Sperre
Das Provisorium verschwindet: Im Zirkel wird voraussichtlich ab Juli ein neuartiger, smarter Poller getestet. Er ist nicht nur versenkbar, sondern soll weitere, bisher weltweit einzigartige Fähigkeiten zur Erkennung von Fahrzeugen haben. | Foto: jodo

Testphase ab Juli 2020

Innovativer Poller hält Karlsruher Radlern am Zirkel die Bahn frei

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Als schnelle Strecke für Radfahrer in der City hat der Zirkel eine Sonderstellung. Nun wird die Barriere in der Mitte Dauerzustand, die seit einem knappen Jahr Autofahrer daran hindert, ganz durch den Zirkel zu rollen.

Zwei statische und ein versenkbarer smarter Poller, wie ihn Stadt und Energieversorger EnBW als Weltneuheit bereits im Passagehof erproben, sollen das Provisorium an der zentralen Stadtachse zwischen Schloss und Marktplatz voraussichtlich ab Juli 2020 ersetzen.

Auf dem Platz der Grundrechte stoppt eine Mutter aus der Nordstadt mit ihrem Jungen. Beide schieben ihre Fahrräder über den Zirkel auf die sprudelnden Wasserdüsen und die Pyramide zu. „Ich finde die Sperre gut“, sagt die Frau. „Warum sollen hier Autos durchfahren?“

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Radfahrer und Fußgänger sehen Sperre positiv

Ein Angestellter macht mit Zigarette am Zirkel Pause. „So ist es unbedingt besser“, findet er. Als Fußgänger müsse er zwar beim Überqueren gut aufpassen, weil Radfahrer nun schneller im Zirkel unterwegs seien. „Aber es ist viel ruhiger geworden“, stellt er fest.


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Gerhard Stritzke aus Mühlburg erinnert an die Zeit ohne Sperre: „Da war der Zirkel eigentlich nur für Anlieger offen – nur hielt sich niemand dran.“ Wie Stritzke findet es auch Martin Fehrenbach aus der Nordstadt wichtig, die Zahl der Autos auf dieser Straße im Herzen der Innenstadt zu reduzieren. „Man sollte auch die Parkhäuser am Zirkel schließen“, fordert Fehrenbach.

Auch das Parkplatzangebot am Rand locke Autofahrer in den Zirkel, beobachten beide Vielradler. „Obwohl das Parken da eingeschränkt ist, stellen viele ihr Auto einfach so ab“, moniert Stritzke. Die zwei BNN-Leser wünschen sich auch, dass die Durchfahrt optisch attraktiver gebaut ist. „Blumenkübel und Grün“ schlägt Fehrenbach vor. Der gekrümmte Zirkel wirke ja „eher düster“.

Autofreie City – von mir aus, aber reinkommen muss man.

Roman Dörflinger, Rad fahrender Maschinenbaustudent aus der City

An den Aushangkästen der BNN schwingt sich Roman Dörflinger aufs Rad. Der Maschinenbaustudent wohnt in der City und hat zurzeit keinen eigenen Wagen. Dass der Zirkel in der Mitte für Autos dicht ist, begrüßt der 27-Jährige. Mehr ginge ihm zu weit: „Autofreie City – von mir aus, aber reinkommen muss man“, sagt er. „Es muss Lösungen geben.“

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Versenkbare Poller sind neu in Karlsruhe

Versenkbare Poller sind für Karlsruhe neu. Baden-Baden hat etwa die Fahrradstraße in der Lichtentaler Allee mit versenkbaren Pollern bestückt. Busse und Taxis haben per Fernbedienung freie Fahrt. Dies gilt als Plus beweglicher Poller.

Poller
Beispiel Baden-Baden: An der Lichtentaler Allee sind versenkbare Poller für die Fahrradstraße installiert. Allerdings können sich Autos vorbeischieben. | Foto: Kamleitner

Im Passagehof sollen auch Anwohner freie Bahn haben, sogar ohne Fernbedienung, Funkchip, Funksender, Schlüsseltaster, Kartenlesegerät oder Schleifenkontakt. Im Zirkel allerdings bleibt die Durchfahrt dann Rettungsdienst, Polizei und dem Tourist-Doppeldeckerbus vorbehalten, erklärt der Chef des Bürger- und Ordnungsamtes, Björn Weiße.

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Durlach hofft auf die innovative Lösung

Poller sind weit weniger aufwendig als häufige Kontrollen oder Videoüberwachung, die zudem Datenschutzfragen aufwirft. Die Anschaffung der beiden ersten smarten Poller wird für die Stadt aber kein nennenswerter Haushaltsposten. Grund ist eine Innovationspartnerschaft mit der EnBW.

Auf versenkbare Poller hofft auch der Durlacher Ortschaftsrat. Denn durch die Fußgängerzone zwischen Rathaus und Friedrichschule fahren ebenfalls häufig Autos, trotz Verbots. Dort liegen allerdings Straßenbahnschienen. Dass Karlsruhes neuartige Poller diesen erhöhten Anforderungen genügen, muss die Stadt erst beweisen.