Seehund Felix ist ein Wonneproppen. Er kam während der ersten Karlsruher "Zoo-Nacht" vor Publikum zur Welt. | Foto: Markus Zindl

Flaschenkind und Wonneproppen

Im Zoo Karlsruhe gibt es viele muntere Tierbabys

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Viele Tierbabys gibt es derzeit im Zoo Karlsruhe zu entdecken: In so manchem der Gehege wachsen Jungtiere heran, werden von ihren Müttern gesäugt oder auf andere Art gepäppelt.  Und vom Publikum verzückt beobachtet  – die Tierkinder haben unter den Zoobesuchern eine große Fangemeinde.

 

Fläschchen für drei kleine Kropfgazellen

Volker Rapp muss seine Schützlinge nicht lange bitten. Sobald der Tierpfleger ins Gehege der Kropfgazellen kommt, flitzen Fips, Feh und Finja herbei und umringen ihn schwanzwedelnd. Die drei sind noch Flaschenkinder. Finja ist die Jüngste des munteren Trios und kann sich am wenigsten durchsetzen – daher zieht sie meistens den Kürzeren. So auch diesmal: Während Fips und Feh zügig trinken, muss sie sich gedulden. Um sich dann, als sie endlich an der Reihe ist, ihre Milchportion ebenso flott einzuverleiben. Womit Rapp nach wenigen Minuten weiter zu den Roten Pandas kann. Das war vor ein paar Wochen noch ganz anders: Alle zwei Stunden brauchten die kleinen Kropfgazellen anfangs das Fläschchen, auch nachts.

Handaufzucht will gut überlegt sein

Ein Grund mehr, warum Handaufzuchten gut überlegt sein wollen, so Zoo-Pressesprecher Timo Deible. Zudem werden die Tiere sehr auf Menschen geprägt. Was bei den Kropfgazellen im Karlsruher Zoo bislang aber noch kein Problem gewesen sei. Und nun schon gar nicht mehr: Schließlich sind Fips und Feh demnächst entwöhnt, während Finja aktuell noch zwei Fläschchen pro Tag benötigt.
Sechs weitere kleine Kropfgazellen werden von ihren Müttern versorgt – der Zuchtbock, der im Herbst von der Gruppe im Tierpark Oberwald zu den Damen durfte, hat ganze Arbeit geleistet. Und kräftig zum Erhalt der Art beigetragen, die vom Karlsruher Zoo europaweit gemanagt wird.

Seehund Felix ist der Star

Tierbabys gibt es nicht nur bei den Kropfgazellen, Die Stars der Zoobesucher sind im Lebensraum Wasser zu sehen: Seehund Felix flogen schon bei seiner Geburt am ersten Juliwochenende die Herzen zu – schließlich erblickte der Wonneproppen beim ersten „Nacht-Zoo“ vor Publikum das Licht der Welt. Und das Seelöwenkind im Gehege nebenan machte in seinen ersten vier Lebenswochen mit seinem herzzerreißenden Blöcken auf sich aufmerksam, ehe es Mitte Juli zum ersten Mal nach draußen durfte (die BNN berichteten). Inzwischen schraubt es sich ebenso flott wie die anderen Seelöwen durchs Wasserbecken, aufmerksam beäugt von seiner Mutter Chicca, die sich rührend um ihr Kleines kümmert.

Drei kleine Alpakas

Zum zweiten Mal Nachwuchs gab es bei den Alpakas, und Jungtier Nummer drei wird in ein paar Wochen erwartet, so Deible. „Die Mütter werden immer kurz nach der Geburt wieder gedeckt, daher sind die Termin leicht auszurechnen“, erklärt er. Bei Püppis Tochter Flora, die am 23. Juli zur Welt kam, hat sich Hengst Joscha mit seiner braunen Fellfarbe wieder einmal durchgesetzt, während die vier Wochen ältere Fina das helle Gesicht ihrer Mutter Ettenia geerbt hat. Nicht geklappt hat es bei ihren Nachbarn mit dem Nachwuchs: Shetlandpony Eibe, die vom „Kleinen Onkel“ gedeckt worden war, hatte eine Fehlgeburt.

 

Ersatz-Küken

Mehr Glück hatten die Kugelgürteltiere Lilli und Eco im Exotenhaus: Sie haben nun Ihr viertes Jungtier. Es hat noch ganz weiche Haut und geschlossene Augen. Höchst aggressiv und notfalls auch mit einem kräftigen Schnabelhieb machen die Sarus-Kraniche klar, dass niemand ihrem Kleinen zu nahe kommen darf – und sei es nur mit einer Kamera am Zaun. Noch ein bisschen tollpatschig ist das Küken auf der Spur seiner Eltern unterwegs. Mit der gleichen Konsequenz, mit der sich die Altvögel um dieses Kind kümmern, ignorierten sie sein Geschwisterchen. „Das zweite Ei wird als Ersatz betrachtet, wenn das erste Küken nicht durchkommt“, erklärt Rapp. Kranich-Küken Nummer zwei versorgt er daher in einem Aufzucht-Gehege, ebenso wie zwei Chile-Flamingo-Küken, deren Eier im Brutschrank heranreiften. Anders als das Kranich-Küken werden die jungen Flamingos aber zur Gruppe kommen, wenn sie aus dem Gröbsten raus sind.

Halbstarke Affenjunge

Prächtig in der Obhut ihrer Eltern gedeihen die beiden kleinen Zwergflamingos sowie zwei junge Humboldt-Pinguine, berichtet Deible. Bereits flügge sind im Exotenhaus je zwei kleine Loris und Rotbauchsittiche. Letztere teilen sich das Gehege mit den Zwergseidenäffchen, die nach drei Zwillingsgeburten zur Großfamilie mutierten. Auch die Kattas ziehen zwei Junge groß, und bei den Rotscheitelmangaben geht es richtig rund: Schließlich haben es die Eltern mit einem ein- und einem zweijährigen Halbstarken zu tun.
Schon ganz eigene Wege gehen die drei jungen Kängurus. Längst sind sie dem Beutel entwachsen und optisch kaum noch von ihren Eltern zu unterscheiden. Prächtig entwickelt haben sich auch die Luchsmädchen Emily und Eva, die im Vorjahr zur Welt kamen und noch eine Weile in Karlsruhe bleiben können. Kater Karlchen hat ein Implantat, so dass er seine Töchter nicht decken kann.

Kinderstube Oberwald

Und auch in der Zoo-Dependance im Tierpark Oberwald kann man Jungtiere entdecken: Bei Gämsen und Wisenten beispielsweise. „Xanika“ heißt die Tochter von „Xarbara“ – alle Karlsruher Wisent-Nachzuchten müssen einen Namen mit „X“ erhalten, so die Vorschrift. Die Pforzheimer Linie ist an den Namen mit „Pf“ erkennbar – aus Xanikas Vater „Pfarrer“ stammt. Wer ganz genau hinschaut, kann im Oberwald noch ein besonderes Tier erkennen: Unter den vielen Jungen der Hirschziegen-Antilopen ist eines mit fast weißem Fell. Das sich, so Deible, im Laufe seines Lebens aber noch verändern werde. „Ein Albino ist es nicht“, stellt er klar.