Frisch soll’s sein: Dafür sorgt die Software von Blue Yonder auch in vielen Supermärkten. 2008 in Karlsruhe gegründet, ist Blue Yonder mittlerweile Namensgeber für einen weltweit agierenden US-Konzern. In Karlsruhe wird weiter geforscht.
Frisch soll’s sein: Dafür sorgt die Software von Blue Yonder auch in vielen Supermärkten. 2008 in Karlsruhe gegründet, ist Blue Yonder mittlerweile Namensgeber für einen weltweit agierenden US-Konzern. In Karlsruhe wird weiter geforscht. | Foto: dpa

Mittlerweile Weltkonzern

In Karlsruhe gegründet: Software der Firma Blue Yonder sorgt immer für volle Supermarktregale

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Wenn ein Fußball-WM-Endspiel ansteht, werden mehr Chips gefuttert. In einem Hitzesommer kaufen die Kunden mehr Mineralwasser und das Obst in den Regalen der Supermärkte verdirbt schneller. Blue Yonder bezieht solche Aspekte mit ein. Der Filialleiter eines SB-Warenhauses mit 80.000 Artikeln könnte trotz all seiner Erfahrung wohl nie mit den Wahrscheinlichkeits-Pognosen von Blue Yonder mithalten.

Der Warenbestand wird dank Blue Yonder optimiert, damit der Pfirsich nicht schimmelt und das T-Shirt nicht zum Ladenhüter wird. Blue Yonder-Software kann sogar den besten erzielbaren Preis berechnen.

Name Blue Yonder mag täuschen – Firma stammt aus Karlsruhe

Der englische Firmennamen mag täuschen, denn gegründet wurde Blue Yonder 2008 in Karlsruhe vom früheren Cern-Forscher Michael Feindt und dem Hamburger Otto-Konzern. Im Sommer 2018 wechselte die Blue Yonder GmbH zur US-amerikanischen JDA Software Inc. Die weiß, dass Blue Yonder die überzeugendere Marke ist und hat in diesem Jahr den kompletten Konzern zur Blue Yonder Inc. umfirmiert.

Kunden wie Coca-Cola, Mercedes-Benz und Starbucks

Der Konzern hat zuletzt gut eine Milliarde US-Dollar erlöst. Über 4.000 Kunden wie Mercedes-Benz, Coca-Cola, Starbucks, Unilever, PepsiCo und 5.300 Mitarbeiter, verteilt auf Tochterunternehmen in aller Welt – Blue Yonder hat dieses kleine Wunder geschafft.

Blue Yonder in Baden bleibt technologisch wichtig, auch wenn der Standort auf der Liste des Konzerns mit Sitz in Scottsdale (Arizona) gesucht werden muss. Entwicklungszentren gibt es zudem in Großbritannien, in den USA, in Indien und in Mexiko.

Michael Feindt Gründer von Blue Yonder
Michael Feindt, Gründer von Blue Yonder. | Foto: Andrea Fabry

„Karlsruhe ist einer der Forschungs- und Entwicklungsstandorte von Blue Yonder“, sagt ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage dieser Redaktion. Dort werde schwerpunktmäßig an Anwendungen rund um künstliche Intelligenz und an dem sogenannten Machine Learning gearbeitet.

Gründer Michael Feindt ist im Konzern weiterhin als Chef-Wissenschaftler tätig. Er leitet die Teams, die die Algorithmen von Blue Yonder entwickeln. Uwe Weiss, früher Geschäftsführer der Karlsruher GmbH, ist im heutigen Blue Yonder-Konzern Vorstandsmitglied. Er verantwortet dort das Machine Learning.

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Zu GmbH-Zeiten hatte Blue Yonder vor allem Handelsunternehmen – darunter beispielsweise Kaufland und dm – als Kunden. Durch die Übernahme kamen produzierende Unternehmen und Logistiker dazu. In Karlsruhe arbeiten nach Angaben von Blue Yonder über 100 Mitarbeiter.

Panasonic steigt mit 20 Prozent ein

In einer anderen Liga spielt Blue Yonder mittlerweile auch, was die Investoren angeht: Mehrheitsaktionäre sind die Beteiligungsgesellschaften New Mountain Capital und Blackstone. Jetzt ist ein weiterer bekannter Name dazu gekommen: Der japanische Panasonic-Konzern ist mit einer Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent eingestiegen.