Schäferhunde
Konflikte zwischen Hundehaltern, Spaziergängern und Radfahrern gibt es in Karlsruhe regelmäßig. In Mühlburg etwa eskalieren immer wieder Begegnungen zwischen Hundebesitzern und Radfahrern. | Foto: Stefan Puchner

Ordnungsamt prüft auffällige Tiere

Hunde in Karlsruhe: Konfliktpotenzial auf vier Pfoten

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Die Hölle, das sind die anderen: Was schon Jean-Paul Sartre wusste, manifestiert sich im Hunde-, Fußgänger- und Radfahreralltag auf Karlsruhes Grünflächen. Ärger über Hundekot, Angst vor dem mit heraushängender Zunge herannahenden Vierbeiner oder der ungebremste Groll der „Anderen“ auf Hundehalter: Wie schnell solche Situationen eskalieren können, zeigt der aktuelle Fall in Grötzingen, wo ein Mann von einem Hundehalter brutal verprügelt wurde.

Verhärtet sind die Fronten offenbar auch in Mühlburg an der Ludwig-Marum-Straße und rund um die Fußwege entlang der Alb. Hundehalter berichten von rasenden Radfahrern, die ihnen „Scheiß Köter!“ entgegenbrüllten.

Jeder pocht auf sein Recht

„Die Probleme entstehen, weil jeder auf sein Recht pocht: der Fahrradfahrer, aber auch der Hundebesitzer“, sagt Massimo Ferrini, Vorsitzender des Mühlburger Bürgervereins.

Radfahrer erwarteten, dass die Hunde an der Leine geführt werden, während die Tierhalter auf die Leinenfreiheit in der Hundeauslauffläche entlang der Alb und in der Günter-Klotz-Anlage verwiesen. „Ich habe selbst schon erlebt, wie Hundehalter und Radfahrer sich gegenseitig anschreien“, so Ferrini. „Und der Hund guckt zu und weiß nicht, was los ist.“

Radfahrer sollten das Tempo an solchen Stellen drosseln, rät Ferrini. Hundehalter müssten abwägen, wann sie ihr Tier von der Leine nehmen. „Es ist ein Geben und Nehmen.“

Hunde-Besitzer muss Kontrolle über sein Tier behalten

Das kann Matthias Günzel vom städtischen Ordnungsamt nur bestätigen: „Grundregel ist die gegenseitige Rücksichtnahme. Sie gilt immer, im Straßenverkehr wie auf den städtischen Grünflächen.“ Der Hundebesitzer sei immer verpflichtet, sein Tier soweit unter Kontrolle zu halten, dass von ihm keine Gefahr ausgehen kann.

Auch auf den Hundeauslaufflächen gilt: „Der Halter muss gewährleisten, dass sein Hund kommt, wenn er ihn ruft“, so Günzel. „Das sollte auch im Eigeninteresse des Hundehalters sein.“

Ist ein Hund verhaltensauffällig, kann das Ordnungsamt für dieses Tier eine generelle Leinenpflicht vorschreiben – auch auf Auslaufflächen. „Die nächste Stufe wäre ein Maulkorbzwang“, erklärt Günzel. In einem weiteren Schritt prüfe man auch, ob der Besitzer persönliche Voraussetzungen zur Hundehaltung erfülle. In ganz gravierenden Fällen drohe die Wegnahme des Hundes.

Auch Radfahrer müssen Rücksicht nehmen

Doch auch Radfahrer sind zur Rücksichtnahme aufgerufen. „In Grünanlagen sollte man generell seine Geschwindigkeit drosseln, da dort auch Jogger und Kinder unterwegs sind und die Spielplätze zum Teil direkt an die Wege angrenzen“, betont Günzel.

Im Jahr 2017 verzeichnete das Ordnungsamt 185 gemeldete Fälle von Beschwerden und Anzeigen im Zusammenhang mit Hunden. „Das muss nicht immer ein Beißfall sein“, so Günzel. Oft gehe es auch darum, dass ein Hund einen Spaziergänger angesprungen habe oder um Gerangel unter Hunden. „Da gibt es eine riesige Bandbreite.“

Grötzinger Hund wohl nicht verhaltensauffällig

Udo Walz von der Karlsruher Polizeihundestaffel spricht von etwa 150 Beißfällen pro Jahr. „Das sind unterschiedlichste Rassen mit unterschiedlichsten Verletzungen, von der kleinen Schramme bis hin zum Krankenhausaufenthalt.“ Er empfiehlt Hundehaltern, einen Gehorsamskurs bei einem der Karlsruher Hundesportvereine zu belegen.

Die Erziehung des Malinois-Hundes aus Grötzingen scheint indes korrekt verlaufen zu sein. Man habe die Hundestaffel geschickt, um zu prüfen, ob Gefahr von dem Tier ausgehe, so Günzel. Sowohl die Hundehaltung als auch das Verhalten des Tieres, das durch einen Test mit einem Polizeihund geprüft wurde, hätten sich als unauffällig erwiesen.

Informationen zur Hundehaltung in Karlsruhe und zu den städtischen Auslaufflächen gibt es auf den Internetseiten der Stadt Karlsruhe.