Er wuchs in Durlach auf und ist inzwischen als Filmemacher in Hamburg zu Hause: Philipp Hartmann. Im Begleitprogramm der Ausstellung "Durlach flimmert" wird sein Langfilm "66 Kinos" am 31. Oktober um 20 Uhr in der Karlsburg gezeigt. Und Hartmann ist dabei, wenn seine Reise zur deutschen Kinolandschaft zu sehen ist. | Foto: Alejandra Rocabado Koya

Filmemacher Philipp Hartmann

Inspiration für die Zuschauer

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„Meinen ersten Film sah ich als Kind kurz vor der Schließung des Durlacher Kinos Skala 1980. Es war der Zeichentrickfilm ,Loch Ness’ als Vorfilm zum ,Dschungelbuch’“, erinnert sich Philipp Hartmann.  Im Jahr 2016 – er war inzwischen  selbst Filmregisseur – hielt er mit der Kamera den Abriss eben jenes  Kinogebäudes fest. Die Sequenzen fanden zwar keinen Eingang in seinen Streifen „66 Kinos“, einen  dokumentarischen Essay über deutsche Kinokultur. Aber nun sind sie in der Sonderausstellung des Pfinzgaumuseums „Durlach flimmert“ zu sehen. Ebenso wie Interviews mit Durlacher Bürgern über ihre Kinoerlebnisse.

Filmische Reise durch deutsche Kinolandschaft

Der 46-jährige Hartmann lebt inzwischen in Hamburg und ist viel auf Reisen. Die  Verbindungen in die alte Heimat, zur Mutter und zu vielen weiteren Menschen, blieb immer eng. Beispielsweise durch die Karlsruher Kurzfilmnacht in Durlach oder sein Engagement im Vorstand der Kinemathek. Zum Gespräch und zur Präsentation seines liebevollen Blicks auf jene „66 Kinos“ und ihre Macher kommt er am 31. Oktober um 20 Uhr in den Festsaal der Karlsburg. „Das Projekt entstand, als ich mit meinem ersten Langfilm ’Die Zeit vergeht  wie ein brüllender Löwe’ auf Tour war“, erzählt Hartmann. Diese persönliche Sicht auf die Zeit vertieft sich Schaltsekunden oder die Arbeit einer Sanduhrmacherin und lief bei zahlreichen Festivals.

„Möchte keine Botschaften verkünden“

Wie in seinen kürzeren Produktionen ist dem Regisseur an sanfter  Inspiration der Zuschauer gelegen. „Ich möchte ihnen Raum für eigene Ideen geben und keine Botschaften verkünden.“ Seine Firma heißt „flumenfilm“. „Denn das lateinische Wort flumen für Fluss ist mir seit dem Lateinunterricht am Markgrafengymnasium Durlach im Kopf hängen geblieben“, berichtet Hartmann. Er nimmt auch Auftragsproduktionen  an, um die eigenen Projekte mit seiner Handschrift zu ermöglichen. Auf einen ruhigen Bilder-Fluss führt er die Zuschauer.

Südamerikaexperte wurde Filmemacher

Bevor Hartmann seine „späte Leidenschaft für den Film“ entdeckte und sich in Hamburg künstlerisch ausbilden ließ, studierte er in Köln etwas ganz Anderes:  Regionalwissenschaften  Lateinamerikas. Er  schrieb eine volkswirtschaftliche Doktorarbeit über  Umweltpolitik in Brasilien und arbeitete  dort wie in Deutschland als wissenschaftlicher Spezialist. Kenntnisse der Länder des Südamerika wie  die Fremdsprachen Spanisch und Portugiesisch blieben danach wichtig. Sie fließen mit in Filmprojekte ein. Das aktuelle trägt derzeit den Arbeitstitel „Wünschelr(o)uten“ und dreht sich um Wasser. Der Freiberufler reist mit der Kamera nicht nur durch  Deutschlands Programmkinos,  sondern immer wieder zu den Menschen und Landschaften Südamerikas.

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Im Januar 1972 wurde Philipp Hartmann in Karlsruhe geboren. Seine Mutter hatte Germanistik studiert, sein verstorbener Vater war Professor für Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe. Hartmann wuchs mit zwei Geschwistern in Durlach auf. Er besuchte das Markgrafengymnasium, absolvierte Zivildienst, studierte Regionalwissenschaften Lateinamerika und war Wissenschaftler. Danach widmete er sich von Hamburg aus studierend und kreativ dem Film.  Er absolvierte 2004 bis 2007 das Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Die Ausstellung „Durlach flimmert“. Kino, Film und Vergnügen 1945 bis 1980 ist im Pfinzgaumuseum Karlsruhe, Karlsburg (Pfinztalstraße 9, Eingang B) bis 16. Dezember zu sehen. Geöffnet sonntags 11 bis 18 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr und mittwochs 10 bis 18 Uhr. Im Begleitprogramm kommt es am 10. Oktober zu einem Stadtrundgang auf den Spuren der einstigen Durlacher Kinos. Beginn 16 Uhr Karlsburg. Am 24. Oktober ist um 18 Uhr eine Führung durch die Ausstellung und am Mittwoch, 31. Oktober, ist im Festsaal der Karlsburg ein Film von Philipp Hartmann zu sehen: „66 Kinos“. Eine Reise durch die deutsche Kinolandschaft. Beginn 20 Uhr. Anschließend kommt es zum Gespräch mit dem Regisseur.