Schon nach einer kurzen Einführung programmiert Brian Dancs im Coder Dojo los.
Schon nach einer kurzen Einführung programmiert Brian Dancs im Coder Dojo los. | Foto: Fischer

Projekt von KIT-Studenten

Im Coder Dojo in Karlsruhe lernen Kinder zu programmieren

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Programmieren ist interessant und kann Spaß machen. Das lernen Kinder und Jugendliche, die ins Karlsruher Coder Dojo kommen. Bei dem von KIT-Studenten ins Leben gerufenen Projekt können Einsteiger ihre ersten Programmier-Schritte unternehmen und Fortgeschrittene untereinander in den Austausch treten. Das kostenlose Angebot stößt auf reges Interesse: Alle angebotenen 35 Plätze sind belegt, es gibt eine Warteliste.

In einem Keller in Karlsruhe sitzen unzählige Kinder und Jugendliche, konzentriert auf die Bildschirme blickend, vor ihren Notebooks. Aber sie spielen nicht etwa das neueste Computerspiel. Nein, sie lernen hier zu programmieren. Ein Spiel ist allerdings bei einigen von ihnen durchaus das Ziel. Regelmäßig kommen sie zum Coder Dojo ins KIT. Denn der Kellerraum ist nicht irgendein x-beliebiger, sondern ein Seminarraum im Untergeschoss des KIT-Informatik-Gebäudes.

Gründer des Coder Dojo hätten sich ähnliches Angebot gewünscht

Vor dem Eintreffen ihrer Schüler erzählten die Studenten Ricarda Trumpf und Mark Weinreuter, die 2015 das Coder Dojo in Karlsruhe gegründet haben, worum es geht. Der Anlass sei für ihn die persönliche Erfahrung gewesen, meint Weinreuter: „Als ich angefangen habe, gab es nichts.“

Er habe sich dann die ersten Programmierkenntnisse mithilfe eines Buchs seines Vaters und englischsprachiger Texte im Internet beigebracht. In Irland besuchte er – zu diesem Zeitpunkt studierte er schon Informatik – eine Konferenz, bei der Kinder ihre Projekte vorstellten – eine weitere Motivation. Zudem gibt es Coder Dojos auch an anderen Orten – Vorbilder waren da.

Einsteiger und Fortgeschrittene kommen auf ihre Kosten

Zwei Ziele stehen nun im Mittelpunkt, wie Trumpf erzählt: „Wir wollen motivierten Kindern einen Ort zum Austausch bieten.“ Außerdem gehe es darum, denen, die nicht dauerhaft bleiben wollen, einen ersten Einblick zu geben: „Sie sollen es mal gesehen haben.“ Denn die Grundlagen seien schnell zu verstehen. Entsprechend ist auch die Aufteilung: In einem der zwei durch eine Tür verbundenen Räume sammeln die Anfänger ihre ersten Erfahrungen, während im anderen die Fortgeschrittenen an ihren Projekten arbeiten.

Das Karlsruher Coder Dojo findet normalerweise dreimal im Monat freitagabends ab 17 Uhr statt. Bei der von KIT-Studenten ins Leben gerufenen Gruppe bekommen Kinder und Jugendliche die Gelegenheit, programmieren zu lernen. Die Teilnahme ist kostenlos für Interessierte im Alter von zehn bis 18 Jahren. Kinder unter 13 Jahren müssen von ihren Eltern begleitet werden. Vorkenntnisse im Programmieren sind nicht erforderlich. Im Moment können allerdings keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden. Es gibt eine Warteliste.

Der zwölfjährige Brian und seine Mutter Alexandra Dancs sind erst neu dabei. Während ihr Sohn weiter konzentriert arbeitet, erzählt Alexandra Dancs: „Ich habe im Internet gesucht und bin dann darauf gestoßen.“ Sie wolle Brian die Gelegenheit geben, erste Erfahrungen im Programmieren zu sammeln. Zuerst kamen sie nur auf die Warteliste – die Zahl der Interessenten übersteigt die insgesamt 35 Plätze –, aber dann hat es geklappt.

„Sie sind supernett und machen es echt toll“, zeigt sich Dancs begeistert von den Organisatoren. Unterdessen arbeitet Brian weiter an einer Unterwasserwelt. Mit dieser hat er schon nach einer kurzen Einführung angefangen. Trumpf hatte einige Beispiele gezeigt – beispielsweise ein Spiel, in dem man ein Huhn zu Würmern bewegen muss, die aus dem Boden kommen –, und schon ging es los: „Ihr sollt gleich losprogrammieren.“

Mit Hilfe seiner Mutter Alexandra Dancs und von Mentorin Ricarda Trumpf lernt der zwölfjährige Brian zu programmieren. Benutzt wird dafür zunächst die grafische Programmiersprache Scratch, die Neueinsteigern den Anfang vereinfachen soll. Nach einer kurzen Einführung hat Brian schon mit der Arbeit an einem Spiel, einer Unterwasserwelt, begonnen.
Mit Hilfe seiner Mutter Alexandra Dancs und von Mentorin Ricarda Trumpf lernt der zwölfjährige Brian zu programmieren. Benutzt wird dafür zunächst die grafische Programmiersprache Scratch, die Neueinsteigern den Anfang vereinfachen soll. Nach einer kurzen Einführung hat Brian schon mit der Arbeit an einem Spiel, einer Unterwasserwelt, begonnen. | Foto: Fischer

Mit der für Neueinsteiger entwickelten visuellen Programmiersprache fällt das relativ leicht: Mit endlosen Textreihen muss sich hier niemand quälen. „Man muss grafische Bausteine an den richtigen Ort ziehen“, erklärt Tim Pambor, einer der drei Gründer des Karlsruher Coder Dojo. „Das ist mehr wie Lego“, meint er. Weinreuter sagt, in 20 Minuten könne ein erstes kleines Spiel erstellt werden.

Fortgeschrittene arbeiten an Wettbewerbs-Aufgabe

Im anderen Raum, bei den Fortgeschrittenen, sitzen Jonas und sein Vater Hendrik Lambrecht. An zwei Notebooks arbeiten sie gemeinsam an der Aufgabe für einen Informatik-Wettbewerb. „Ich weiß gar nicht, wie lange wir schon zum Coder Dojo kommen“, erzählt der zwölfjährige Jonas. Er erklärt: Inzwischen sind sie in der dritten Wettbewerbsrunde. Schwierig sei nun, die Aufgabe, die sie verstanden haben, so zu übersetzen, dass der Computer sie lösen kann, meint Hendrik Lambrecht. „Aber es macht echt immer wieder Spaß.“

Jedes Kind sollte programmieren lernen

Brian und Jonas sind ein Teil dessen, was Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gefordert hat: Jedes Kind sollte programmieren lernen und grundsätzlich verstehen, wie digitale Technik funktioniert. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter mahnte sogar, ohne ausreichend Fachkräfte mit digitalen Kompetenzen verspiele Deutschland seine Wachstums-, Beschäftigungs- und Wohlstandschancen. Dafür müssten Schüler früh Grundlagen von Datenverarbeitung und Programmieren lernen.

Coder Dojo ist auf Unterstützung angewiesen

Um dies noch weiteren Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, ist das Karlsruher Coder Dojo auf Unterstützung angewiesen, denn auf 35 Teilnehmer kommen mindestens fünf Mentoren – und mit weiteren Mentoren wäre vielleicht sogar eine höhere Teilnehmerzahl möglich. „Neumentoren sind immer willkommen“ betont Weinreuter.

Lust sollte man haben – und Interesse.

Mark Weinreuter

Der Informatikstudent sagt: „Lust sollte man haben – und Interesse.“ Trumpf ergänzt: „Gerade bei Scratch kann man sich in vier oder fünf Stunden einlesen.“ Nicht nur Informatikstudenten sind gefragt. Schließlich bewegen sich die Teilnehmer auch auf unterschiedlichen Niveaus. „Ich mache eher die Anfänger“, sagt Trumpf, die Physik sowie Naturwissenschaft und Technik auf Lehramt studiert. Sie kümmere sich um die Grundlagen, „später gebe ich dann an die Informatikstudenten ab“.

Projekt stößt auf große Nachfrage und Begeisterung

Erfolgreich sind sie mit dem Coder Dojo auf jeden Fall, wie nicht nur die lange Warteliste belegt, sondern auch der Karlsruher Kinderfreundlichkeitspreis, der ihnen im vergangenen Jahr verliehen wurde. Und vielleicht ist nun sogar noch mehr drin: Beim Deutschen Engagement-Preis steht das Karlsruher Coder Dojo beim Publikumspreis zur Abstimmung.