Etliche Menschen beobachteten das Silvesterfeuerwerk in Karlsruhe von der böllerfreien Zone am Schlossplatz aus.
Etliche Menschen beobachteten das Silvesterfeuerwerk in Karlsruhe von der böllerfreien Zone am Schlossplatz aus. | Foto: Sandbiller

Viel Feinstaub nach Feuerwerk

So schlecht war die Luft an Neujahr in Karlsruhe, Pforzheim und anderen Innenstädten

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Dicke Luft in Karlsruhe: Wer am Neujahrstag durch die Fächerstadt spazierte, sollte nicht zu tief einatmen. Die Feinstaubbelastung nach dem Silvesterfeuerwerk war hoch. Das bestätigen Luftmessungsdaten des Umweltbundesamtes.

In vielen Ballungsgebieten in Deutschland zeigten die Messwertstationen des Umweltbundesamtes (UBA) am Vormittag sehr hohe Feinstaubwerte an, auch in der Region.

Luftqualität in Karlsruhe „schlecht“ – so waren die Werte

Sowohl die Messstation in der Karlsruher Reinhold-Frank-Straße als auch die in der Nordweststadt bewerteten die Luftqualität am Neujahrstag als „schlecht“. Die Luftqualität in Eggenstein und Baden-Baden wurde jeweils als „mäßig“ angegeben; in Pforzheim lautetet das Urteil ebenfalls „schlecht“.

An der Karlsruher Reinhold-Frank-Straße wurden um 13 Uhr 57 Mikrogramm Feinstaub (PM₁₀) pro Kubikmeter gemessen. Zum Vergleich: Einen Tag zuvor, am 31. Dezember, lag der Wert zur selben Uhrzeit bei 30 Mikrogramm und die Luftqualität wurde als „gut“ angegeben.

Die Grafik zeigt, wie sich die Luftqualität in Karlsruhe vom 29. Dezember bis zum 1. Januar verschlechtert hat.
Die Grafik zeigt, wie sich die Luftqualität in Karlsruhe vom 29. Dezember bis zum 1. Januar verschlechtert hat. | Foto: Umweltbundesamt

Besonders drastischer Anstieg in Pforzheim

Noch drastischer fällt der Vergleich in Pforzheim aus: Während dort am 31. Dezember um 13 Uhr nur 25 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen wurden, waren es am Neujahrstag ganze 84 Mikrogramm. Laut Umweltbundesamt könnten bei hohen Werten wie denen am Neujahrstag bei empfindlichen Personen „nachteilige gesundheitliche Wirkungen“ auftreten. Diese sollten körperlich anstrengende Tätigkeiten im Freien vermeiden.

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„Die Luftqualität ist überall in den großen Metropolen schlechter“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes mit Verweis auf die UBA-Daten vom Neujahrstag. In der Rhein-Main-Region oder im Ruhrgebiet, in Bremen und Hannover, München oder Nürnberg markierten dunkelrote Farbpunkte am Mittwochvormittag eine sehr schlechte Luftqualität, die vor allem auf erhöhte Feinstaubwerte zurück ging.

Windstille verschärft mancherorts das Problem

Zu den Raketen kam regional Windstille: So hat beispielsweise in Stuttgart die Kombination aus Wetterlage und Feuerwerk zu vielen Einsätzen der Feuerwehr wegen Fehlalarmen von Brandmeldern geführt. Qualm und Rauch seien nicht nach oben abgezogen, sondern hätten sich am Boden gestaut, erklärte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle.

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Das Umweltbundesamt (UBA) rechnete in einer Broschüre damit, dass pro Jahr rund 4.200 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerk ausgestoßen werden, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Die Feuerwerksindustrie kritisierte diese Berechnung kürzlich als zu hoch und verwies auf eigene Messungen beim Abbrennen von Feuerwerk. Die Ergebnisse wolle man im Januar zunächst dem UBA und anschließend der Öffentlichkeit vorstellen, so der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI). Das UBA möchte die VPI-Messwerte prüfen.

Feinstaub kann krank machen

Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste Teilchen. Je nach Größe können diese nicht nur tief in Lunge und Bronchien, sondern auch ins Blut gelangen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen. Extrem hohe Luftbelastung kann kleinen Kindern, Senioren, aber auch Asthmatikern und chronisch Lungenkranken akute Probleme wie Husten und Atembeschwerden bereiten.