Jedes Bisschen hilft: An drei Einrichtungen im Landkreis Karlsruhe entstehen 49 neue Kurzzeitpflegeplätze. Das Land fördert den Ausbau solitärer Plätze mit insgesamt 7,6 Millionen Euro. | Foto: Guido Kirchner/dpa

Notstand

Im Kreis Karlsruhe fehlen Pflegeplätze

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Im Kreis Karlsruhe mangelt es an Kurzzeitpflegeplätzen. Die Kliniken streben Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen an, um jederzeit auf Plätze zugreifen zu können. Aber auch die Anreize der Landesregierung scheinen bald für etwas Entspannung zu sorgen.

Es ist nichts Neues, dass überall in Deutschland Pflegeplätze fehlen, dass es insbesondere an Angeboten in der Kurzzeitpflege mangelt. Da ist auch der Landkreis Karlsruhe keine Ausnahme: Eine Umfrage der Verwaltung im April ergab, dass in 49 Heimen lediglich 25 solitäre Kurzzeitpflegeplätze vorgehalten werden – solche, die ausschließlich für eine kurzfristige Pflege vergeben werden. Dazu kommen 211 eingestreute Plätze, die nur dann zu haben sind, wenn sie nicht für die Dauerpflege benötigt werden. Insgesamt ist das nicht allzu viel.

Kliniken können Patienten nicht entlassen

Dieser Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen macht sich an zwei Stellen bemerkbar: Zum einen bei pflegenden Angehörigen, die dringend eine Auszeit nötig hätten. Zum anderen bei den Krankenhäusern, die Patienten, deren Anschlussversorgung nicht geklärt ist, nicht entlassen können. Wie gestaltet sich die Situation in den Kliniken in Bruchsal, Bretten und Karlsbad? Und was hindert die Pflegeheime daran, mehr Kurzzeitpflegeplätze anzubieten?

Aus den Kliniken des Landkreises in Bretten und Bruchsal heißt es: „Sowohl vonseiten der Klinik als auch von Angehörigen müssen oft unzählige Telefonate mit Pflegeeinrichtungen geführt werden, bis ein Platz gefunden wird (oftmals nicht einmal wohnortnah). Dies ist für alle Beteiligten – Mitarbeiter von Pflege und Sozialdienst sowie Patienten und Angehörige – sehr belastend.“

Es werden zehnmal so viele Plätze gebraucht

In der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal würden im Schnitt wöchentlich zehn bis 15 Kurzzeitpflegeplätze benötigt, tatsächlich zur Verfügung stünden im Schnitt zwei bis drei Plätze, sagt Sprecherin Petra Dehn. Es müssten Entlassungen verschoben werden und Betten stünden nicht zeitnah für Akutfälle zur Verfügung. In der Rechbergklinik Bretten seien die Zahlen vergleichbar.

Weniger Probleme gibt es in der SRH-Klinik in Karlsbad-Langensteinbach: „Dank des großartigen Engagements unserer Kolleginnen des Sozialdienstes finden wir auch in Spitzenzeiten Lösungen, die eine Anschlussversorgung sicherstellen. Nur in Ausnahmefällen bleibt ein Patient länger bei uns als geplant“, informiert Sprecher Mischa Lange.

Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen geplant

Die Kliniken des Landkreises hingegen sehen dringenden Handlungsbedarf und streben nach Angaben von Petra Dehn Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen an. So könnten die Krankenhäuser auf ein festes Kontingent an Kurzzeitpflegeplätzen zurück greifen.

Kurzzeitpflegeplätze mit mehr Anstrengungen verbunden

Die müssen allerdings erst noch entstehen. „Für die Pflegeeinrichtungen sind Kurzzeitpflegeplätze mit mehr Anstrengungen verbunden, dort herrscht ein ständiges rein und raus“, sagt Margit Freund, Sozialdezernentin im Landratsamt. Um den Ausbau solitärer Plätze attraktiver zu machen, fördert ihn das Land Baden-Württemberg mit 7,6 Millionen Euro.

Es entstehen 49 neue Kurzzeitpflegeplätze

„Das hat auch drei Einrichtungen im Landkreis motiviert, insgesamt 49 neue Plätze zu schaffen“, berichtet Margit Freund. Am evangelischen Altenzentrum in Bruchsal entstehen fünf, das Pflegeheim St. Elisabeth in Karlsdorf-Neuthard schafft 24 Plätze und die St. Rochus-Klinik in Bad Schönborn 20 Plätze.
Und noch etwas hat das Land veranlasst: Seit September gewährt das Sozialministerium Ausnahmen bei der Einzelbettverordnung für Pflegeeinrichtungen: Zimmer, die ausschließlich zur Kurzzeitpflege vorgesehen und größer als 22 Quadratmeter sind, dürfen als Doppelzimmer eingerichtet werden. „Auch das hat uns noch ein paar weitere Plätze im Kreis beschert“, kann Freund berichten.