Aufguss nur auf der Bühne: Wellness genießt Hugo Egon Balder (links) nur in der Komödie "Aufguss" im Kammertheater Karlsruhe mit Jeannette Biedermann und René Heinersdorff | Foto: Robert Jentzsch

(K)ein Sauna-Gang im Europabad

Hugo hasst Wellness

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Wellness? Nein danke!

Schon im Foyer möchte man sich am liebsten die Kleider vom Leib reißen, so aufgeheizt ist das Europabad. Nur Hugo Egon Balder ist dort fehl am Platz. Wellness? Nein danke!

Aufguss nur auf der Bühne

Einen Aufguss genießt der „Tutti-Frutti“-Mann, über den die Deutschen vor dem Fernseher seit Jahrzehnten schon schmunzeln, nur auf der Bühne in der gleichnamigen Komödie. „Aufguss“ heißt das im Untertitel „spritzige Wellnesskomödie“ genannte Stück von René Heinersdorff, das seit einer Woche und noch bis Dezember im Karlsruher Kammertheater einheizt. Seine Daunenjacke wird Balder im Europabad jedoch mitnichten gegen einen Bademantel tauschen, auch wenn das eigentlich zum Spaß des Pressetermins gehört: Das „Aufguss“-Team trifft sich dort, um dem Namen des Stücks auf Einladung von Bäderchef Oliver Sternagel alle Ehre zu machen.

Die Kolleginnen nackt sehen

René Heinersdorff ist auch dabei und erklärt kurz, warum er auf die Sauna als Ort des Geschehens seiner Komödie kam. Weil nämlich eine Komödie eine Türe brauche, und die Saunatür den Vorteil hat: „Man muss sich nicht so oft umziehen und kann die Kolleginnen nackt sehen, ohne einen Vorwurf wegen sexueller Belästigung zu erwarten.“ Ja, der Ton ist locker bei diesem Termin. Und während es Heinersdorff, Jeanette Biedermann, Max Claus und Viola Wedekind kaum erwarten können, sich von den Sauna-Meisterinnen mit Ruten aus Birkenquasten peitschen zu lassen, erzählt Balder lieber ein paar frivole Witze und lässt sich in ein Gespräch übers Fernsehen von heute verwickeln.

Schauspielerei ist eine Dienstleistung

Nein, privat kriegt man Hugo Egon Balder in keine Sauna. Das hat ihm der Schul-Schwimmunterricht im Berliner Stadtbad Schöneberg vergällt. „Es stank nach Chlor und mir war kalt“, erklärt Balder. Das tut der Komödie aber keinerlei Abbruch, solange Balder auf der Bühne das ist, was man an ihm so gern hat: gewitzt.
Ein gewitztes Kerlchen war der gebürtige Berliner schon in jungen Jahren. Und weil er um die Ecke von Hans Rosenthal wohnte und mit dessen Tochter die Schulbank drückte, kam Balder einst zu „Dalli Dalli“. Da hatte es freilich längst „klick“ gemacht bei Balder, der schon immer eine Affinität zur Bühne und zum Fernsehen hatte und per Zufall mit 23 Jahren ans Schiller-Theater kam. Dort lernte er schnell, was zählt in diesem Beruf: Disziplin und Pünktlichkeit. Außerdem lerne man schnell, „dass das, was man macht, eine Dienstleistung ist – nicht mehr und nicht weniger. Und es gibt überhaupt keinen Grund abzuheben und zu glauben, man ist der Größte.“

Abneigung gegen Doku-Soaps

Was Balder noch weniger mag als Sauna, sind Doku-Soaps und die Entwicklung der TV-Formate. „Es gibt schöne Satire-Shows, und auch das, was ich mache, ist natürlich gut“, feixt er, „aber das hat nichts damit zu tun, dass ich mir schwache Menschen nehme und für billiges Geld vor die Kamera zerre und die dann Sachen machen, für die ich mich als Zuschauer fremdschäme“. Geschuldet sei das der Zeit. „Wir erleben ja heute alles eins zu eins. Und wenn in Hamudistan irgendein Vollidiot vom Dach fällt und das schön findet, dann macht das die ganze Welt nach. Das ist nicht mein Ding, wie die sozialen Medien überhaupt. Meine Kids finden die Youtube-Stars toll, ich versteh’s nicht, aber das ist halt so. Man muss nur aufpassen, dass die Kinder nicht denken, ich mach jetzt mal ne Grimasse und bin dann berühmt.“

Hugo Egon Balder ist bis 12. Dezember im Kammertheater Karlsruhe in der Wellness-Komödie „Aufguss“ zu erleben. Aufführungen gibt es von Mittwoch bis Samstag jeweils ab 19.30 Uhr und an Sonntagen ab 18 Uhr. Kammertheater Karlsruhe, Herrenstraße 30/32. Internet: www.kammertheater-karlsruhe.de