Nanda wird über die neue Anlage geführt
Durchs Gras geht es für Nanda erst seit der Eröffnung der neuen Außenanlage. Da die Elefantenkuh blind ist, führt Robert Scholz sie zunächst vorsichtig durchs Gelände. | Foto: jodo

Neuland unter Elefantenfüßen

Im Karlsruher Zoo erobert Elefantenkuh Nanda die neue Anlage

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Ende Mai ist im Zoo Karlsruhe die neue Außenanlage für Dickhäuter eröffnet worden. Während die stürmische Elefantenkuh Jenny die neuen Möglichkeiten mit Karacho testet, muss ihre blinde Artgenossin Nanda  Schritt für Schritt und an der Hand der Pfleger das Gelände kennenlernen.

Eine Reportage aus der Altersresidenz für Asiatische Elefantenkühe im Zoo Karlsruhe.

Langsam und bedächtig setzt sich Nanda in Bewegung. Die großen Elefantenfüße setzen vorsichtig auf: Erst in den Sand im Anbau, dann auf den Beton des alten Dickhäuterhauses, anschließend auf den Boden der alten Außenanlage, wo sich die beiden Beläge mit Pflaster abwechseln. Mit dem Rüssel tastet sie den Weg ab, ehe sie die Sohlen platziert – Nanda plagt der Graue Star, das frühere Zirkustier ist nahezu blind. Revierleiter Robert Scholz führt die Elefantenkuh an der Stoßzahntasche und spricht ihr aufmunternd zu. Wo der neue Abschnitt der Außenanlage beginnt, zögert die Elefantenkuh. Vor ein paar Wochen wäre sie dort gegen ein Stahlseil gelaufen, nun steht das mächtige Metalltor zum neuen Gehegeabschnitt offen.

Nur schöne Erfahrungen

Dort ist für Nanda alles neu: Das abschüssige Gelände, das Rauschen des Wasserfalls, das Gras unter den Füßen, neue Gerüche neue Pflanzen, das leichte Schwingen der Waage….Seit Ende Mai im Karlsruher Zoo die Erweiterung der Dickhäuter-Außenanlage eröffnet wurde, lernt die Elefantenkuh in vielen kleinen Schritten die neue Umgebung kennen. Und zwar stets in Begleitung, damit sie nicht vor eine Begrenzung läuft. „Sie soll hier nur schöne Erfahrungen machen“, nennt Scholz die Zielvorgabe.

Neue Bodenbeläge

Noch ein vorsichtiger Schritt und ein paar aufmunternde Worte, dann hat Nanda Substrat unter den Füßen, das den früheren gepflasterten Besucherweg bedeckt – schon wieder etwas Neues. Nach den ersten Trainingswochen läuft Nanda hier aber souverän weiter ins weiche Gras. Ein bisschen sinkt sie bei jedem Schritt ins Grün ein – das Neuland unter ihren Füßen ist. Scholz dreht mit ihr eine Runde hinunter ins Gelände, vorbei an den Futterbäumen, die Nanda auch bereits kennengelernt hat. Aus verschiedenen Öffnungen kann sie sich hier zuweilen mit dem Rüssel Leckereien angeln. Vorsichtig fingert sie sich in eines der Löcher – heute ohne Erfolg.

Nur keine Routine

Als Scholz zu einer zweiten Runde ansetzt, quiekt Nanda empört: In den vergangenen Wochen ging es nun immer direkt auf die Waage, wo Pflegerin Yvonne Bierer Möhren und einen Mix aus Quetschhafer und Kleie platziert hat. Der Revierleiter besteht auf der zweiten Tour: Zu viel Routine tut nicht gut, Abwechslung hingegen ist anregend.

Schwingende Waage

Schließlich kann Nanda die Füße gar nicht schnell genug auf die siebeneinhalb Meter lange Metallplatte des Messgeräts bekommen. „Anfangs hat sie sich unwohl gefühlt, weil die Waage ein wenig schwingt“, schildert der Revierleiter. Nun aber steht Nanda entspannt und verspeist ihren Quetschhafer, zwischenzeitlich sogar nur auf drei Beinen: Scholz hat den Schlauch des Hochdruckreinigers aus dem Funktionsraum gezogen, der sich unter dem künstlichen Felsen mit Wasserfall und Futterbaum verbirgt. Kauend genießt Nanda die morgendliche Dusche – und hebt nacheinander die Beine, damit der massierende Wasserstrahl ihre Fußsohlen trifft.

Nanda auf der neuen Waage
Überwindung kostete es Nanda, die riesige Waage zu betreten, da diese leicht schwingt. Inzwischen lässt sich die blinde Elefantenkuh dort von Revierleiter Robert Scholz abduschen – und macht souverän mit. | Foto: jodo

Überraschendes Ergebnis

Rund 3,4 Tonnen hat die Waage angezeigt – und damit etwas weniger, als die Pfleger schätzten, ehe sie genau messen konnten. Anders war es bei Nandas Artgenossin Jenny: Sie überraschte auf der Waage mit 4,3 Tonnen, berichtet Robert Scholz. Gespannt ist das Team, wie sich im Herbst, wenn mehr Heu als Gras gefüttert wird, das Gewicht verändert, erklärt der Revierleiter.

Jenny entdeckt Schwachstellen

Doch nicht nur von ihren Pfunden unterscheiden sich die Elefantenkühe: So bedächtig Nanda die Anlage erkundet, so stürmisch geht Jenny sie an. Sichtlich begeistert widmete sie sich an den ersten Tagen den neuen Angeboten – und testete sie auch gleich auf ihre Standfestigkeit. „Zwei Baumstämme müssen wird neu verankern, und die Kabel der Lautsprecheranlage müssen wir auch besser schützen“, bilanziert Scholz, während er Nanda zum Wasserfall führt. Auch der künstliche Hügel begeisterte Jenny nachhaltig: Die eingesäten Wildblumen werden dort definitiv nicht gedeihen, räumt Scholz schmunzelnd ein.

Genug Zeit für Nanda

Während Jenny nach einer Woche unter Beobachtung der Pfleger alleine ins neue Gelände darf, werden Scholz und seine Kollegen Nanda noch eine ganze Weile begleiten müssen. „Es drängt uns aber auch keiner, Nanda bekommt die Zeit, die sich braucht“, sagt der Revierleiter. Auch die Aufnahme weiterer Elefanten ist daher derzeit kein Thema. Sollte aber ein Elefant in Not sein wie damals Lina, werde man aber freilich helfen, ist sich Revierleiter Robert Scholz mit Zoochef Matthias Reinschmidt einig. Nicht vernachlässigen werden dürfen auch die morgendlichen Touren an der Hand der Pfleger an den Stadtgarten, die das Team der blinden Elefantenkuh angedeihen lässt (die BNN berichteten). „Sonst vergisst sie zu viel“, erklärt Scholz.

Nicht gemeinsam

Am Wasserfall füllt Nanda genüsslich den Rüssel – an sein Rauschen hat sie sich offensichtlich nun gewöhnt und weiß es einzuordnen. Später wird sie auf den alten Abschnitt der Anlage wechseln und Jenny das neue Revier überlassen. Wenn kein Pfleger dabei ist, können die beiden Elefantenkühe zwar über den Zaun hinüber Kontakt aufnehmen und rüsseln – Nanda hat aber die Möglichkeit auszuweichen, wenn Jenny zu grob wird. „Nanda ist ihr unterlegen, und Jenny nicht sehr sozial“, beantwortet Scholz die immer wieder gestellte Frage der Zoobesucher, warum Jenny und Nanda nicht beieinander stehen.

Flusspferde dürfen später auf die Anlage

Nanda hat eine Stelle entdeckt, an der die Grasnarbe schon abgeschabt ist und sie sich Erde auf den Rücken werfen kann. Noch sind diese aber selten, und die Anlage ist auch rund neun Wochen nach der Eröffnung noch überraschend grün. Wie sie aussehen wird, wenn die Flusspferde nachts dort weiden dürfen, wird freilich spannend. Aber auch da besteht kein Zeitdruck, stellt Scholz klar. „Nun sollen erst einmal die Elefanten die Anlage kennenlernen und testen“, sagt er – wohl wissend, dass speziell die stürmische Jenny dem Team vielleicht noch die eine oder andere Schwachstelle aufzeigen wird. „Elefanten mit ihrem Rüssel sind sehr viel kreativer als Flusspferde“, weiß Scholz.