Sonnensitich-Küken
Erfolgreich nachgezüchtet hat der Karlsruher Zoo die bedrohten Sonnensittiche. Diese kleinen Kerlchen päppelte der Zoochef von Hand auf. | Foto: Deible

Promi-Ara ist ein Botschafter

In Rosalindas Windschatten landen viele Papageien im Zoo Karlsruhe

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Er hat Runzeln, eine nackte Brust und oft eine Schonhaltung, da ihn die Arthrose plagt. Ein Nickerchen gönnt er sich tagsüber auch schon einmal – schließlich ist er ein Methusalem. Und doch schart er stets eine größere Fangemeinde um sich: „Rosalinda“ ist der Superstar im Zoo. Der alternde Filmstar, der als Dreijähriger in „Pippi in Taka-Tuka-Land“ mitwirkte und eigentlich den Namen „Douglas“ trägt, ist ein Glücksfall für den Tiergarten. „Er ist der perfekte Botschafter für die ganze Familie der Papageien – der Vogelfamilie mit den meisten bedrohten Arten“, sagt Zoochef Matthias Reinschmidt.

Rosalinda
Ein grandioser Botschafter seiner Art ist der Karlsruher Promi-Ara Douglas alias „Rosalinda“ | Foto: dpa

Mehr als 60 Aras angeboten

Im Windschatten des Superstars fliegen zudem viele Artgenossen in Karlsruhe ein. So kommt Douglas nicht nur zu seiner Gefährtin Rubin – mehr als 60 Aras aus Privathaltungen werden dem Karlsruher Zoo infolge der intensiven Berichterstattung über „Rosalinda“ angeboten. „Das wirkt bis heute nach“, sagt Reinschmidt. Der freilich nur Vögel aufnimmt, die ins Konzept passen und die er gut unterbringen kann.

Ein „Hallo“ von Coco und Co

Notfalls mit kreativen Lösungen: So wird nach dem Abbruch des maroden Südamerika-Hauses aus den Bauteilen der Krallenäffchen-Anlage eine Ara-Voliere. Die wird neben dem Exotenhaus aufgebaut, beherbergt Gelbbrust- und Hyazinth-Aras sowie die nächste Generation Hellroter Aras: Zwei junge Männchen, die Douglas in hoffentlich noch nicht so naher Zukunft beerben werden. Eher klein und eine Übergangslösung ist die provisorische Voliere – und doch stets von Publikum frequentiert. Was sicher auch damit zusammenhängt, dass die Aras ihrer Herkunft wegen recht zahm sind und dem Besucher jenseits des Gitters schon einmal ein „Hallo“ entgegenschmettern. An Menschen gewöhnt, interagieren Coco, Cocolina und Konsorten mit ihren Fans. Vorsicht ist aber dennoch geboten: Ihre Schnäbel sind messerscharf, der Hyazinth-Ara etwa knackt auch locker Paranüsse.

Unverzichtbar für jeden Zoo

„Es gibt 400 Arten Papageien, aber der Ara ist der, den die Menschen vor Augen haben“, erklärt Matthias Reinschmidt. Als „Sinnbild für einen Papageien“, hält er die Aras für unverzichtbar in jedem Zoo. Mit ihrer Größe und ihrer Farbenpracht beeindruckten die Vögel. „Da es so viele verschiedenfarbige gibt, kann man eine hochattraktive, bunte Schar zusammenstellen“. Langfristig kann er sich die Großpapageien, in Kombination mit anderen Vögeln Südamerikas, im heutigen Freigehege der Schimpansen vorstellen. Wo sie dann auch richtig ihre Flügel ausbreiten und abheben könnten.

Ara-Voliere
Verschiedene Ara-Arten teilen sich die Voliere beim Exotenhaus. | Foto: Jock

Start mit Leihgaben

Aras sind auch die ersten Papageien, die Matthias Reinschmidt als neuer Zoodirektor 2015 nach Karlsruhe holt. In die damals ungenutzten, nun abgebrochenen Volieren beim Südamerika-Haus setzt er über die Sommermonate auf Leihgaben seiner Vogelfreunde. Im nächsten Jahr ist die Voliere dann schon von eigenen Aras bewohnt – mit Superstar Douglas und seiner inzwischen gestorbenen Partnerin Goyan als Erstmietern.

Vielfältige Lori-Gruppe

Bis dato waren Papageien nur durch die Grauköpfchen und die Sonnensittiche im neu eröffneten Exotenhaus im Karlsruher Zoo vertreten. Dort fliegen dann alsbald Loris durch die große Halle – gegen vier Kattas eingetauscht mit dem Loro Parque, wo Matthias Reinschmidt zuvor 15 Jahre lang für die größte Papageien-Kollektion der Welt verantwortlich war. Mit sechs Arten Loris, die inzwischen das einstige Domizil der Sonnensittiche im Exotenhaus bewohnen, hat der Karlsruher Zoo nun eine der vielfältigsten Gruppen. Die Sonnensittiche, die mit ihrem schrillen, mehrsilbigen Geschrei das Exotenhaus beherrschten, haben eine neue Bleibe im Affenhaus bekommen. Und sich schon fleißig vermehrt. Die Zuchterfolge sind ein Beitrag zum Arterhalt: Seit 2008 gelten die Sonnensittiche als bedroht und stehen auf der „roten Liste“.

Zuchterfolge mit Sonnensittichen

Etwa 5 000 Exemplare gibt es wohl noch im tropischen Südamerika, vor allem im Norden Brasiliens, aber auch in Guyana und Venezuela. „Der Vogelhandel hat zu ihrer Reduktion beigetragen“, weiß Papageienexperte Reinschmidt. Schließlich sind die knapp 30 Zentimeter großen Sittiche farbenprächtige Schönheiten. Schwer vorstellbar ist dies, wenn man sie als rosafarbene nackte Küken sieht – ein Anblick, den der Zoo dem Interessierten über verschiedene Medien ermöglicht. Und so für die Belange der Vögel Verständnis weckt. Inzwischen sprießen die Federchen, und die kleinen Kerlchen werden ihren Eltern immer ähnlicher.

Hilfe für den  Orangehauben-Kakadu

Bergaras, Dunkelrote Aras, Graupapageien und Gofin-Kakadus kommen wie Coco und Co von Privathaltern. Aus anderen Zoos übernimmt Reinschmidt Gold-, Rotbauch- und Salvatori-Weißbauchsittiche, deren Population im Freiland extrem dezimiert wurde. Auch ein Pärchen Tucuman-Amazonen aus einer Auffang-Station für beschlagnahmte Tiere landet im Karlsruher Zoo – die Papageienart, der der Zoochef einst seine Diplomarbeit widmete. Die Amazonen fühlen sich sichtlich wohl: Sie setzen sofort Nachwuchs in die Welt. Für die hochbedrohten Orangehauben-Kakadus, 2017 in Karlsruhe von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz zum „Zootier des Jahres“ gekürt, wird im Karlsruher Tiergarten eine Zuchtstation eingerichtet. Wird es für die Art im Freiland noch enger, kann die genetische Reserve in Zoos für ihr Überleben entscheidend sein.

25 Arten, Tendenz: steigend

Eine weitere Kakadu-Art kommt mit der Eröffnung der Australien-Anlage: Neben den stimmgewaltigen Kookaburras und den Maskenkiebitzen zieht ein Pärchen Inka-Kakadus ein. Mit ihrer quergebänderten bunten Federhaube zählen sie zu den schönsten Papageien weltweit. Schild-Sittiche und Rotnacken-Loris komplettieren als weitere Vertreter Australiens die WG – und erhöhen die Zahl der Papageienarten in Karlsruhe weiter. 25 sind es inzwischen. Tendenz: weiterhin steigend, wenn auch nicht mehr so rasant wie gleich nach „Rosalindas“ Ankunft.

Ich stehe für Papageien

Dass Papageien inzwischen ein Markenzeichen des Karlsruher Zoos sind und auch künftig sein werden, daran lässt Matthias Reinschmidt keinen Zweifel: „Schließlich stehe ich für Papageien – das muss man im Zoo auch sehen“, sagt er. „So lange ich hier Zoodirektor bin, gehören sie unweigerlich dazu.“