Zum Themendienst-Bericht von Ines Schipperges vom 21. November 2017: Die Behandlung von HIV-Patienten ist heute viel weniger aufwendig als früher. Doch in der Gesellschaft ist das Leben mit HIV noch immer ein Tabuthemen. Für die Betroffenen kann das sehr belastend sein. (Archivbild vom 06.11.2009/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn | Verwendung weltweit
Mit dem HI-Virus leben in Deutschland etwa 88 000 Menschen – und das relativ unbeschwert dank moderner Medikamente. Das größte Problem für die Betroffenen sei die immer noch starke Diskriminierung im Alltag, so die Aids-Hilfe Karlsruhe. | Foto: dpa

Aids-Hilfe Karlsruhe klärt auf

HIV-positive Menschen leiden vor allem unter Diskriminierung

HIV und Aids sind heute medizinisch gut behandelbar. Dennoch ist das Thema mit Ängsten, Vorurteilen und Tabus behaftet. Die Aids-Hilfe Karlsruhe will rund um den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember mit besonderen Aktionen informieren und aufklären.

Insgesamt freut man sich in der Anlaufstelle in der Südstadt über eine positive Entwicklung: Die verschiedenen Beratungsangebote wie Gesprächsgruppen für HIV-positive Männer und Frauen seien gut besucht. 712 Menschen besuchten seit Januar den „Checkpoint“, wo man sich auf eine Ansteckung mit dem HI-Virus testen lassen kann – mehr als im gesamten Jahr 2016 (661). „Es ist wichtig, frühzeitig zu wissen, ob man HIV-positiv ist“, erklärt Geschäftsführerin Anja Stegbauer-Bayer. Besonders Frauen bekämen die Diagnose oft erst, wenn sie schwer krank ins Krankenhaus eingeliefert würden.

Etwa 1.000 Menschen im Raum Karlsruhe sind HIV-positiv

Deutschlandweit waren im Jahr 2015 knapp 85 000 Menschen HIV-positiv. Die Zahl der Neuinfektionen ist seit Jahren stabil bei etwa 3 000 bis 3 500. Zählt man sie hinzu, ist für 2016 mit einer Zahl von rund 88 000 zu rechnen. Im Einzugsgebiet der Karlsruher Aids-Hilfe, das etwa eine Million Menschen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sowie in Rastatt und Baden-Baden umfasst, waren Ende 2015 nach eigenen Schätzungen etwa 1 000 Menschen HIV-positiv.

Diskriminierung vor allem im Gesundheitswesen

Mit dem Virus könnten die Betroffenen heute gut leben, erklären Bayer und die Berater Petra Axamit und Matthias Tures. Zudem gebe es mittlerweile neben dem Kondom zwei weitere, gleichwertige Präventionsmethoden: Zum Einen sinke die Zahl der Viren durch die Behandlung mit Medikamenten auf Dauer auf ein so niedriges Maß, dass keine Ansteckungsgefahr für die Sexpartner der Betroffenen bestehe. Zum Anderen sei für diese die so genannte PrEP-Therapie (Präexpositionsprophylaxe) inzwischen offiziell anerkannt: Ein spezielles HIV-Medikament schützt, dauerhaft eingenommen, bereits vor der Ansteckung.
„Das Schlimmste ist aber die Diskriminierung, besonders im Gesundheitswesen“, erklärt Axamit.

Es gibt kein Flug-Aids

HIV-Patienten würden häufig keine oder nur späte Termine in Arztpraxen bekommen, mit der fadenscheinigen Begründung, man müsse hinterher die Behandlungsräume reinigen oder lüften. In der Pflege würden die Menschen oft ohne Not isoliert, das Essen vom Pflegepersonal nur mit Handschuhen und Mundschutz serviert, was völlig unnötig sei. „Es gibt kein Flug-Aids“, meint Axamit.

Aids-Hilfe Karlsruhe sucht neue Räume in der Innenstadt

Wie tabubehaftet das Thema auch heute noch ist, musste die Aids-Hilfe kürzlich selbst erfahren: Zum 1. März 2018 muss sie aus dem Konradin-Kreutzer-Haus ausziehen und ist deshalb auf der Suche nach neuen Räumen im Innenstadtgebiet. „Wir hatten schon etwas gefunden, ein Arzt hatte freie Räume in der Nähe seiner Praxis. Doch dann kam kurzfristig eine E-Mail, in der klar gesagt wurde, dass ,man nicht an die Aids-Hilfe vermieten‘ würde“, so Stegbauer-Bayer. „Und das im Jahr 2017.“

Service
Rund um den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember bietet die Aids-Hilfe Karlsruhe verschiedene Veranstaltungen an. Infos im Internet unter aidshilfe-karlsruhe.de