Traudel Romer (links) ist Vorsitzende des Vereins Arbeitskreis Leben (AKL), Dorothea Manz eine der beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Foto: Weber

Suizidprävention in Karlsruhe

Hilfe in Lebenskrisen

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In der Karlsruher Hirschstraße sitzen Traudel Romer und Dorothea Manz an einem Tisch und erzählen von ihrer Arbeit. Traudel Romer ist erste Vorsitzende des AKL Karlsruhe. AKL steht für „Arbeitskreis Leben“, insgesamt zehn AKL-Zweigstellen gibt es in Baden-Württemberg und alle haben ein Ziel: Zu helfen – bei Lebenskrisen oder bei Selbsttötungsgefahr. Oder auch nach einem Suizid, wenn Angehörige nicht mehr weiter wissen.

Hilfe für alle Altersgruppen

„Wir sind vor 27 Jahren aus der Telefonseelsorge entstanden“, sagt Dorothea Manz, eine der beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des AKL Karlsruhe. Das Motto des AKL lautet: Menschen in Krisen brauchen ein Gegenüber. „Ein persönliches Gespräch ist immer besser als ein Telefongespräch“, sagen die beiden Frauen. „Die Menschen brauchen eine Bezugsperson. Und die haben sie bei uns.“
Wer ruft an beim AKL? „Das geht vom Teenager bis zum Senior“, sagt Dorothea Manz und erklärt, dass sich nicht nur Gefährdete melden, sondern auch Angehörige, die sich Sorgen machen.

„Wir gehen auch in Schulen“

„Aus diesem Grunde ist Suizidprävention ganz wichtig“, ergänzt sie. „Wir gehen in viele Schulen, um die Jugendlichen zu sensibilisieren. Die Menschen müssen ja wissen, dass es uns gibt. Immer wieder melden sich auch mal Lehrer bei uns, die sich Sorgen um einen Schüler oder eine Schülerin machen.“ Was ganz wichtig ist: Die Gespräche in der Hirschstraße finden immer sehr „zeitnah“ nach dem Erstkontakt statt. Länger als zwei bis drei Tage muss normalerweise niemand warten, oft kommt es vor, dass Dorothea Manz am Telefon sagt: „Kommen Sie bitte gleich vorbei.“

Beziehung wird aufgebaut

„Was wir anbieten, ist ein Beziehungsangebot“, sagt Traudel Romer, die – wie auch Dorothea Manz – Gestalttherapeutin ist. „Ab dem Moment des ersten Telefonats wird eine Beziehung zu dem Gefährdeten aufgebaut.“ Und nicht selten kann direkt beim ersten Telefonat Schlimmeres verhindert werden. „Es gibt Menschen, die waren schon mit einem Strick in den Wald gegangen und haben dann doch noch bei uns angerufen“, erinnert sich Dorothea Manz an dramatische Situationen. „Ein anderes Mal rief ein junger Mann an, der den Drang hatte, sich unter einen Zug zu werfen. Die Absichten zur Selbsttötung sind oft schon ganz konkret.“

Helfer müssen sich schulen lassen

Wer mitarbeiten möchte beim AKL, muss sich zunächst sehr gut schulen lassen. „Die wichtigsten Kriterien, die unsere Ehrenamtlichen haben sollte, sind Stabilität und Lebenserfahrung“, sagt Traudel Romer. „Außerdem muss man Empathie für Menschen haben und sowohl kontakt- als auch beziehungsfähig sein.“ Die Interessenten werden nicht nur neun Monate lang ausgebildet – sie treffen sich auch anschließend alle 14 Tage zu einer Gruppenbesprechung, einer sogenannten Supervision. Jeder bringt hier seinen aktuellen Fall ein, dann wird gemeinsam darüber gesprochen. Das hilft den Ehrenamtlichen nicht nur weiter, es entlastet sie auch.

Derzeit 15 Ehrenamtliche

Derzeit sind 15 Ehrenamtliche aus den unterschiedlichsten Berufen für den Karlsruher AKL tätig, die meisten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, nur zwei Männer sind dabei. Wie lange die Betreuung geht, hängt immer vom Einzelfall ab. Bei ganz schweren Fällen geht es letztlich nur darum, die Menschen aufzufangen, bis sie einen Therapieplatz bekommen. Oder zumindest einen Termin beim Psychotherapeuten. „Das kann schon mal fünf bis sieben Monate dauern“, sagt Dorothea Manz.

Neue Trauergruppe

Viel länger dauern die Kontakte mit Hinterbliebenen, die um einen Angehörigen trauern. Am 3. Mai beginnt eine neue Trauergruppe für Hinterbliebene nach Suizid. In einem geschützten Rahmen können Betroffene ihre Erfahrungen teilen. Dabei ist der Austausch eine große Hilfe beim Verarbeiten des traumatischen Erlebnisses. Es ist wichtig, mit der Trauer nicht alleine zu sein.

Auf Spenden angewiesen

Und wie finanziert sich die Arbeit des AKL? „40 Prozent unserer Ausgaben erhalten wir von Stadt, Landkreis und Land, die restlichen 60 Prozent müssen wir selbst beibringen“, sagen die beiden Frauen. „Wir sind deshalb sehr auf Spenden angewiesen.“

Oft nur Weitervermittlung

Gibt es eigentlich auch Anrufer, die abgewiesen werden? „Das kommt auch vor“, sagt Dorothea Manz. „Einmal rief mich jemand an und bat mich darum, seine Wohnung aufzuräumen. Ein anderer hatte ein Problem mit seiner Freundin, der dritte mit dem Gericht. Diesen Menschen können wir dann lediglich insofern weiterhelfen, als wir sie an einen der zuständigen sozialen Dienste vermitteln.“

Info: Telefon: (07 21) 81 14 24. Telefonsprechzeiten Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 10 bis 12 Uhr, Mittwoch 17 bis 19 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten vermittelt die Telefonseelsorge in dringenden Fällen an den AKL weiter. Nummer der Telefonseelsorge: (08 00) 1 11 01 11.

 

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