Der Kalikokrebs breitet sich im Karlsruher Raum vermehrt aus. Dadurch werden andere Tierarten verdrängt. | Foto: Schnabler

„Schneise der Verwüstung“

Invasive Tierarten in Karlsruhe auf dem Vormarsch

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Sie sind im Wasser und in der Luft unterwegs und hinterlassen dort, wo sie waren, eine „Schneise der Verwüstung“. Die Rede ist vom Kalikokrebs und dem Buchsbaumzünsler. Zwei invasive Arten, die sich, begünstigt durch den Klimawandel, im Karlsruher Raum wohlfühlen. Der Kalikokrebs wurde bereits 1993 eingeschleppt und verbreitet sich seitdem im Oberrheintal. Er fühlt sich dort wohl, wo die heimischen Krebsarten kaum vorkommen. „Das verschafft ihm einen enormen Vorteil gegenüber den hier heimischen Tierarten“, erklärt Andreas Martens, Biologe und Professor an der Pädagogischen Hochschule.

Von Corinna Löffler, Ana-Maria Pisari

Auch der Klimawandel spielt dem Kalikokrebs in die Karten. Durch die lauen Winter in Karlsruhe wird vermutet, er könne diese überleben und sich damit weiter ausbreiten. Der Krebs verbreitet sich durch das Netz von Entlastungskanälen zwischen dem Schwarzwald und Karlsruhe sowie auch über Land. Überleben kann er außerdem in austrocknenden Tümpeln, in denen Amphibien ihren Laich und dem Krebs somit sein Essen quasi direkt vor die Füße legten.

Gefahr für Moor- und Laubfrosch

„Dadurch besteht das Risiko, dass wir durch den Kalikokrebs einige bedrohte Amphibienarten verlieren, die ihre Restvorkommen am Oberrhein haben – besonders der Moorfrosch und der Laubfrosch sind gefährdet“, so Martens.

Nicht gern gesehen sind die Raupen des Buchsbaumzünslers. | Foto: Weissbrod

Eine weitere gefräßige invasive Tierart ist der Buchsbaumzünsler: Die Raupe ist leuchtend grün mit schwarzen Einsprengseln und Streifen. Das Insekt wurde durch den Pflanzenhandel eingeschleppt und wird bis zu fünf Zentimeter groß. 2007 noch in Weil am Rhein gesichtet, ist er heute auch in Karlsruher Vorgärten. Der Falter setzt seine Eier hauptsächlich an den äußeren Blättern des Buchsbaumes ab. Die daraus schlüpfenden Raupen fressen die Buchsbäume kahl, was zum Absterben des Baumes führen kann.

„Man wird die weitere Verbreitung des Zünslers wohl nicht aufhalten können,“, meint der Biologe Robert Trusch, Schmetterlings-Experte und Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe, und verweist auf die aktuellen Funde, die bundesweit zusammen getragen werden. Der „Siegeszug“ des Zünslers könnte jedoch durch andere Insekten wie Wespen oder Skorpionsfliegen möglicherweise eingedämmt werden. Auch Haussperlinge scheinen die Zünsler-Raupen zu mögen und von den Sträuchern abzusuchen.

Regelmäßige Inspektionen

Regelmäßige Inspektionen und Risikoabschätzungen in geeigneten Lebensräumen können helfen, die Ausbreitung von invasiven Arten wie Kalikokrebs und Buchsbaumzünsler zu erschweren. Ist eine Art bereits in dem Gebiet eingewandert, können Quarantäne- und Sperrzonen verwaltet sowie geeignete Bekämpfungsmethoden eingesetzt werden.

Als Standardmöglichkeiten zur Prävention gelten mechanische und chemische Methoden, wie das Absammeln und der Einsatz von Insektiziden gegen die Ausbreitung der Zünsler-Raupen. Beim Krebs hat die Erfahrung gezeigt, dass Barrieren seine Ausbreitung auf dem Landweg erschweren können.