DER BURGHERR: Willy Schmidt sieht Hoepfner nach der Verlagerung der Flaschenabfüllung zu Schmucker im Odenwald gut aufgestellt. In der Burg werde auch weiterhin gebraut. Der Mietvertrag wurde bis 2034 verlängert. | Foto: Fabry

Nach Hatz-Moninger-Übernahme

Hoepfner-Chef: Karlsruhe verträgt eine zweite, gut geführte Brauerei

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„Ich habe ihm eine SMS mit einer Gratulation geschickt“, sagt Hoepfner-Geschäftsführer Willy Schmidt. Überrascht hat auch ihn der regionale Bier-Deal nicht: Dem Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler gehört neuerdings die Karlsruher Brauerei Hatz-Moninger, in die dieser kräftig investieren will. Schmidt zeigt sich im BNN-Gespräch voller Respekt und gelassen über den neuen Eigentümer, der mehrere kleinere Brauereien in der Region zurück in die Erfolgsspur geführt hat. „Karlsruhe verträgt eine zweite, gut geführte Brauerei.“

Hoepfner müsse angesichts von Scheidtweilers Plänen nicht beunruhigt sein. „Wenn man gut ist, braucht man vor Wettbewerb keine Angst zu haben. Es macht einen besser.“

Scheidtweiler will Hatz-Moninger – wie berichtet – zu einer Drehscheibe seiner regionalen Brauereien machen und dort die Flaschenabfüllung der Hauptsorten sowie die Logistik konzentrieren. Auch Hoepfner nutzt jetzt weitere Synergieeffekte – wenn auch in einer anderen Liga. Bekanntlich sind die Karlsruher Teil der Münchner Paulaner-Brauerei-Gruppe. Die letzten Hoepfner-Flaschen wurden im März in der Karlsruher Bierburg abgefüllt. Seitdem fahren mehrmals täglich die Tanklaster mit Gerstensaft zur 104 Kilometer entfernten Brauerei Schmucker in den Odenwald. Auch bei Schmucker als Teil der Paulaner-Gruppe ist Schmidt Geschäftsführer. Mit der Verlagerung sei man zukunftsfähig, so der 56-jährige gebürtige Kölner.

Hoepfner füllt bei sich keine Flaschen mehr ab

20 Mitarbeiter waren betroffen, die teilweise bei Hoepfner in andere Abteilungen wechseln konnten. Sieben wollten trotz Wechselprämie und Bestandsschutz nicht in den Odenwald zu Schmucker. Ihnen wurde gekündigt. Hoepfner hat aktuell 65 Mitarbeiter.

Auch die Logistik verändert sich: Die Hoepfner-Biere können von den Getränkespediteuren direkt bei Schmucker abgeholt werden, alternativ in Östringen und ab der 32. Kalenderwoche bei einem weiteren Partnerbetrieb in Karlsruhe-Hagsfeld.

Parallel baut Hoepfner die Fassabfüllung aus. 600 000 Euro werden in neue Technik investiert, kündigt Schmidt an. Hintergrund: Während in der Branche ein Fassanteil beim Bier von 20 Prozent üblich ist, liegt er nach seinen Worten bei Hoepfner bei 33 Prozent. Der Ausbau des Fassbieres passt in seine Strategie, noch mehr Wirte als Abnehmer zu gewinnen. Hoepfner habe fast 50 Lokale vermietet und beliefere insgesamt 800 Gastronomen, Tendenz steigend.

Zahl der Brauereiführungen innerhalb von drei Jahren verdoppelt

Die Marke Hoepfner weiter stärken will Schmidt mit etablierten Instrumenten wie Sponsoring, Burgfest und Brauereiführungen. Letztere hat er von 120 pro Jahr (2013) auf zuletzt 240 gesteigert – auch durch das Angebot einer anmeldefreien Führung an jedem ersten Samstag im Monat um 14 Uhr.

Seit 2013 habe man 1,7 Millionen Euro investiert, die neue Fassbier-Abfüllanlage eingeschlossen. Konkrete Zahlen zu Absatz, Umsatz und Ergebnis nennt Schmidt nicht und verweist auf die entsprechende Konzernpolitik. Nur so viel: Der Absatz wachse im niedrigen einstelligen Bereich. Das Ergebnis sei gleichbleibend. Der Gewinn sei besser als der, der sonst auf dem Markt erzielt wird. „Wir tragen unsere Investitionen selbst.“

Mietvertrag in der Burg bis 2034 verlängert

Schmidt verspricht, dass auch künftig in der Bierburg gebraut wird. Der Mietvertrag sei bis 2034 verlängert worden. Von den 20 Sorten werden Pils, Jubelbier, Porter und Kräusen ausschließlich dort hergestellt, darüber hinaus Getränke wie Weizen, sofern sie im Fass abgefüllt werden. Pils habe einen Anteil von über 60 Prozent am Absatz.

Mit einem Bio-Hopfenauszug aus Karlsruhe wird nach der Hoepfner-Rezeptur von Braumeister Michael Huschens die Hopfen-Limonade „HoLi“ bei Schmucker hergestellt.

„Es ist der erste vegane Artikel der Gruppe“, sagt Schmidt stolz. Mittlerweile wird dieser auch über die Partnerbrauereien Schmucker, Fürstenberg und Paulaner vertrieben – auch in München findet das Karlsruher Getränk also Geschmack.