Kartoffeln schälen ist manchem eine Plage, manchem ein Vergnügen: Entscheidend ist dabei das richtige Werkzeug. | Foto: Manzey

Kartoffelschäler im Selbsttest

Hochkant oder besser horizontal?

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Ehre, wem Ehre gebührt: Sonntag ist der offizielle Tag der Kartoffel. Dieser kuriose Feiertag stammt aus den USA, wie lange dort jedoch der „National Potato Day“ bereits gefeiert wird und auf wen dieser Feiertag zurückgeht, lässt sich heute leider nicht mehr sagen. In Peru – der südamerikanischen Heimat der Kartoffel – begeht man den großen Tag übrigens bereits am 30. Mai; hier wird der Feiertag aber von Staat und Verbänden organisiert. Insgesamt werden weltweit etwa 380 Millionen Tonnen Kartoffel geerntet. Über elf Millionen Tonnen kommen aus Deutschland – so die Statistik des Bundeslandwirtschaftsministers.

Chipsfabrik und Direktverkauf

Auch in der Region Karlsruhe werden Kartoffeln angebaut. In den meisten Fällen ist die Erdknolle nur eine von mehreren Pflanzen, die die Landwirte ernten. So ist es auch bei Uwe Lengert in Stutensee. Seine Schwiegereltern gründeten 1964 den Lindenhof, seit 1997 hat er mit seiner Frau den Betrieb übernommen. Die Lengerts ernten etwa 1 000 Tonnen Kartoffeln im Jahr. Etwa 50 Prozent des Ertrags gehen in die Chips-Produktion, beim Rest hat der Kunde die Auswahl aus zehn verschiedenen Sorten Speisekartoffeln.

Kartoffeln überwintern

Für Uwe Lengert muss eine gute Kartoffel dunkel-gelb im Fruchtfleisch sein, einen feinen, erdigen Geschmack haben und immer auch ein bisschen mit Erde bedeckt sein. „Die Erde ist der natürliche Schutzmechanismus der Kartoffel“, erklärt Lengert. Daher würden seine Kartoffeln auch vor dem Verkauf nicht gewaschen. Zwischen 70 Cent und einem Euro kostet ein Kilo Kartoffeln auf dem Lindenhof. Nach dem Kauf sollten Kartoffeln kühl (bei etwa fünf Grad), dunkel und bei etwa 90 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Dann halten sie sich auch gerne den ganzen Winter hindurch.

Durchschnittliche Ernte

Mit großen Ernteeinbußen aufgrund der Hitze rechnet Uwe Lengert auch in diesem Jahr nicht, er erwartet eine Durchschnittskartoffelernte. Dass er seine Knollen aber mit Herzblut erntet, sieht man auf den ersten Blick: Seine Freunde behaupten, er würde seine Kartoffeln besser behandeln als seine Frau.


Drei Schäler im Test

Hat man sich erfolgreich für eine der vielen Sorten entschieden, stellt sich sogleich die nächste Herausforderung: Wie kriegt man bloß die Schale von der Knolle? Kartoffelschäler gibt es im Handel wie Sand am Meer, die Auswahl fällt beinahe so schwer wie bei der Kartoffel („Sieglinde“, „Gala“, „Bintje“, „Bilena“ und viele mehr) selbst. Die BNN haben daher verschiedene Modelle getestet: Einen Schäler mit hochkantiger Klinge, einen Sparschäler mit horizontalen Klingen und ein altes Kartoffelmesser. Bewertet wurde – sehr subjektiv – in den Kategorien Handhabung, Schälverlust und Zeit.

Der Schälverlust

Zumindest in Sachen Schälverlust ergeben sich bei allen drei Schälern keine großen Unterschiede. Zwischen 12 bis 15 Prozent ihres Gewichts büßt eine durchschnittliche Kartoffel beim Schälen ein. Der Schäler mit den hochkantigen Klingen liegt dabei leicht vorne, überraschend gering ist der Verlust beim Schälmesser.

Die Zeit

Das Schälmesser liegt in Sachen Zeit jedoch klar hinten: Für zwei mittelgroße Kartoffel braucht ein ungeübter Schäler mit dem Messer beinahe drei Minuten. Wer das Messer noch aus Kindertagen kennt, kann hier bestimmt bessere Zeiten erreichen. Mit 1:34 min und 1:59 min ist der Unterschied zwischen dem horizontalen Sparschäler und dem blauen Gemüseschäler gering.

Das Handling

Dafür gibt es in der Kategorie Handhabung einen klaren Sieger: Mit dem blauen Gemüseschäler lassen sich dank der hochkantigen Klingen die Rundungen einer Kartoffel perfekt schälen. Auch das Kartoffelmesser bietet hier erstaunliche Anpassungsmöglichkeiten und trotz der „offenen“ Klinge ein sicheres Gefühl in der Handhabung. Abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt der Sparschäler; die horizontalen Klingen machen die Handhabung schwierig und das Verletzungsrisiko hoch. Dafür überzeugt der Sparschäler mit einem klaren Schnittbild.

Das Fazit

Den perfekten Kartoffelschäler gibt es nicht, am Ende ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks. Schäler mit hochkantigen Klingen sind leichter in der Handhabung, aber auch das gute, alte Kartoffelmesser hat durchaus noch seine Berechtigung in der Besteckschublade. Und wer sich in Sachen Schälwerkzeug nicht entscheiden kann, lässt einfach die Schale dran.

Von Christel Manzey