Treue Beschützer: Polizeihundeführerin Miriam Seitz wird bei ihren Einsätzen immer von Schäferhund Juri (rechts) und bald von Willi (links) begleitet.
Treue Beschützer: Polizeihundeführerin Miriam Seitz wird bei ihren Einsätzen immer von Schäferhund Juri (rechts) und bald von Willi (links) begleitet. | Foto: Peter Sandbiller

30 Jahre Schutzpolizistinnen

„Huch, eine Frau in Uniform“

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„Wann stellt ihr endlich Frauen ein?“, mit diesem Anliegen stand Miriam Seitz Anfang der 80er-Jahre im Karlsruher Polizeipräsidium. Die Antwort des Polizisten: „1987.“ Drei Jahre wartete sie daraufhin, bis sie im besagten Jahr endlich als eine der ersten 60 Frauen landesweit die Polizeiuniform anlegen durfte. Genau 30 Jahre ist das heute her.

Polizei war eine Männerdomäne

„Ich wollte schon immer zur Polizei“, erinnert sich Seitz. Sie habe wohl zu viel Edgar Wallace gelesen, scherzt die Polizeihauptmeisterin. „Die Polizei war damals eine Männerdomäne“, betont sie. „Sie mussten erst akzeptieren, dass nun auch Frauen dabei sind“, erzählt die 49-Jährige. Nur bei der Kriminalpolizei haben Frauen schon wesentlich länger mitgemischt. „Der Umgang mit weiblichen Kolleginnen bereitete vielen Polizisten anfangs Probleme“, erzählt sie. Der Ton sei noch viel rustikaler gewesen – mit „Bundeswehr-Touch“. Seitdem sind die Umgangsformen sanfter geworden, glaubt Seitz.

Akzeptanz fehlt eher heute

„Nach der offiziellen Einführung waren wir erst einmal drei Jahre weg, in Ausbildung“, berichtet die Polizistin. Kein Wunder, dass manche Bürger ihre ersten Einsätze überrascht mit „Huch, eine Frau in Uniform“ kommentierten. Die Resonanz war aber positiv. Fehlende Akzeptanz aufgrund des Geschlechts begegnet ihr im Gegenteil eher heute. „Das liegt daran, dass wir mit anderen Nationalitäten, oft zum Beispiel arabischen, zu tun haben“, vermutet sie.

Von 1,4 Prozent Frauenquote auf 22 Prozent.

Dabei sind Polizistinnen in Uniform keine Seltenheit mehr. Landesweit liegt die Frauenquote bei der Polizei derzeit bei etwa bei 20 Prozent: So arbeiten in Baden-Württemberg insgesamt 4 211 Frauen bei der Schutzpolizei, im Bereich des Karlsruher Präsidiums 426, in der Stadt 208. Zum Vergleich: 1987 waren lediglich 1,4 Prozent der Polizeibeamten weiblich.

Eine der ersten Frauen in grüner Uniform bei der Schutzpolizei war 1987 Miriam Seitz (oben links) .
Eine der ersten Frauen in grüner Uniform bei der Schutzpolizei war 1987 Miriam Seitz (oben links) . | Foto: Privat

Schutzhund gleich Schwächen aus

Eine Frau pro Hundeführerstaffel, so lautete die Regelung vor 30 Jahren. Heute hat Seitz sieben Kolleginnen allein in ihrer Staffel um sich. Die Entscheidung mit einem Diensthund zu arbeiten, traf sie früh. „Ich bin mit einem Hund aufgewachsen“, bestätigt sie. „Mit einem Diensthund an meiner Seite kann ich Schwächen ausgleichen, die ich als Frau bei einem kräftigeren Gegenüber habe“, ist Seitz überzeugt. Doch körperliche Gewalt sei ihr in ihrer Dienstzeit noch nicht widerfahren. „Ich hatte sehr viel Glück“, betont sie. Jüngere Kolleginnen hätten da schon Schlimmeres erlebt.

Vier Hunde in 25 Jahren

Immer zum Schutz dabei: Diensthund Juri. Der achtjährige Schäferhund geht jedoch bald in Rente. Dennoch wird er weiterhin bei der Polizistin leben: „Er hat mich so lange im Dienst beschützt, ich kann ihn danach nicht einfach weggeben“, schwärmt sie. Zuhause liegt die Sprengstoffspürnase sogar mit ihr auf der Couch. Vier Diensthunde hatte Seitz innerhalb von 25 Jahren bei der Staffel. Juris Nachfolger wird bereits auf die elfwöchige Ausbildung vorbereitet: Willi hat sie ihren fünf Monate alten Schäferhundewelpen getauft.

Mein Hund und ich sind ein Team.

„Wir sind ein Team“, betont Seitz das Verhältnis zu ihren Tieren. Gemeinsam ist das Duo bei Durchsuchungen, Einbrüchen oder Fußballspielen im Einsatz. Die restlichen zwei Drittel der täglichen Arbeit von Seitz finden am Schreibtisch statt: Die Polizistin beurteilt zum Beispiel Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, ermittelt bei Hundebissen und geht der Frage nach: „Braucht das Tier einen Maulkorb oder nicht?“

Grenze zwischen Dienst und Privatleben

Neben dem richtigen Hundetraining musste sich Seitz vor allem einer Herausforderung stellen: „Man muss lernen, Grenzen zu setzen zwischen dem Dienst und dem Privatleben“, verrät die Hundeführerin. „Am Anfang glaubt man, den Menschen über die eigentliche Arbeit hinaus helfen zu müssen.“ Man dürfe die Fälle aber nicht mit nach Hause nehmen. Deprimierend sei zudem, wenn auf einen Stapel Strafanzeigen lediglich ein Stempel kommt, ohne dass wirklich gehandelt werden konnte.