Die Karlsruher Forschungsfabrik wird gerade im Stadtteil Rintheim gebaut. Teil davon soll die „Agile Batterieproduktion“ werden.
Die Karlsruher Forschungsfabrik wird gerade im Stadtteil Rintheim gebaut. Teil davon soll die „Agile Batterieproduktion“ werden. | Foto: KIT/Heinle, Wischer und Partner

KIT-Forschungsprojekt

In Karlsruhe-Rintheim sollen die Batterien der Zukunft entstehen

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Nach der umstrittenen Standortentscheidung für eine Batterieforschungsfabrik in Münster statt in Ulm kommen nun gute Nachrichten für Baden-Württemberg aus Berlin. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will 14 Millionen Euro in ein weiteres Batterieforschungsprojekt stecken – und zwar am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Voraussetzung für die Bundesförderung ist, dass sich das Land mit weiteren 4,5 Millionen Euro an den Gesamtkosten beteiligt. Dafür gab das Stuttgarter Kabinett grünes Licht, wie ein Sprecher des Landeswissenschaftsministeriums bestätigte. Allerdings müsse noch der Finanzausschuss des Landtags zustimmen.

„AgiloBat“ nennt sich das Projekt, das bereits fertig vorbereitet ist. Es geht um eine flexiblere Produktion von Batteriezellen, um auch kleine Stückzahlen und ungewöhnlichere Formate herstellen zu können. Die modulare Fertigungsanlage soll ein Bestandteil der „Karlsruher Forschungsfabrik“ sein, die auf dem KITCampus Ost im Stadtteil Rintheim entsteht.

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Industrie ist mit an Bord

Die Federführung übernimmt das wbk Institut des KIT. Neben wissenschaftlichen Partnern wie dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal und dem Ulmer Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung sind auch hochkarätige Industrieunternehmen wie Bosch, Siemens, der Automobilzulieferer Schaeffler und der Batteriehersteller Varta mit an Bord.

Sie unterstützen die Karlsruher Forschungsanlage mit zusätzlich mindestens einer Million Euro. Auch der Bruchsaler Flugtaxi-Pionier Volocopter zählt zu den Partnerfirmen.

Das Ziel des Projekts wird einer Kabinettsvorlage der Landesregierung beschrieben. Die bisher in standardisierten Formen hergestellten Batteriezellen seien in ihren Anwendungsmöglichkeiten begrenzt, heißt es darin. „Freie, verwinkelte Bauräume zum Beispiel im Automobil oder in Werkzeugen können aber genutzt und damit die gespeicherte Energie erhöht werden.“

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Das Vorhaben „Agile Batterieproduktion“ (AgiloBat) ziele darauf ab, „mit einem agilen und skalierbaren Produktionssystem die Flexibilität in den Zellformaten und in der Batterietechnologie zu ermöglichen“. Flexibilität und Skalierbarkeit der Produktion böten Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit einer Batterieproduktion in Deutschland, schreibt die Landesregierung.

Landesregierung drückt aufs Tempo

In der Vorlage wird betont, dass das Karlsruher Projekt bereits vor der Bewerbung Baden-Württembergs um die Batteriezellen-Forschungsfabrik in Ulm vorbereitet wurde. Nach der Standortentscheidung des Bundesforschungsministeriums für Münster „konnte sich AgiloBat im Wettbewerb um zusätzliche Mittel für die Batterieforschung gegenüber Konzepten aus anderen Ländern behaupten“, heißt es darin.

Und die Landesregierung mahnt zu Tempo: Im Zuge des Aufbaus der Fabrik in Münster werde „es einen Wettbewerb um qualifiziertes Personal an den Forschungseinrichtungen geben“. Das Vorhaben AgiloBat sollte deshalb „zügig mit zeitlichen Vorlauf“ auf den Weg gebracht werden. „Es ist von strategischer Bedeutung, Baden-Württemberg als Hotspot für Batterieforschung und die industrielle Anwendung zu positionieren.“

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Dass die deutlich größere Batterieforschungsfabrik nach Münster (Nordrhein-Westfalen) kommen soll, hatte das Bundesforschungsministerium im Juni entschieden. Mit 500 Millionen Euro fördert der Bund dieses Projekt.

Kritik an der Entscheidung kommt vor allem aus Baden-Württemberg. Denn am unterlegenen Standort Ulm wird schon seit Jahren an der Entwicklung leistungsstarker Batterien für Elektrofahrzeuge geforscht – auch mit Bezug nach Karlsruhe: Das KIT hat dort in Kooperation mit der Universität Ulm das Helmholtz-Institut-Ulm für elektrochemische Energiespeicherung gegründet.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) kommt aus der Nähe von Münster, behauptet aber, dass sie auf die Standortwahl keinerlei Einfluss genommen habe. Der Bundesrechnungshof prüft nun das Vergabeverfahren.