Die Kita „Weltenbummler“ gegenüber der Pestalozzi-Schule in Durlach ist Teil des Bildungs- und Betreuungsangebots für Vorschulkinder.
Die Kita „Weltenbummler“ gegenüber der Pestalozzi-Schule in Durlach ist Teil des Bildungs- und Betreuungsangebots für Vorschulkinder. | Foto: Joerg Doenecker

Bester Betreuungsschlüssel

In Karlsruhe fehlen weit über tausend Kita-Plätze

Anzeige

Statt vier Klingelschildern hängt ein fantasievoller Wegweiser aus Holz an dem alten Wohnhaus gegenüber der Pestalozzi-Schule in Durlach. Für 40 Familien mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren ist die neue Kindertagesstätte „Weltenbummler“ jetzt tägliches Ziel.

Drei Etagen, Holzböden, ein Hochkant-Gestell für viele bunte Stiefelchen im Treppenhaus: Die Umnutzung war „rekordverdächtig“ schwierig, sagt ProLiberis-Geschäftsführer Peer Giemsch. Die dritte Kindertagesstätte dieses Trägers in Durlach ist seine 25. im Raum Karlsruhe.

Stadt Karlsruhe baut Betreuungsangebot seit über zehn Jahren aus

Das um- und ausgebaute Haus der „Weltenbummler“ in Sichtweite der größten Grundschule Durlachs trägt zu dem Eindruck bei, dass Kindertagesstätten in Karlsruhe wie Pilze aus dem Boden schießen. Tatsächlich baut Karlsruhe seit mehr als zehn Jahren das Betreuungsangebot für die Jüngsten intensiv aus. Die erste Stufe mit 2.000 Plätzen für kleine Mädchen und Jungem ging 2017 nahtlos in die zweite Phase über. Der Plan „Kita-Ausbau 2017 bis 2027“ ist schon veraltet: In den vergangenen 24 Monaten entstanden schon wieder 400 Betreuungsplätze. Die Chefin des neuen Fachbereichs Kitas und Horte, Elke König, sitzt nun am Masterplan Kita 2030.

Mehr zum Thema: Zwölf Kündigungen in Acherner Kita – Stadt bemüht sich um Schadensbegrenzung

Das Tempo des Anfangs werde beibehalten, verspricht Sozialdezernent Martin Lenz. 23 Projekte begleitet Elke König aktuell. Zwei bis drei Jahre verstreichen in der Regel von der Idee bis zur Eröffnung, berichtet sie. Zusätzlich hat sie sechs weitere Vorhaben im Blick. Darunter ist die Kindertagesstätte, die im Oberen Säuterich am Rand von Durlach-Aue vorgesehen ist. Erst wenn Anzahl der Plätze und Start-Datum festgelegt sind, wandert ein Projekt in die Liste. Die weist daher ziemlich verlässlich aus, dass in der Stadt bis Silvester 2020 weitere 200 Betreuungsplätze dazukommen, je zur Hälfte für Vorschulkinder im Alter unter und über drei Jahren.

Auch interessant: Was beim Kinderturnen alles schief laufen kann

Karlsruhe schneidet im bundesweiten Vergleich gut ab

Die Herkulesaufgabe habe kein Ende, erklärt Lenz. Denn die Nachfrage steige und steige. Das lässt auch den Rückschluss zu, dass beim intensiven Ausbau des Angebots aus Sicht der Eltern auch die Qualität der Betreuung stimmt. Der Sozialbürgermeister verweist auf die Bertelsmann-Stiftung, die Karlsruhe jüngst den bundesweit besten Betreuungsschlüssel attestierte: Nirgends in Deutschland kümmern sich, statistisch gesehen, mehr Erwachsene um ein Kind als in Karlsruhes Kitas.

Im Rathaus tauschen Stadtentwickler, Statistiker und Sozialplaner Zahlen aus. Davon träumen andere Kommunen nur. Karlsruhe kennt den gegenwärtigen Bedarf an Kinderbetreuung und schätzt den künftigen Bedarf realistisch ab. Der Überblick von Oktober 2019 weist knapp 17.000 Vorschulkinder aus, rund 8.000 davon waren im Herbst noch keine drei Jahre alt. Für diese Jüngsten wird das Elterninteresse an einem Kita-Platz aktuell bei 46 Prozent angesetzt. Ab dem dritten Geburtstag ist ein Platz für jedes Kind das Maß der Dinge.

Auch interessant: In diesem Café in Karlsruhe sind stillende Mütter unerwünscht

Trotz Bemühungen sind Kita-Plätze in einigen Stadtteilen knapp

Auf dieser Grundlage errechnen die Sozialplaner im Rathaus, dass stadtweit schon jetzt 1.140 Plätze fehlen, ziemlich genau zur Hälfte für im Alter unter und über drei Jahren. Zusätzlich ins Kalkül ziehen die Fachleute geplante Baugebiete, den erwartbaren Zuzug und die demografische Entwicklung.

Durlach gehört zu den 16 Stadtteilen, in denen Betreuungsplätze für Kinder teils deutlich zu knapp sind. In der Südweststadt fehlen fast 400 Plätze. Mangel herrscht auch in der Südstadt und der Weststadt, wo 345 sowie 322 Plätze zu wenig existieren. In Mühlburg, Durlach und Oberreut zusammen sind fast 400 zusätzliche Plätze nötig. Gut abgedeckt ist der Bedarf in elf der 27 Karlsruher Stadtteile: Besonders in der Innenstadt und der Oststadt.