Bereits junge Kinder nutzen das Smartphone, um sich im Internet auszutauschen, Videos anzusehen oder Influencern auf sozialen Netzwerken zu folgen. Eltern sollten ihre Schützlinge auf dem Weg in die digitale Welt begleiten.
Bereits junge Kinder nutzen das Smartphone, um sich im Internet auszutauschen, Videos anzusehen oder Influencern auf sozialen Netzwerken zu folgen. Eltern sollten ihre Schützlinge auf dem Weg in die digitale Welt begleiten. | Foto: Kahnert/dpa

Digitaler Elternabend

„Idole im Netz“: Was Kinder an Internet-Stars fasziniert

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Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Influencern auf Youtube, Instagram und anderen Social-Media-Plattformen? Wo liegen die Gefahren in der Nutzung dieser Medien? Antworten darauf lieferte der zweite Digitale Elternabend in Karlsruhe, an dem Interessierte via Internet bequem von Zuhause aus teilnehmen konnten.

Das Angebot ist aus einer Kooperation zwischen dem Verein Medienkompetenz-Team, der Volkshochschule Karlsruhe, sowie den psychologischen Beratungsstellen Ost und West und dem Sachgebiet Jugendschutz des Karlsruher Kinderbüros entstanden.

Anlässlich des „Safer Internet Day“, zu dem die Initiative Klicksafe jedes Jahr am 11. Februar aufruft, sollten Eltern die Möglichkeit bekommen, sich über Internetsicherheit und den Medienkonsum ihrer Kinder zu informieren. 24 Karlsruher waren interessiert und verfolgten eine gute Stunde lang, was Inga Klas und Daniel Nübling unter dem Titel „Idole im Netz“ über die Stars auf Youtube und Instagram, auf der Livestreaming-Plattform Twitch oder der Lippensynchronisations-App TikTok zu erzählen hatten.

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„Unser Ziel ist, die Eltern mit dem Thema zu erreichen“, so Inga Klas. „Es waren schon mehr Teilnehmer als beim ersten Mal, und die sind auch kontinuierlich dabeigeblieben. Das ist ein Indikator für uns, dass es interessant war“, so Klas.

Interaktive Teilnahme möglich

Das Angebot abends ab 20 Uhr solle den Eltern zeitliche Flexibilität gewähren und die interaktive Teilnahme ermöglichen, ohne dass ein Babysitter organisiert werden muss. Wer sich registriert und zum vereinbarten Zeitpunkt eingeloggt hatte, konnte am eigenen Bildschirm die Präsentation der Medienexperten verfolgen sowie in einem kleinen Videofenster die beiden Ansprechpartner hören und sehen.

Influencer sind nahbar und jederzeit verfügbar.
Daniel Nübling, Verein Medienkompetenz-Team

Über ein Chat-Feld konnten direkt Fragen an die Experten gestellt werden. Warum sind Influencer so faszinierend für junge Menschen? Neben der Vorbildfunktion, die ihnen ähnlich wie in früheren Generation den Musik- oder Filmstars zugesprochen wird, seien die Idole aus dem Netz nahbar. „Sie zeigen auch ihren ganz normalen Alltag“, so Nübling.

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Gleichzeitig zeigten sie aber auch ihren Influencer-Alltag, der eben nicht normal sei. Etwa ein Gamer, der in seinem professionell ausgestatteten Studio samt speziellem Gaming-Stuhl sitzt – dafür bewundern ihn die Zuschauer, wollen ihn nachahmen und vielleicht selbst von Beruf Youtuber oder Streamer werden. Gleichzeitig seien die Inhalte aus dem Internet im Gegensatz zum Fernsehprogramm immer und überall verfügbar.

Nübling und Klas stellten einige der bekanntesten Internet-Stars vor, die bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt sind: Den Gaming-Veteran Gronkh, den Entertainer Julien Bam und Bibis Beauty Palace auf Youtube, den Livestreamer MontanaBlack (Twitch) oder die Zwillinge Lisa und Lena, die auf TikTok einen der erfolgreichsten Accounts hatten, bevor sie im April 2019 ihren Ausstieg aus der Plattform für selbst gemachte Playback-Videos verkündeten.

Was ist mit der Datensicherheit?

Ein Grund sei damals auch das Thema Datensicherheit gewesen, erklärte Daniel Nübling den Teilnehmern des Digitalen Elternabends. Viele Kinder und Jugendliche, die diese Plattformen nutzen und Bilder und Videos von sich ins Internet hochladen, seien sich gar nicht bewusst, wer diese Inhalte dann anschaue.

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Vor einem Jahr machte etwa Youtube Negativschlagzeilen, als öffentlich wurde, dass pädophile Nutzer sich über die Plattform vernetzten – und zwar, indem sie über die Kommentarfunktion unter eigentlich harmlosen Videos junger Mädchen kommunizierten.

Und TikTok musste in den USA wegen Verstößen gegen Jugendschutzgesetze eine Strafe zahlen – und darf jetzt keine Daten von Unter-13-Jährigen mehr sammeln. „Wobei man sich auch fragen muss: Warum können Unter-13-Jährige überhaupt Inhalte dort hochladen“, so Nübling im Digitalen Elternabend.

Eine Möglichkeit sei, in den Einstellungen der jeweiligen Social-Media-Plattform die Inhalte auf „privat“ zu stellen, sodass nur Freunde und Familie sie sehen könnten. Zudem müssten Eltern ihre Kinder auf dem Weg in die Mediennutzung altersgerecht begleiten. „Niemand stellt ja am ersten Schultag sein Kind vor die Haustür und sagt: ,So, jetzt geh’ mal los‘. Sondern man geht die ersten Schritte mit“, so Klas.

Stichwort: Internet-Kompetenz‘
Der Verein Medienkompetenz Team gibt Eltern, Schulen und allen Interessierten Tipps zur Nutzung von (Internet-)Medien. Der Verein bietet auch Workshops und Vorträge zum Thema Digitale Medien an. Wer sich zum Thema Influencer genauer informieren will, kann zum Beispiel den Youtube-Kanal „Medienkompetenz.tv“ nutzen: Dort haben die Karlsruher Medienexperten unter anderem eine Playlist mit Videos zusammengestellt, in denen die Mechanismen der Social-Media-Plattformen thematisiert werden. Der Verein empfiehlt zudem die Seite www.klicksafe.de als Informationsquelle. Infos zum Verein gibt es unter medienkompetenz.team.

Unter digitaler-elternabend.de kann man sich zum nächsten Digitalen Elternabend am 25. März um 20 Uhr anmelden.