Mathias Gorber ist Hundetrainer und hat auch eine eigene Hundeschule. Er glaubt, dass eine Geldprämie nicht ausreicht, um mehr Menschen dazu zu motivieren, den Hundeführerschein zu machen.
Mathias Gorber ist Hundetrainer und hat auch eine eigene Hundeschule. Er glaubt, dass eine Geldprämie nicht ausreicht, um mehr Menschen dazu zu motivieren, den Hundeführerschein zu machen. | Foto: Mathias Gorber

Karlsruhe beschließt Prämie

Hundetrainer Mathias Gorber: „200 Euro sind kein Anreiz dafür, den Hundeführerschein zu machen“

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Machen mehr Hundehalter den Hundeführerschein, wenn sie dafür eine Geldprämie erhalten? Die Stadt Karlsruhe ist dieser Meinung und hat am Dienstag im Hauptausschuss entschieden, die Prüfung mit 200 Euro zu bezuschussen. Hundetrainer Mathias Gorber ist allerdings überzeugt: Um mehr Menschen zum Hundeführerschein zu motivieren, braucht es einen ganz anderen Anreiz.

„Ich vergleiche den Hundeführerschein häufig mit Loriots Jodeldiplom„, sagt Mathias Gorber. „Man macht ihn, damit man etwas in der Tasche hat.“ Gorber ist Trainer bei der Hundeschule Kern, die Kurse in Karlsruhe und Emmendingen anbietet. Außerdem besitzt er eine eigene Hundeschule, in der er Therapiehunde ausbildet. Er kennt die Menschen, die Hundeführerscheine machen und er weiß auch, warum sie es meistens tun: Sie wollen sich und ihr Tier einmal überprüfen lassen, wollen schauen, ob sie alles richtig machen – zur Sicherheit.

Die Stadt Karlsruhe wird nun ab 2020 zunächst für zwei Jahre allen Hundebesitzern einmalig 200 Euro Prämie zahlen, wenn sie einen Hundeführerschein machen. Das hat der Hauptausschuss am Dienstagabend beschlossen. Durch den Gemeinderat muss das Thema nicht mehr.

Das wird die Leute, die den Hundeführerschein ohnehin gemacht hätten, sicherlich freuen, glaubt Gorber. Dass das Geld von der Stadt allerdings mehr Haltern den Führerschein schmackhaft macht, davon ist er nicht überzeugt. Die Geldprämie allein sei dafür zu wenig.

Decken 200 Euro wirklich die Kosten?

Die Schulung mit Prüfung koste etwa 200 Euro, somit belaufe sich der Zuschuss der Stadt Karlsruhe auf rund 100 Prozent. So argumentiert die Stadt in der offiziellen Beschlussvorlage. Laut Gorber geht diese Rechnung allerdings nicht auf, zumindest nicht immer. Denn häufig müssten Hunde erst einmal weitere Kurse durchlaufen, bevor sie einen Hundeführerschein überhaupt bestehen könnten.

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„In der Regel kommt zuerst einmal die Welpenschule“, erklärt Gorber. Dann kämen häufig Aufbaukurse, Basiskurse oder die Junghundschule. „Bis ein Hund in einen Hundeführerschein geht, ist der in der Regel ein bis eineinhalb Jahre alt. Und der Hundehalter hat bis dahin bereits einiges an Geld investiert“, sagt Gorber.

Dass ein Tier ohne vorherige Schulungen einen Führerschein bestehen kann, will Gorber zwar nicht ausschließen. Meist brauche der Halter dafür aber gute Vorkenntnisse in Sachen Hundeerziehung. Die hat nicht jeder.

Wäre der Weg über die Hundesteuer besser gewesen?

Eine denkbare Alternative zur einmaligen Geldprämie wäre gewesen, die Hundesteuer für jene zu vergünstigen, die einen Führerschein machen. Die Stadt hat sich dagegen entschieden. Die Begründung: Kann die Steuer nicht eingetrieben werden, weil das Einkommen des Besitzers nicht ausreicht, gibt es bislang keinerlei Konsequenzen für den Hundehalter. Für diejenigen, die von einer finanziellen Ersparnis profitieren könnten, würde sich durch die offizielle Steuervergünstigung unterm Strich also womöglich gar nichts ändern.

Alexandra Börner, die Abteilungsleiterin des Veterinäramtes in Karlsruhe, erklärt außerdem, dass es eben nicht zur Systematik einer Steuer passe, wenn es für einzelne Personen Vergünstigungen gibt. Daneben habe die Stadt auch nicht erreichen wollen, dass insgesamt mehr Menschen dazu motiviert werden, Hunde zu halten.

„Wir stellen häufig Verstöße bei der Hundehaltung fest und sehen, dass viele Hundebesitzer nicht die Kenntnisse in Sachen Hundeerziehung haben, die sie eigentlich haben sollten“, so Börner. „Daher wollten wir nun wenigstens einmal den Versuch wagen, mehr Leute dazu zu motivieren, sich mit dem Gehorsam ihres Hundes auseinanderzusetzen.“

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Mathias Gorber ist dennoch der Auffassung, dass der Weg über die Hundesteuer langfristig der bessere Ansatz gewesen wäre. „Wenn man jedes Jahr Steuer spart, ist der Anreiz langfristig vielleicht größer als bei einer einmaligen Geldprämie“, so Gorber.

Zumal es eine kleine bürokratische Hürde für die Geldprämie gibt: Um die „Belohnung“ für den Hundeführerschein zu erhalten, muss der Nachweis der Sachkundeprüfung erst beim Ordnungs- und Bürgeramt vorgelegt werden.

Was wäre ein besserer Anreiz als 200 Euro?

Selbst dann, wenn die Kosten für den Führerschein durch die Prämie zu 100 Prozent gedeckt wären, wäre sie kein guter Anreiz, glaubt Gorber. Das Problem an der Sache sei, dass Hundehalter durch den Führerschein keinen praktischen Vorteil erhalten. „Man hat durch den Hundeführerschein keinerlei Privilegien“, sagt der Trainer. „Ich darf zum Beispiel nicht mit meinem Hund ohne Leine laufen, weil ich den Hundeführerschein habe.“

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Dass es in der Hundeschule demnächst einen großen Ansturm auf die Hundeführerscheine gibt, glaubt Gorber daher nicht. „Ein ehrlicher Anreiz wäre entweder, den Hundeführerschein zur Pflicht zu machen. Das wäre wünschenswert“, sagt er. „Oder aber, man räumt den Hundehaltern andere Privilegien ein, wenn sie den Führerschein haben. Alles andere wird nicht reichen.“

Bei der Stadt Karlsruhe ist man sich indes darüber einig, dass die Geldprämie für den Hundeführerschein ein Kompromiss ist. „Das war unser Weg, die Kosten einerseits nicht zu hoch zu treiben und trotzdem etwas dafür zu tun, dass mehr Hundehalter sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagt Alexandra Börner. „Wir wissen nicht, wie sich das jetzt in Zukunft entwickelt. Das müssen wir jetzt abwarten und gucken, was passiert.“