Bernd Siegel ist der letzte Berufsfischer in Karlsruhe-Knielingen. Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt er mit Vorbereitungen, zum Beispiel dem Flicken seiner Netze und Reusen. | Foto: Peter Sandbiller

Berufsfischer Bern Siegel

„Ich wollte schon immer Berufsfischer werden“

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Das Fischgericht hat sich an „normalen“ Freitagen bereits in vielen Mensen und Kantinen etabliert, aber besonders an Karfreitag gehört nicht nur für gläubige Christen Fisch auf den Tisch. Der Feiertag gilt als strenger Fastentag. Für diejenigen, die ihren Fisch nicht im Supermarkt kaufen möchten, aber keinen Angler im Bekanntenkreis haben, wird es allerdings schwer: Entlang des Rheins gibt es nur noch wenige Berufsfischer. Einer von ihnen ist Bernd Siegel aus Knielingen.

Bereits in der vierten Generation führt er die Familienfischerei. „Ich konnte schon rudern, bevor ich überhaupt laufen konnte“, sagt Siegel lachend. Er habe nie etwas anderes als Berufsfischer werden wollen, auch gegen den Widerstand des Vaters, der auf einer anderen Lehre bestand. Sein Fanggebiet umfasst neben vier Kilometern Rhein unter anderem auch einen Teil der Alb, den Rußheimer Altrhein und die Waagbachniederung bei Waghäusel. In Knielingen ist Siegel der Letzte seiner Art.

Keine erhöhte Nachfrage zu Karfreitag

Dass die Nachfrage nach Fisch an Karfreitag sprunghaft ansteigt, spürt er nicht: Viele seiner Kunden kaufen seit Jahren regelmäßig bei ihm ein, nicht nur zu Karfreitag. Viele kommen aus der Vorderpfalz, denn dort gebe es aktuell keinen Berufsfischer, so Siegel.

Etwa zwei- bis dreimal die Woche fährt er raus, um zu fischen. Jetzt zu Ostern fängt er viele Welse und Zander, aber auch die wegen ihrer zahlreichen Gräten unbeliebten Brachsen. Nach Ostern sind dann die Krebse an der Reihe. Aale darf er nur noch für den Eigenbedarf fangen oder zum Einsetzen in ein anderes Gewässer.

Diesen Wels hat Bernd Siegel für das Osterfest gefangen. Siegel führt die Familienfischerei bereits in vierter Generation. | Foto: Peter Sandbiller

Doch wie viel Fisch fängt er tatsächlich? Das Fangvolumen ist sehr unterschiedlich und hängt auch von der Witterung ab. Das gute Wetter derzeit sei vorteilhaft – ist es zu kalt, befinden sich die Fische in einer Art Winterruhe und bewegen sich kaum. So gehe ihm auch nichts in die Netze, erklärt Siegel.

Frische ist besonders wichtig

Der Berufsfischer legt Wert auf Frische, auch privat. „Ich bin da sehr empfindlich. Was ich nicht selbst essen würde, verkaufe ich auch nicht.“ Die gefangenen Fische kommen bei ihm lebend in Bassins, bis sie der Käufer abholt. Erst dann werden sie geschlachtet und auf Wunsch als Filet oder im Ganzen verkauft. Gerade der Wels sei ein sehr aromatischer Speisefisch, müsse aber besonders gut filetiert werden, denn das Fett schmecke leicht tranig. Einfrieren sollte man Fisch auch nicht länger als maximal drei Monate, rät er.
Das reine Fischen macht nur etwa die Hälfte seiner Arbeit aus, die andere Hälfte der Zeit verbringt er mit Vorbereitungen wie beispielsweise dem Flicken von Netzen oder dem Desinfizieren von Geräten. Das sei besonders wichtig, um nicht Fischkrankheiten von einem Gewässer ins nächste zu schleppen. Kleinere Fische wirft er eher zurück, als sie mitzunehmen. „Die Gewässer müssen ertragreich gehalten werden, ohne auf künstlichen Besatz angewiesen zu sein. Ich habe mehr davon, wenn sich die kleinen Fische noch einmal vermehren.“ Deshalb fische er auch immer nur so viel, wie er Anfragen habe.

Keine Region für Fischesser

Zu seinen Kunden zählen besonders ältere Menschen. Jüngere könnten heute selten einen ganzen Fisch verarbeiten, scheuten den Aufwand oder wollten schlicht den Fischgeruch nicht in der Wohnung haben, so Siegel. Er selbst esse tatsächlich auch wenig Fisch. „Wenn Sie den Geruch ständig in der Nase haben, dann müssen Sie nicht auch noch jeden Tag Fisch essen.“ An Karfreitag gibt es bei ihm und seiner Frau traditionell Aal. Aber generell sei die Region rund um Karlsruhe keine Gegend für Fischesser – zumindest im Vergleich zu Norddeutschland nicht.