heute das Maskottchen: Eichhörnchen Pippilotta war eines der ersten Tiere, um die sich WiTAS kümmerte. Mittlerweile ist der rote Nager ausgewildert – und erwartet aller Voraussicht nach Nachwuchs. | Foto: Fritzenschaf

WiTAS in Karlsruhe

Hilfe für Wildtiere in Not

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Eichhörnchen Pippilotta ist bis heute das Maskottchen der Wildtierauffangstation WiTAS. Schließlich war der Nager das prominenteste Tier, um das sich WiTAS bislang kümmerte. Jetzt hat der Karlsruher Verein auch ein eigenes Büro.

Der jüngste Gast ist gerade einmal halb so groß wie ein Daumen. Er sagt noch nicht viel, und sehen kann er auch noch nicht. Der kleine Spatz ist aus dem Nest gefallen, Schülerinnen und Schüler der Südendschule haben ihn gefunden und direkt zur Wildtierauffangstation WiTAS gebracht. Der Verein hat neuerdings ein Büro in der Nordstadt (New-York-Straße 3-7), in dem verletzte und hilfsbedürftige Tiere direkt vorbeigebracht werden können. Dies ist zu den Öffnungszeiten von Nelly’s Futterkiste möglich (unter der Woche von 9 bis 18.30 Uhr, samstags bis 16 Uhr). Am Samstag wird das Büro des noch jungen Vereins offiziell eröffnet.

Aus dem Nest gefallen ist dieser kleine Spatz. | Foto: Mori Monteiro

Pippilotta sorgte im August 2018 für Schlagzeilen

Praktisch seit der ersten Stunde dabei sind die Karlsruher Tierärztin Astrid Fritzenschaf und ihre Tochter Larissa. Mittlerweile hat der Verein 70 Mitglieder. Über ein großes Gelände mit Volieren für die Tiere verfügt der Verein noch nicht – weswegen sich die Mitglieder und verschiedene Ehrenamtliche privat um die Tiere kümmern. Prominentestes Findelkind war im vergangenen Jahr das Eichhörnchenmädchen Pippilotta. Das Tier sorgte im August 2018 über Deutschlands Grenzen hinaus für Schlagzeilen, weil es in der Nordstadt einem Mann auf die Pelle rückte. Dieser wusste sich nicht mehr zu helfen und verständigte die Polizei. Die Geschichte sorgte für Erheiterung – und Pippilotta eroberte die Herzen. Larissa Fritzenschaf päppelte den roten Nager auf, ehe er nach einigen Wochen wieder in die Freiheit entlassen wurde.

Das Eichhörnchen schaut regelmäßig vorbei

Und auch heute noch schaut Pippilotta regelmäßig bei ihrer Auswilderungsvoliere vorbei. „Ihr eines Auge ist etwas eingetrübt“, erklärt Larissa Fritzenschaf. „Dadurch können wir sie erkennen.“ Zuletzt sei Pippilotta vor etwa zwei Wochen da gewesen – und das Tier ist wahrscheinlich in anderen Umständen. „Sie war sehr proper“, sagt Fritzenschaf. „Wir vermuten, dass sie Nachwuchs erwartet.“

Ein gesundes Tier gehört in die Freiheit

Um Eichhörnchen kümmern sie sich häufig bei WiTAS. Aber auch Igel, Singvögel oder Mäuse sind immer wieder unter den Findelkindern. Die Fritzenschafs kümmern sich aktuell um drei Spitzmäuse, die in den vergangenen Wochen ihr Gewicht von etwa vier auf rund acht Gramm verdoppelt haben. Auch sie werden bald in die Freiheit entlassen.

Die Tierschützer kümmern sich aber auch um größere Tiere wie Füchse, Reptilien oder Greifvögel. Gegebenenfalls werden entsprechende Experten hinzugezogen. Nicht immer fällt es den Tierschützern leicht, ihre Schützlinge wieder gehen zu lassen. Aktuell werden etwa die Eichhörnchen Ronja und Birk ausgewildert. „Wenn man die Tiere über mehrere Wochen betreut, werden sie schon anhänglich“, so Fritzenschaf. Ein gesundes Tier gehöre aber in die Freiheit. Ausgewildert werden die WiTAS-Schützlinge, indem die Voliere minimal geöffnet wird. Die Tiere können also in den ersten Tagen immer wieder in ihr vertrautes Umfeld zurück.

Verletzte Tiere direkt vorbeibringen

Findet man irgendwo ein hilfsbedürftiges Tier, dann rät Larissa Fritzenschaf, es direkt bei WiTAS vorbeizubringen. Ist ein Tier schwerer verletzt – und muss gegebenenfalls transportiert werden – sei der Tierrettungsdienst UNA (Telefon: 07 00-95 29 52 95) der beste Ansprechpartner. Aktuell hofft WiTAS, bald eine passende Immobilie zu finden – im Idealfall mit einem großen Außengelände. „Wir hatten gehofft, dass uns die Stadt da etwas entgegenkommt“, sagt Larissa Fritzenschaf. Dies sei nicht geschehen: „Die Stadt hat kein Gelände, das sie uns zur Verfügung stellen kann – was uns wundert“, so Fritzenschaf. Wichtig wäre für die Tierschützer eine Immobilie, die über Strom und fließendes Wasser verfügt.

Werden noch bei WiTAS aufgepäppelt: Die Spitzmäuse haben ihr Gewicht in wenigen Wochen bereits verdoppelt. | Foto: Mori Monteiro

Längerfristig würde man sich gerne an größeren Tierauffangstationen orientieren, wie es sie beispielsweise in Norddeutschland häufig gibt. „Die beschäftigen dann auch einen Tierpfleger oder sogar einen Tierarzt“, weiß Larissa Fritzenschaf.

Viele Ehrenamtliche

Ziel von WiTAS sei es außerdem, die Bemühungen sämtlicher Ehrenamtlicher zu bündeln. Laut Fritzenschaf gibt es in Karlsruhe und der Region zahlreiche Menschen, die sich um verletzte und hilfsbedürftige Tiere kümmern. WiTAS schwebt vor, all diese Kräfte zusammenzuführen, sich auszutauschen und auch Kontakte herzustellen. „Die Bürger sollen wissen, dass es WiTAS gibt, und wir über ein Netzwerk verfügen“, so Fritzenschaf.

Sie kümmert sich nun erst einmal um den Spatz, der aus dem Nest gefallen ist. Aufgepäppelt wird der Winzling mit einem speziellen Fertigbrei. Bislang hat er ordentlich gefressen, was laut Fritzenschaf ein gutes Zeichen ist.

Das Büro der Wildtierauffangstation Karlsruhe (WiTAS) wird am Samstag um 11 Uhr eröffnet. Das Büro befindet sich in einem Raum in Nelly’s Futterkiste (New-York-Straße 3-7). Dort findet von 10 bis 16 Uhr im Untergeschoss auch ein Tierschutzflohmarkt statt.