Wem gehört der We? Die Antwort ist eigentlich einfach: allen. Hundebesitzer, Radfahrer und Fußgänger müssen sich so verhalten, dass jeder durchkommt. Trotzdem kommt es immer wieder zu Konflikten. | Foto: Bockwoldt/dpa

Angst vor Unfällen

Hundehalter beklagen Enge in Karlsruhe

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Wem gehört der Platz auf Karlsruher Wegen? Eigentlich ist das ja klar geregelt. Es gibt ausgewiesene Fuß- und Radwege, Freilaufflächen für Hunde und natürlich die Straßen, auf denen die Kraftfahrzeuge den meisten Raum einnehmen. Doch wo sich diese Wege kreuzen oder gar – durch Benutzung verschiedener Verkehrsteilnehmer – überlagern, da prallen nicht selten die Fronten aufeinander. Etwa am Rande der Hundeauslaufflächen in Mühlburg, in der Günther-Klotz-Anlage oder entlang der Pfinz in Grötzingen.

„Ich bezahle jedes Jahr 120 Euro Hundesteuer“

„Ich bezahle jedes Jahr 120 Euro Hundesteuer“, sagt BNN-Leser Thomas Dörflinger aus Mühlburg. Dafür erwarte er auch etwas. Doch in dem Stadtteil im Westen der Fächerstadt sei die Lage nicht gerade schön. „Mein Hund hat nur die Möglichkeit, sich auf einem schmalen Streifen frei zu bewegen, der links und rechts von Radfahrern und Fußgängern frequentiert wird“, sagt Dörflinger. Besonders die auf den Schotterwegen an der Hildapromenade vorbeisausenden Radfahrer sind ihm ein Dorn im Auge. Ständig müsse man auf der Hut sein und ausweichen. Oft könne man die herannahenden Radfahrer gar nicht rechtzeitig bemerken, weil sie nicht oder zu spät die Klingel benutzten und im Dunkeln ohne Licht führen. „Wenn mein Hund nur einen Meter nach rechts oder links springt, muss ich mich schon genau umschauen“, sagt Dörflinger. Er kenne andere Hundebesitzer, deren Tier schon von Radlern angefahren worden sei. Die ausgewiesene Freifläche komme unter diesen Umständen den Hunden nicht wirklich zugute, da man sie eben doch nicht ohne Angst vor Unfällen von der Leine lassen könne. Auch die großen Spiel- und Sportplätze, die auf dem lang gezogenen Grünstreifen entlang der Ludwig-Marum-Straße liegen, hält Dörflinger für einen stadtplanerischen Fehler: Auf so engem Raum komme es zwangsweise zu Konflikten.

Regeln sind eigentlich klar definiert

Dabei sind die Regeln eigentlich klar definiert und gelten in Karlsruhe genauso wie anderswo: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“, ist in der Straßenverkehrsordnung zu lesen. Und weiter: „Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Mit der Rücksichtnahme ist es nicht weit her

Doch mit der gebotenen Rücksichtnahme scheint es nicht weit her zu sein, wie sich auch in Leserbriefen an die BNN zeigt. Und was sagt die Stadtverwaltung zum Thema Rücksichtnahme? „Rücksichtsloses Verhalten gibt es leider überall und immer wieder, auch im öffentlichen Raum zwischen Rad fahrenden Personen und Fußgängern – egal ob diese mit oder ohne Hunde unterwegs sind“, teilt das Presseamt auf Anfrage mit. Sanktionen seien grundsätzlich denkbar – vor allem, wenn es sich um konkrete Gefahrensituationen oder Ordnungsstörungen handelt. „Dazu zählt sicherlich die nicht der Situation angepasste Fahrgeschwindigkeit mit Gefährdung anderer, aber auch der unzureichend beaufsichtigte Hund“, stellt die Stadtverwaltung klar. In der Praxis schritten Überwachungskräfte ein, wenn sie entsprechendes Verhalten feststellen. „Werden Vorfälle nach dem eigentlichen Geschehen zur Anzeige gebracht, stellt sich jedoch die Beweislage oftmals schwierig dar“, heißt es weiter.

Hundehalter und Radfahrer geraten regelmäßig aneinander

Wie Mühlburg im Westen, so hat auch Grötzingen im Osten der Stadt eine nicht versiegen wollende Konfliktquelle: Entlang der Pfinz nahe der Oberausstraße geraten Hundehalter und Radfahrer regelmäßig aneinander. „Es ist eine Art Krieg, die da herrscht“, meint Marion Struß, die lange in Grötzingen gewohnt hat und von ihrem Vater, der ebenfalls Hundehalter ist, auf dem laufenden gehalten wird. „Man geht gemütlich mit seinem Hund an der Pfinz entlang, da kommt von hinten ein Radfahrer mit meist sehr hoher Geschwindigkeit angerast“, beschreibt sie die Situation. Man könne nicht reagieren, da die Radfahrer sich nicht durch Klingeln oder Zurufen bemerkbar machten. „In dem Moment, wenn der Radfahrer an einem vorbei rast, muss man sich üble Beschimpfungen anhören, wie ,Dreckköter‘ und ,ihr dummen Hundebesitzer‘“, sagt Struß.

Keine vorgeschriebenen Geschwindigkeitsregeln

Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es für Radfahrer keine grundsätzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeitsregeln – es gelten auch in dieser Hinsicht das Gebot der Rücksichtnahme sowie allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzungen, etwa in 30er-Zonen und Spielstraßen. Für öffentliche Anlagen im Stadtgebiet, etwa alle der Erholung dienenden Freizeit- und Grünanlagen, sei allerdings die Straßen- und Anlagenpolizeiverordnung anwendbar: „Nach den Vorgaben dieser Polizeiverordnung dürfen die Wege und Plätze in öffentlichen Anlagen unter anderem mit Fahrrädern benutzt werden, sofern sich die Fahrenden dem gleichberechtigten Miteinander aller Wegenutzerinnen und Wegenutzer anpassen.“

Fruchtet Friedensangebot?

Ein Friedensangebot zwischen Radfahrern und Hundebesitzern bringt Marion Struß schließlich noch ein: „Wenn jeder auf jeden ein wenig Rücksicht nimmt, Zeichen gibt, dass man von hinten angefahren kommt, kann man seinen Hund bei Seite nehmen. Wenn man dann noch freundlich grüßt und sich bedankt, ist das doch so ein viel angenehmeres Miteinander“ findet sie. In der Südstadt, wo sie jetzt wohne, funktioniere das wunderbar.