Nackte Haut am Fußgelenk: Die Hochwasserhose betont Knöchel und Trend-Treter. | Foto: Karin Stenftenagel

Dauer-Trend Hochwasserhose

Zeigt her eure Knöchel

Wechselhaftes Sommerwetter, feucht und warm, aber auch nicht richtig heiß: Was zieht man da bloß an, um den ganzen Tag lang im Büro und auch noch nach Feierabend perfekt klimatisiert zu sein? Modebewusste Karlsruherinnen – und auch ein paar Karlsruher – wissen: Die Hochwasserhose ist da perfekt. Ganz Hartgesottene trugen sogar in den vergangenen Wintern ihre entblößten Knöchel zur Schau. Neu ist der Trend längst nicht mehr, doch vor allem die Frauen in der Innenstadt bleiben ihm weiter treu. Woran das wohl liegt?

Schon seit Jahren hat die Hochwasserhose ihr Uncool-Image als Beinkleid des zu schnell gewachsenen Teenies abgelegt. Der Look kommt jetzt sportlich bis elegant daher und hat auch einen neuen, international klingenden Namen erhalten: „Flanking“, eine (deutsche) Wortschöpfung aus „Flashing“ (Aufblitzen) und „Ankle“ (Knöchel).

Unter der Hochwasserhose blitzen bunte Fußkettchen

Ulla Westermann trägt Leggings in Dreiviertellänge, dazu ein langes Oberteil. „Weil Sommer ist. Da sind die einfach angenehm, schön kühl“, sagt sie. „Und immer mit Sneakers.“ Ihre Kollegin Petra Caliandro trägt ebenfalls Hochwasser-Look, aber einen anderen: Die schmalen Jeans sind etwa auf Sieben-Achtel-Länge hochgekrempelt, kombiniert mit hellen Stoffschuhen. „Das ist praktisch für den Sommer im Büro, weil die Hosen noch übers Knie gehen“, sagt sie. „Wir sind halt beide nicht so der Kleider-Typ“, ergänzt Ulla Westermann.

„Heute ist es nicht ganz so warm, aber auch zu heiß für lange Jeans“, begründet Studentin Luisa (26) ihre Kombination aus löchriger, hochgekrempelter Boyfriend-Jeans und schwarzen Sneakern. „Und weil’s schöner aussieht.“ So kommen auch ihre mit Fußkettchen und -Bändern geschmückten Knöchel zur Geltung.

Die neuen Modelle heißen Kick Flare, Culotte oder Jogger

„Ich laufe immer so rum, das ist ja seit Jahren Trend“, sagt Sandro D’Alessandro. Der 27-Jährige ist Verkäufer bei einer großen Modekette. Über dem Knöchel trägt er zerrissene, schmale Skinny-Jeans und ein überlanges Shirt. Und unterhalb? „Immer Sneakers mit Sneakersocken, die man aber nicht sieht.“

Vor ein paar Jahren noch krempelten auch modische Vorreiter einfach ihre schmalen Röhren- oder Skinny-Jeans oder die weiter geschnittenen Boyfriend-Jeans hoch, um zwischen Hose und trendigen Sneakern die schlanken Fußgelenke in Szene zu setzen. Wer heute modisch in den vorderen Ligen mitspielen will, muss sich da schon etwas mehr trauen – vor allem die Frauen. Bei denen sind fließende Stoffe und vor allem viel Weite angesagt, die Modelle heißen jetzt Kick-Flare (ausgestellte Jeans) oder Culotte (ausgestellte, leichte Stoffhose).

 

„Die Schuhe kommen mehr zur Geltung, das gefällt mir“, sagt Laura Luft. Auf ihrer Shoppingtour im Einkaufscenter Ettlinger Tor trägt sie eine gestreifte Stoffhose im Paperbag-Stil: Der hohe Bund der locker geschnittenen Hose erinnert an eine oben zugefaltete Papiertüte. Die 18-jährige Auszubildende kombiniert dazu trendige Plateau-Sneaker in Rosa. „Ich trage das sehr oft, im Sommer gerne mit Streifen- oder Punktemuster“, sagt sie. „Es ist luftig, aber trotzdem angezogen.“

Luftige, weite Stoffhosen in Dreiviertel- und Siebenachtellänge hat auch Esther Laut in ihrem Laden Minette im Sortiment. „Es ist ein schwieriger Trend: großen Frauen sind die Hosen oft zu kurz, und bei kleinen Frauen stauchen sie optisch.“ Bei ihrer Kundschaft sei der Trend gefühlt so langsam schon wieder vorbei, auch weil jetzt in der Hochzeitssaison vor allem Kleider gefragt seien.

Auch Männer entdecken den Trend zur Hochwasserhose

Der modebewusste Mann – der sich auf Karlsruhes Straßen an diesem Tag eher vereinzelt zeigt – scheint den Trend dagegen gerade erst so richtig zu entdecken, wie Andreas Preißler von Unikat in der Kaiserpassage erklärt. Die so genannten Jogger etwa (Stoffhosen mit bequemem Gummizug an Bund und Saum) müsse er fast täglich nachordern. Ihren Ursprung hätten die Hosen bei den Radkurieren auf den angesagten Fixie-Rennrädern. „Dazu kommt der gerade im Sommer sehr angenehme Tragekomfort.“

Fast alle Arten von Schuhen könne „Mann“ zur Hose kombinieren: Allen voran natürlich Sneaker, aber auch Espadrilles, Flipflops oder – im Büro – schicke Lederschuhe. Bequemlichkeit in Kombination mit einem bürotauglichen Look – das überzeuge sogar Frauen, die ebenfalls die Männerhosen kauften.

Nasse Füße bekäme man übrigens bei hohem Pegelstand trotz Hochwasserhose. Nur das Beinkleid selbst hat Chancen, beim Waten durch sommerliche Regenpfützen trocken zu bleiben. Das nächste (Mode-)Gewitter kann kommen.