Wissenschafts-Manager: Seit vier Jahren steht der 55-jährige Holger Hanselka an der Spitze des KIT, dem Zusammenschluss von Technischer Universität und Forschungszentrum Karlsruhe. | Foto: Andrea Fabry

KIT Präsident Holger Hanselka

Höchstmaß an Kontrolliertheit

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„In meiner Schulzeit habe ich so viel getan, wie nötig war und ansonsten die Freizeit in der wunderschönen Natur des Harzes genossen“, erzählt Holger Hanselka. An die Heimat Osterode fühlt sich der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) erinnert, wenn er in der Natur des Albtals und Nordschwarzwalds beispielsweise mit dem E-Bike unterwegs ist. Nachmittagsstunden an Wochenenden nimmt er sich frei von Schreibtisch-Denken und Sitzungs-Lenken. Ansonsten hat sich der lässige jugendliche Zeitumgang beim Wissenschafts-Manager natürlich komplett verändert – hin zu so viel messerscharfer Kompaktheit wie möglich.

Chef für 9 300 Menschen

Sieht sich Hanselka Fragen gegenüber, gibt es vor der Antwort keine Zeitverzögerung. Sofort geht er daran ein Thema einzuordnen und abzuarbeiten. Mit einem Höchstmaß an Kontrolliertheit. Der 55-Jährige ist seit vier Jahren Chef für über 9 300 Bedienstete beim KIT, dem Zusammenschluss von Technischer Universität und dem Forschungszentrum Karlsruhe. Als „Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ hat das KIT ein Budget von jährlich 861 Millionen Euro und 25 000 Studierende. Vor seiner Karlsruher Zeit lenkte er in Darmstadt das „Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit“.

Arbeit an der „Betriebsfestigkeit

Im übertragenen Sinne wären mit beiden Begriffen einige aktuelle Aufgaben des Präsidenten am KIT benannt. Das „Fusionssystem“ Campus Nord plus -Süd funktioniert nach neun Jahren gerade atmosphärisch noch nicht wie erwartet. Und gefestigt schien die Zustimmung zu manchen Betriebsabläufen zuletzt ebenfalls nicht. Auf eigene Forschungstätigkeit verzichtet Hanselka in Karlsruhe, um sich ganz aufs Steuern des riesigen Doppeltankers KIT zu konzentrieren. An der TU Darmstadt wirkte er während zwölf Jahren bis 2013 als Professor, Vizepräsident und Leiter eines Sonderforschungsbereichs, während er parallel ein „in die Jahre gekommenes“ Fraunhofer-Institut voranbrachte. Davor wiederum war der junge Wissenschaftler ab 1997 fünf Jahre durch seine Professur an der Universität Magdeburg am Aufbau Ost beteiligt.

Berufswunsch war Ingenieur

Die reine Forschung ohne Transfer in die Anwendung war nie das Ziel des Niedersachsen. „Es war früh klar, dass ich Ingenieur werden wollte. Ich beschäftigte mich gern mit dem Modellbaukasten oder bastelte am Mofa.“ Nach Ende seines Maschinenbaustudiums arbeitet er am Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) in Braunschweig bereits am Technologie-Transfer. „Das hat sich ergeben und ich bin mit Begeisterung darin aufgegangen.“ Hanselka widmete sich, schon früh leitend, „Naturfaserverstärkten Kunststoffen im Fahrzeugbau.“

Der musische Ausgleich

In Karlsruhe hat er die Schnittstellen zwischen den dominierenden Ingenieurs- und Naturwissenschaften sowie den bescheidenen Geist- und Sozialwissenschaften zu hegen. „Wir brauchen den Austausch mehr denn je“ befindet der KIT-Präsident. Er selbst findet Anregung und Ausgleich in der Musik, spielt Cello und schätzt die Sinfoniekonzerte am Staatstheater.

Zur Person

Holger Hanselka wurde 1961 geboren und wuchs in Osterode / Harz auf. Seine Mutter kommt aus einer Unternehmerfamilie, sein Vater war Lehrer für Mathematik und Physik. Nach dem Abitur studierte Hanselka Maschinenbau in Clausthal. Er schloss mit dem Doktortitel 1992 ab und war Ingenieur beim Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig. Er wurde 1997 Professor an der Uni Magdeburg und 2001 Direktor eines Fraunhofer Instituts und Professor an der TU in Darmstadt. Seit 2013 ist er Präsident des KIT. Er lebt mit der Familie in einer an Karlsruhe angrenzenden Gemeinde.

 

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