Zukunftsbild von Ikea in Karlsruhe
BLAU-WEISS und luftig hell wird die Fassade. Ikea will eine Million potenzielle Möbelkäufer aus großem Umkreis zu seinem Einrichtungshaus in der Oststadt locken. Das maximal 32,5 Meter hohe Gebäude hat zwei Etagen mit 25 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und darüber drei Parkdecks. Es ist 153 Meter lang und 120 Meter breit. | Foto: Montage Ikea

Ikea legt im April mit Bau los

Im Sommer 2020 ist der Elch da

Schon vor über 20 Jahren wollte Ikea nach Karlsruhe. Zwei Jahre aber muss sich jetzt die Möbelkundschaft aus Stadt und Großregion immer noch gedulden. „Wir eröffnen das Einrichtungshaus im Sommer 2020“, erklärt Johannes Ferber, Geschäftsführer von Ikea Deutschland, auf dem Bauplatz an der Durlacher Allee.

12 000 Bohrungen

Ein Jahr lang ist das Baufeld bestellt worden: Kampfmittelsondierer haben 12 000 Bohrungen bis in acht Meter Tiefe zum Aufspüren von Blindgängern vorgenommen. Eine Bombe wurde nicht gefunden. Dafür jede Menge Altlasten einer alten Müllkippe vor der Oststadt. Sie seien weggebaggert oder würden durch den Neubau nicht freigesetzt, sagt Ferber. Die Vorarbeiten haben länger gedauert, wir hatten den Umfang nicht erwartet“, räumt Ferber ein.

Nummer 54

Jetzt kann Ikea endlich bauen. Im April beginnen die Arbeiten für 1 000 Bohrpfähle. Diese acht Meter in die Tiefe reichende Gründung trägt später den fünfgeschossigen Bau mit 25 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die 21. größte Stadt im Land bekommt den 54. Ikea-Filiale der Nation. Die expandierende Möbelkette bringt es weltweit auf 412 Häuser.

Ikea Karlsruhe wird laut Ferber eine große Filiale mit sehr tiefem Ikea-Sortiment, wesentlich größer als das Einrichtungshaus in Walldorf mit 18 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ikea sieht für Karlsruhe eine Million potenzielle Kunden im Umkreis von 60 Autominuten. „Wir erwarten uns durch Karlsruhe auch eine Entlastung von Walldorf, wo wir nicht mehr weiter ausbauen können“, erklärt der Chefentwickler.

Bauplatz für Ikea Karlsruhe
ES KANN LOSGEHEN: Der für Ikea ideale Bauplatz am Wunschstandort ist vorbereitet: Zwischen Durlacher Allee (links) und Gerwigstraße (rechts) sowie Weinweg (vorne) und Bahndamm (hinten). | Foto: Sandbiller

So sieht der neue Ikea-Zeitplan für Karlsruhe nach dem Anbohren im April aus: im Juli erste Fundamente, erste Wände im August, Feier mit Grundsteinlegung im September, Richtfest im Herbst 2019 und fertig ist das Elch-Haus im Sommer 2020 – also zwei Jahre später, als zunächst 2014 angestrebt. Auch der Bauboom bereitet Ikea Probleme.

„Es ist schwer, Firmen zu bekommen. Und 2017 sind die Preise in der Baubranche um zwölf Prozent gestiegen, das merken wir“, berichtet Ferber.
Ende des 20. Jahrhunderts zierte sich Karlsruhe vor dem großen Elch. Dabei hatte der schwedische Möbelriese längst den bis heute ungebremsten Siegeszug in die Wohnzimmer dieser Welt begonnen.

Liebe auf den zweiten Blick

Die Wirtschaftsförderer sahen damals in Ikea keinen Gewinn für die Fächerstadt. Man bot dem Möbelriesen kein passendes Grundstück an. „Wir haben damals nicht die Unterstützung bekommen“, meint der Chef der Ikea-Projektentwickler in der Republik. Zudem stellte sich Karlsruhes Möbelzar Hugo Mann quer. Ikea suchte notgedrungen anderswo und fand in Rastatt offene Arme. Letztlich aber scheiterte dieses Ausweichprojekt am Verwaltungsgerichtshof in Leipzig.

 

Planvorstellung für Ikea-Bau
GANZ NACH PLAN kann jetzt gebaut werden, meinen (v. l.) Chantal Gilsdorf, Johannes Ferber und Nicole Schaffelder von Ikea. | Foto: Sandbiller

Seitdem ist klar: Ein Ikea-Einrichtungshaus gehört ins Oberzentrum, anderswo gibt es keine Genehmigung. Da sich in Karlsruhe der Wind der Stadtpolitik geändert hatte, wurde die Liebe auf den zweiten Blick möglich. Auch die Mann-Erben und der neue Platzhirsch Mann Mobilia – XXXL Lutz an der Durlacher Allee konnten sich laut Ferber jetzt mit einem für die Möbelkundschaft attraktiven Nachbarn Ikea anfreunden.

So konnte der Weltkonzern das begehrte Grundstück am Winkel von Weinweg und Durlacher Allee 2014 doch noch kaufen. „Über den Preis ist Stillschweigen vereinbart“, gibt sich Ferber zugeköpft.

Idealer Standort

In den Bau selbst will Ikea 80 Millionen Euro investieren. „Der Standort ist ideal für uns“, bekräftigt er. Nicole Schaffelder, Leiterin des Ikea-Projekts Karlsruhe, präzisiert die Trümpfe: ganz nahe der Innenstadt, außergewöhnliche Anbindung an den ÖPNV und das Radwegenetz, dazu direkt an zwei Autobahnabfahrten. Ikea rechnet damit, dass 30 Prozent der Kunden ohne Auto kommen. „Wir schaffen 300 Fahrrad-Stellplätze“, betont Schaffelder.

Schwierig ist für Ikea, dass am „idealen Standort“ das Grundstück relativ klein ist. Deshalb wird es auch zu 80 Prozent überbaut, und man schafft auf den drei Oberdecks 1 300 Parkplätze. „Das bedeutet sehr teures Bauen, was dem Grundstück geschuldet ist“, meint Ferber. „Die perfekte Anbindung rechtfertigt die Mehrinvestition“, sagt der Ikea-Manager.

Blau-Weiß für Karlsruhe

Zwei zusätzliche Millionen Euro steckt Ikea in die Karlsruher Spezialfassade der Filiale. Mittels Architektenwettbewerb verdrängt ein „weißes Kleid“ auf blauem Grund das sonst Ikea-typische Blau-Gelb der Schweden.

Ikea Karlsruhe wird 35 Meter hoch, mit einer Glasfront am Eingang von der Ecke Durlacher Allee/Weinweg. Blau-Weiß wird also Ikea Karlsruhe und das soll nichts mit dem KSC zu tun haben. Dazu prangt in sattem Gelb das Ikea-Logo.