Ein besonderes Lauf-Trio: Andrea Hoelke (links) geht beim Halbmarathon in Karlsruhe mit Werner und Sigrid Nothtroff an den Start. Werner Nothtroff hattebeim Baden-Marathon 2017 einen Infarkt erlitten - Andrea Hoelke hat ihn als Erste auf der Strecke versorgt.
Ein besonderes Lauf-Trio: Andrea Hoelke (links) geht beim Halbmarathon in Karlsruhe mit Werner und Sigrid Nothtroff an den Start. Werner Nothtroff hattebeim Baden-Marathon 2017 einen Infarkt erlitten - Andrea Hoelke hat ihn als Erste auf der Strecke versorgt. | Foto: Andrea Fabry

Baden-Marathon

„Ich möchte beenden, was seit letztem Jahr offen ist“

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Wenn man vom Schicksal von Werner Nothtroff hört, können die Augen schon etwas feucht werden: Beim Baden-Marathon vor fast genau einem Jahr brach der Läufer aus Malsch-Waldprechtsweier plötzlich zusammen: Herzinfarkt. Vier Tage lag er im Städtischen Klinikum im künstlichen Koma. Er hat überlebt, weil die Rettungskette perfekt funktionierte. An diesem Sonntag (23. September 2018)  wird er in Karlsruhe wieder die Laufschuhe schnüren: Zusammen mit seiner Frau Sigrid und Andrea Hoelke will er den Halbmarathon laufen. Das ist ein besonderes Trio: Die Läuferin aus Graben-Neudorf war es, die Nothtroff im vergangenen Jahr nach seinem Sturz als Ersthelferin versorgte.

Ich habe großes Glück gehabt

„Ich habe großes Glück gehabt“, betont Nothtroff. Man könnte es auch anders formulieren: Hätte sich sein Körper einen anderen Zeitpunkt für den Infarkt als beim Baden-Marathon ausgesucht, zum Beispiel bei einem Trainingslauf im Wald, hätte sein Leben auch beendet sein können.

Rettungskette beim Baden-Marathon funktionierte perfekt

„Es war der richtige Tag“, weiß der leidenschaftliche Läufer um die gut aufgestellte Rettungskette bei der Großveranstaltung. Am vergangenen Montag, dem Jahrestag des Infarkts, war das Ehepaar Nothtroff mit dem Ehepaar Hoelkes Essen. „Ich habe meinen neuen Geburtstag gefeiert“, sagt Werner Nothtroff.

Trainierten gemeinsam für die Halbdistanz beim Baden-Marathon: Andrea Hoelke, Werner Nothtroff , Sigrid Nothtroff (von links).
Trainierten gemeinsam für die Halbdistanz beim Baden-Marathon: Andrea Hoelke, Werner Nothtroff , Sigrid Nothtroff (von links). | Foto: Andrea Fabry

Was am Sonntag, 17. September 2017 passiert ist, daran hat er keine Erinnerung mehr: „Der Tag ist bei mir gelöscht!“ Am Samstag, dem Tag zuvor, hatte er noch die Startunterlagen an der Messe Karlsruhe abgeholt – wie viele andere Baden-Marathon-Teilnehmer auch. Das ist bei ihm nach wie vor präsent.

Vier Tage im künstlichen Koma

Neun Tage lag der Notfallpatient auf der Intensivstation der Klinik. Am vierten Tag nach dem Zwischenfall, donnerstags, wurde er aus dem künstlichen Koma geholt. „Da habe ich erst erfahren, was passiert ist.“ Was seine Angehörigen in dieser Zeit durchlebt haben, man kann es erahnen.

Hat nach seinem Infarkt beim Baden-Marathon keine sportlichen Einschränkungen mehr: Werner Nothtroff
Hat nach seinem Infarkt beim Baden-Marathon keine sportlichen Einschränkungen mehr: Werner Nothtroff | Foto: Andrea Fabry

Sieben Tage später konnte er schon das Klinikum verlassen und eine viereinhalbwöchige Reha im Schwarzwald antreten. Ende November begann die stufenweise Wiedereingliederung ins Berufsleben. Seit Anfang des Jahres läuft Nothtroff auch wieder.

Badische Meile und einen Halbmarathon ist er schon gelaufen

Neben der Badischen Meile über knapp neun Kilometer hat er im Mai einen Halbmarathon in Mannheim absolviert. Die Ärzte, sagt er, hätten keine Bedenken geäußert, sportlich habe er keine Einschränkungen, „Der schnellen Hilfe nach dem Infarkt war es zu verdanken, dass heute keinerlei Anzeichen, wie Vernarbungen am Herzen erkennbar sind.“

Das größte Laufspektakel in der Region Karlsruhe: der Baden-Marathon.
Das größte Laufspektakel in der Region Karlsruhe: der Baden-Marathon. | Foto: Bernd Kamleitner

Das liegt nicht zuletzt am beherzten Eingreifen von Andrea Hoelke und der Reanimation, bei der noch ein weiterer Helfer mitwirkte, den er nicht kennt: „Wer das war, wissen wir nicht.“

Finisher: Andrea Hoelke (von links) sowie Sigrid und Werner Nothroff im Ziel nach dem Halbmarathon 2018 in Karlsruhe.
Finisher: Andrea Hoelke (von links) sowie Sigrid und Werner Nothtroff im Ziel nach dem Halbmarathon 2018 in Karlsruhe. | Foto: Bernd Kamleitner

Sport gehörte schon vor Infarkt zu seinem Standardprogramm

Dass er alles so gut überstanden hat, macht Nothtroff auch an seiner sportlichen Vergangenheit fest. „Laufen, Schwimmen und mehrfach pro Woche mit dem Rad zur Arbeit gehörten schon seit Jahren zu meinem Standardprogramm.“ Den ersten Halbmarathon lief er 1993 in Karlsruhe. 14 weitere folgten in der Fächerstadt.

Der Halbmarathon in Karlsruhe soll zukünftig unser gemeinsamer Lauf werden

Zwischen 1995 und 2007 meisterte er 25-mal die Marathondistanz. „Am Sonntag möchte ich beenden, was seit letztem Jahr offen ist“, erklärt der 53-Jährige. Viele gemeinsame Trainingsläufe hat das Trio hinter sich, die Nothtroffs und die Hoelkes sind gute Freunde geworden. Der gemeinsame Lauf am Sonntag soll kein Einzelfall bleiben: „Der Halbmarathon in Karlsruhe wird zukünftig unser gemeinsamer Lauf werden.“