Der Westturm der zwei Bürohausriegel hinter den Bahngleisen (rechts) ist 44 Meter hoch. Nur bei ihm fehlen fast noch alle Scheiben, links die Fernbusstation.
Der Westturm der zwei Bürohausriegel hinter den Bahngleisen (rechts) ist 44 Meter hoch. Nur bei ihm fehlen fast noch alle Scheiben, links die Fernbusstation. | Foto: jodo

Riesenbauprojekt

Internet-Milliardär plant am Karlsruher Bahnhof ein weiteres Hochhaus

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Die Arbeiten auf Karlsruhes größter Hochbaustelle gehen gut voran, im Bürohauskomplex des Multimilliardärs Ralph Dommermuth hinter dem Hauptbahnhof können bald die ersten Mieter einziehen – allesamt prominente Namen. Den nächsten Schritt hat der Investor bereits im Auge.

„Die Gebäude werden planmäßig am 10. Juni 2020 fertig“, bekräftigt Rainer Dommermuth, der Bruder des Bosses von United Internet. Der Herr aus Montabaur ist der Geschäftsführer von S.K.E.T. Diese Gesellschaft für Immobilienmanagement ist Teil des Dommermuth-Firmenimperiums und der Bauherr.

„Bis Weihnachten ist auch der Westriegel komplett gegen die Witterung geschlossen“, sagt Mathias Jäger, Oberbauleiter des Mannheimer Generalunternehmers Diringer&Scheidel.

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Über 2.000 Fenster sind schon eingebaut

Derzeit ist nur noch das 44 Meter aufragende Hochhaus des Westriegels abgesehen von wenigen Scheiben unverglast. „Am Ende werden wir fast 2.400 Glaselemente von 2,70 Meter Breite verbaut haben“, berichtet Jäger.

So wie die mit 27 Monaten sehr knapp bemessene Zeit Dommermuth auf der Riesenbaustelle „Hauptbahnhof Süd“ bislang nicht davonläuft, so explodieren bei diesem stadtbildprägenden Bürohauskomplex an Karlsruhes Südeingang auch nicht die Kosten.

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In die zwei Riegel mit je zwei vierstöckigen Längsbauten, je drei siebengeschossigen Querbrücken und je einem zwölfgeschossigen Punktbau am Plätzchen hinter dem Hauptbahnhof werden laut Rainer Dommermuth rund 200 Millionen Euro investiert.

In diese Rechnung fließt allerdings noch der Preis für einige Nebenprojekte ein: die riesige Tiefgarage, ein freistehendes Schulungsgebäude mit vier Etagen gleich neben den Gleisen sowie der Umbau des alten Bahnhof-Kesselhauses – über 20 Jahre Domizil einer Künstlerkolonie – zur Kantine für die Büroangestellten hinter dem Hauptbahnhof.

Außen fertig sind die drei Brückenhäuser und die sie flankierenden Riegel, wie der Blick nach Osten zeigt. Foto: jodo
Außen fertig sind die drei Brückenhäuser und die sie flankierenden Riegel, wie der Blick nach Osten zeigt. Foto: jodo | Foto: jodo

In vielfacher Hinsicht ist der Doppelbaukörper mit den jeweiligen Maßen 114 Meter lang, 50 Meter breit und maximal 44 Meter hoch auf dem „Filetstück“, das die städtischen Wirtschaftsförderer ein Vierteljahrhundert vergeblich Investoren feilboten, für Karlsruhe ein Projekt der Superlative: In Rekordzeit von vermutlich nur 27 Monaten wird der Komplex mit 22 Aufzügen gebaut.

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Damit wird es nur rund dreieinhalb Jahre nach der Absichtsverständigung zwischen Dommermuth und OB Frank Mentrup und exakt drei Jahre nach dem Grundstücksgeschäft für rund 20 Millionen Euro verwirklicht sein.

Gebäude komplett vermietet – 1&1 und DB-Tochter ziehen ein

Eine absolute Ausnahme für Karlsruher Verhältnisse ist auch die Kürze des Bauverfahrens, bereits Ende 2017 kam die Baugenehmigung – und im Frühling 2018 wurde der Grundstein gelegt. „Die Gebäude sind komplett vermietet“, freut sich Rainer Dommermuth. Dommermuths Tochterunternehmen 1&1 zieht komplett dorthin innerhalb Karlsruhes um. Der Rest wird an eine DB-Tochter vermietet.

Weiteres Hochhaus geplant

Übrigens ist der Riegelkomplex nur der „erste Bauabschnitt“. Dommermuth hat nun auch schon den nächsten Schritt fest im Auge. Bald gebe es einen Architektenwettbewerb für ein 18-stöckiges und 70 Meter hohes Hochhaus neben dem Ostriegel, wo heute die Baubürocontainer stehen. Zudem hält Dommermuth auch noch eine Option für die Baufläche ganz im Osten von „Hauptbahnhof Süd“ an der Ettlinger Straße.

Der Innenausbau ist im Ostriegel bereits weit fortgeschritten, im Westkomplex hat er immerhin begonnen. Schon gibt es ganze Etagen, wo in wenigen Wochen die Maler und die Teppichbodenleger die Büroräume reif für die Feineinrichtung durch die Mieter machen. Dort sind schon all die vielen Leitungen installiert und Bäder gefliest.