Karlsruher Leitungswasser sollte viel öfter in die Flasche – statt abgefüllte Glas- oder Plastikflaschen zu kaufen. Dafür wirbt das Projekt „Wasserwende“.
Karlsruher Leitungswasser sollte viel öfter in die Flasche – statt abgefüllte Glas- oder Plastikflaschen zu kaufen. Dafür wirbt das Projekt „Wasserwende“. | Foto: jodo

Aktion gegen „Flaschenwasser“

Projekt Wasserwende in Karlsruhe: Leitungswasser trinken für weniger Plastik- und Glasmüll

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Ein Glas – 0,4 Liter. So viel Leitungswasser trinken Karlsruher laut den Stadtwerken im Schnitt pro Tag. Den übrigen Bedarf decken sie fast ausschließlich über in Glas- oder Plastikflaschen abgefüllte Getränke. Seit den 1970er Jahren hat sich der Verbrauch von Flaschenwasser deutschlandweit mehr als verzehnfacht. Das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „Wasserwende“ hat diesem Trend nun den Kampf angesagt. Projektpartner sind die Stadtwerke Karlsruhe mit der Innenstadt-Ost und der Oststadt.

„Wir wollen die Karlsruher in ihrem Vertrauen auf die Qualität unseres Leitungswassers stärken“, sagt Matthias Maier, Leiter der Trinkwasserversorgung bei den Stadtwerken. Noch größer denkt man beim Berliner Verein „a tip: tap“ (Englisch: „Ein Tipp: Leitungswasser“), der das Projekt betreut. „Wir wollen gemeinsam eine größere politische Kraft aktivieren“, sagt die Verantwortliche Maria Kondra. „Und eine Gewohnheitsänderung beschleunigen und unterstützen“, ergänzt ihre Kollegin Eva Wendeberg. Das KIT/Quartier Zukunft und das Umweltamt der Stadt sind bei dem Projekt ebenso mit im Boot.

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Viele gute Argumente

Gemeinsam wollen die Partner bei den rund 20 000 Einwohnern des Gebiets Werbung für Leitungswasser machen. Zu Beginn des auf drei Jahre angesetzten Projekts ist vieles noch in der Planung, Konkretes gibt es wenig. Das definierte Ziel aber ist klar: Das Image von Hahnenwasser soll besser werden. Dabei verweist der Verein sowohl auf finanzielle und gesundheitliche als auch auf ökologische Aspekte.

Einsparung im Umfang einer Autofahrt von 1200 Kilometern

Leitungswasser sei günstig, bestens kontrolliert, überall verfügbar und gesund. Ängste und Vorurteile vor allem bezüglich der Inhaltsstoffe seien unbegründet – darüber sollen unter anderem Flyer mit wissenschaftlichen Fakten und 50 Wassertests direkt vor Ort aufklären. Wer auf Flaschenwasser verzichte, tue außerdem etwas für den Umweltschutz und seine CO2-Bilanz. Aufs Jahr gerechnet entspreche die Einsparung dem Verbrauch einer Autofahrt über 1 200 Kilometer, so die Stadtwerke.

Über 40 öffentliche Brunnen vorhanden

Vier Bausteine wollen die Projektpartner in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, viele davon hat der Verein „a tip: tap“ in den letzten Jahren im Berliner Mariannenkiez entwickelt: Mit Veranstaltungen und Aktionen möchten sie die Menschen direkt erreichen, informieren und eine positive Grundstimmung erzeugen. Unternehmen und Verwaltungen werden gezielt angesprochen und beraten.

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In Schulen und Kindergärten sind Infotage geplant, um bei der jungen Generation anzusetzen. Und zu guter Letzt soll sich die Verfügbarkeit von kostenfreiem Trinkwasser im öffentlichen Raum verbessern. Hier sehen sich die Stadtwerke mit gut 40 öffentlichen Brunnen schon gut aufgestellt. Gespräche über einen Ausbau des Angebots laufen. „Da ist allerdings die Stadt federführend“, sagt Maier.

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