Die anhaltende Trockenheit macht vielen Bäumen im Landkreis Karlsruhe zu schaffen. Dazu kommt, dass sich bei diesem Wetter Sekundärschädlinge vermehren. Mehr als zwei Drittel der vom Forst im Frühjahr gepflanzten Bäume sind schon abgängig. | Foto: Laura Schüssler

Jungbäume besonders betroffen

Hitzestress ist eine komplexe Krankheit

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Von Hitzestress ist in diesen Tagen viel die Rede, wenn man die jetzt schon braunen Blätter auf vielen Bäumen sieht oder das vorzeitig abgefallene Laub zusammenrechen muss – und das im August. „Die Hitze ist aber nur ein Faktor einer komplexen Krankheit“, sagt Thomas Eichkorn, der Leiter des Forstbezirks West im Landratsamt Karlsruhe. Trockenheit ist ein anderer Faktor: „Wenn es zweimal in der Woche nachts regnet, machen Temperaturen von 25 Grad den Bäumen nichts aus. Bei anhaltender Trockenheit dagegen wird es stressig. Die Bäume sind der Sonne ausgesetzt, müssen transpirieren, die Blätter müssen einen Gasaustausch durchführen, um am Leben zu bleiben. Das heißt, sie nehmen Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab. Bei diesem Gasaustausch öffnen sich die Spaltöffnungen der Blätter und sie verlieren Feuchtigkeit. Die müssen sie durch den Transport aus den Wurzeln über Stamm und Äste zu den Blättern ersetzen. Bei diesen trockenen Bedingungen ist das extrem schwierig. Wenn sensible Bäume wie die Birke oder die Linde jetzt schon gelb und braun werden und ihre Blätter abwerfen, ist das eine Anpassungsstrategie, damit sie weniger transpirieren.“
Nadelbäume tun sich beim Abwerfen schwer: „Eine Kiefer trägt zwei, maximal drei Nadeljahrgänge“, erklärt Eichkorn. „An trockenen Kieferstandorten hat sie die Nadeln von 2016 schon abgeworfen, um sich an die Trockenheit anzupassen. Aber auch die Kiefer ist jetzt an der Grenze. Wir haben bereits erste Ausfälle an Altkiefern.“

Zum Hitzestress kommen Sekundärschädlinge

Bei der Trockenheit vermehren sich auch Sekundärschädlinge. „Bei der Kiefer ist das der Waldgärtner, ein Borkenkäfer, der zwischen Rinde und Holz lebt und das Absterben beschleunigt. Im Rheintal wachsen auf den Ästen der Kiefer sehr viele Misteln. Dieser Halbparasit entzieht Kiefern – und auch Pappeln – zusätzlich Feuchtigkeit, dadurch trocknen sie noch schneller aus.“
Dazu kommen auch noch Fraßschäden im Boden durch Engerlinge. „In der Lußhardt im Rheintal, entlang der A 5 zwischen Bruchsal und Kronau, gibt es überdurchschnittlich viele Engerlinge im Boden“, sagt Eichkorn. „Sie fressen an den Feinwurzeln nicht nur der Kiefer, sondern aller Bäume. Wenn es dann doch mal regnet, kann der Baum nicht so viel Wasser aufnehmen.“
An den Waldrändern ist die Sonneneinstrahlung besonders stark. „Dort sieht man bereits relativ braune Laubbäume – Linden, Hainbuchen“, sagt Eichkorn. „Aber auch Kiefern sind teilweise schon betroffen. Wir können nur dringend hoffen, dass es in den nächsten Tagen regnet, aber die Wahrscheinlichkeit ist schon wieder gesunken.“

Qualität des Holzes leidet

Das Forstamt erwartet eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Ausfällen und für den Winter und das Frühjahr sehr viele zufällige Nutzungen. Das heißt, dass Bäume außerplanmäßig eingeschlagen werden, solange sie noch nutzbar sind. Damit erzielt man natürlich nicht den gewünschten Preis am Holzmarkt, weil die Qualität schlechter ist. Auch der Aufwand liegt über dem Durchschnitt, planmäßige Hiebe müssen dafür zurückgestellt werden. Aber diese Arbeiten müssen allein schon aus Gründen der Verkehrssicherung ausgeführt werden.

Kleinflächige Neupflanzungen haben bessere Chancen

Besonders kritisch ist die Lage bei den Jungpflanzen, die mehr als tief ins Grundwasser wurzelnde ältere Bäume auf Niederschlag angewiesen sind. „Die im März und April dieses Jahres gepflanzten Bäume sind jetzt schon zu mehr als zwei Dritteln ausgefallen“, berichtet Eichkorn. „Ich fürchte, dass wir den Rest in den nächsten Tagen auch verlieren. Besonders schlimm betroffen sind großflächige Anpflanzungen, an kleinflächigen Verjüngungen unter 0,3 Hektar sieht es etwas besser aus, weil größere Nachbarbäume dort für Bestandsschatten sorgen. Da haben die jungen Bäume eine Chance, sich durchzukämpfen.“ Auf einer großflächigen Ersatzaufforstung in Friedrichstal sind, nachdem es dort im vorigen Jahr zu Teilausfällen durch Spätfrost gekommen war, neu gepflanzte Bäume bereits vertrocknet. „In kluger Voraussicht haben wir bei einer großen Aufforstung bei Kirrlach einen Brunnen gebohrt“, berichtet Eichkorn. „Die Ausfälle dort liegen nahezu bei null.“

Versuche mit weniger anfälligen Bäumen

Schon seit mehreren Jahren macht man sich beim Forstamt Gedanken über die Klimaerwärmung und wie man darauf reagieren kann, zum Beispiel durch das Anpflanzen weniger anfälliger Baumarten. Wie ersetzt man zum Beispiel die Esche, die durch das Eschentriebsterben in den Auwäldern entlang des Rheins stark angeschlagen ist? In vielen Fällen, so Eichkorn, hat sich die Stieleiche bewährt. „Sie verträgt die feuchteren Standorte recht gut, ist aber relativ teuer, schwierig zu kultivieren und muss viele Jahre gepflegt werden. Auch ist sie durch Rehwildverbiss gefährdet.“
Kleinflächige Versuche werden auch mit Platanen gemacht. „Sie kommen mit heißen und trockenen Standorten gut klar, aber auch mit Überschwemmungsbereichen“, sagt Eichkorn. „Ausgefallene Buchen haben wir teilweise mit Eichen ersetzt. Während die Buche sich sehr schwer mit dem Klima tut, kann die Eiche sehr tief wurzeln und den Boden besser ausnutzen. Wir machen auch Versuche mit der Baumhasel, die in Städten schon als Straßenbaum angepflanzt wird. Auch Rubinien sind an trockenen, sandigen Standorten eine Möglichkeit. Der Naturschutz hat zwar Bedenken, weil er sie nicht als heimische Baumart ansieht, aber sie hat sehr gutes Holz, das ohne Imprägniermittel im Außenbereich für Spielplätze oder Außenfassaden eingesetzt werden kann. Wir sehen da durchaus Entwicklungschancen.“