Nach den homophoben Äußerungen gab es am Freitag eine Spontandemonstration vor der b.i.g.-Zentrale in Karlsruhe.
Nach den homophoben Äußerungen gab es am Freitag eine Spontandemonstration vor der b.i.g.-Zentrale in Karlsruhe. | Foto: Sandmann

In Karlsruher Straßenbahn

„Iih, das sind zwei Schwule“: Security-Firma zieht Konsequenzen nach homophoben Äußerungen

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Homophobe Beleidigungen und das Gefühl, zum Ausstellungsstück degradiert zu werden, wenn er mit einem Freund Händchen haltend durch die Stadt läuft: Für Kai sind diese Formen der Diskriminierung nichts Neues. Dennoch zittert seine Stimme, als er am Freitagmorgen am Telefon von seinem Erlebnis in der vergangenen Nacht erzählt.

Es ist kurz nach Mitternacht, als er mit einem Freund am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe in die Straßenbahn-Linie 2 in Richtung Hauptbahnhof einsteigt. Sie setzen sich vorne rechts hin, direkt hinter den Fahrer. An der Haltestelle Ebertstraße steigt der Freund aus. Er und Kai küssen sich zum Abschied.

An der Ebertstraße steigen aber auch fünf Personen von b.i.g.-Security ein, die mit Ausweisen im Auftrag des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) die Fahrkarten kontrollieren. „Iih, das sind zwei Schwule“, hört Kai den einen Mann sagen. Ein zweiter Kontrolleur habe ihm geantwortet: „So etwas will man doch nicht sehen am späten Abend.“

Mir fällt es schwer, darüber zu sprechen

Kai ist entsetzt von diesen Äußerungen, er twittert das Erlebte um 0.30 Uhr. „Mir fällt es schwer, darüber zu sprechen“, sagt der 23-Jährige wenige Stunden später am Telefon mit zittriger Stimme. „Und das passiert in der Stadt, in der ich mich eigentlich so wohlfühle.“ Und in der am Samstag der Christopher-Street-Day stattfindet.

Sehr bedrohlich sei die Situation gewesen. „Ich war völlig versteinert, habe reagiert wie ferngesteuert und einfach nur mein Ticket vorgezeigt, erzählt Kai. Es habe sich besonders perfide angefühlt, weil die Männer in offizieller Funktion unterwegs waren: „Ich habe mich noch nie nachts in der Bahn unsicher gefühlt. Und jetzt fühle ich mich dort unsicher wegen Security-Leuten, die im Auftrag des KVV unterwegs sind.“

KVV zieht Konsequenzen

Die Verantwortlichen des Verkehrsverbundes wissen bereits von dem von Kai beschriebenen Vorfall, als die BNN sie am Freitagmorgen kontaktieren. „Wir gehen dem Vorwurf nach und stehen schon in Kontakt mit b.i.g.“, erklärt Pressesprecherin Sarah Fricke. Über personelle Konsequenzen möchte sie zu diesem Zeitpunkt nicht sprechen.

Später am Tag gibt es ein weiteres Telefonat. Darin erklärt Fricke, dass b.i.g. mittlerweile Stellung bezogen hat und die Mitarbeiter den Vorfall eingeräumt haben. „Wir werden mit den betreffenden Personen nicht mehr zusammenarbeiten“, sagt die KVV-Sprecherin. Auch entschuldigt sich der Verkehrsverbund bei Kai.

Andere homophobe Vorfälle, von denen einer unter dem Tweet des 23-Jährige thematisiert wird, sind Fricke nach eigenen Angaben nicht bekannt. Sie bittet darum, dass Betroffene sich direkt an den KVV wenden, etwa per E-Mail über lobundtadel@kvv.karlsruhe.de. Wichtig sei, sich das Datum und die genaue Uhrzeit der Fahrt zu merken.

Spontandemo vor b.i.g.-Zentrale in Karlsruhe

Vor der Zentrale von b.i.g. in Karlsruhe findet am Freitag von kurz nach 14 Uhr an eine Spontandemonstration statt. Mehr als 50 Teilnehmer kommen, ein Polizist erklärt, dass die Kundgebung ordnungsgemäß angemeldet worden ist. Kurz nach Beginn stellt sich Anna dos Santos, Personalleiterin bei der b.i.g.-Gruppe, den Demonstranten und diskutiert mit ihnen.

Vor der Zentrale der b.i.g.-Gruppe in Karlsruhe demonstrieren am Freitag mehr als 50 Menschen.
Vor der Zentrale der b.i.g.-Gruppe in Karlsruhe demonstrieren am Freitag mehr als 50 Menschen. | Foto: Sandmann

Im Telefonat mit bnn.de erläutert sie anschließend die Konsequenzen, die das Unternehmen gezogen hat: „Wir haben alle fünf Personen abgemahnt.“ Zwei Männer wegen der homophoben Äußerungen und die anderen drei Personen, weil sie nicht eingeschritten seien. „Wir prüfen weitere arbeitsrechtliche Schritte“, erklärt dos Santos in Bezug auf die beiden Urheber der Diskriminierungen.

Viel Unterstützung für Kai

Auch wenn es ihm schwer gefallen sei, er habe diesen Vorfall auf Twitter öffentlich machen müssen, sagt Kai. „Ich möchte verhindern, dass so etwas einer Person passiert, die vielleicht schwächer ist als ich“, erklärt der 23-Jährige.

Unter seinem Tweet bekommt Kai viel Unterstützung von anderen Nutzern. „Wünsche dir viel Kraft. Tut mir leid, dass du das erleben musstest“, „Hochgradig unprofessionell für Security“ und „Wie schrecklich!“ ist dort zu lesen.