Die Talstraße ist dicht: Bis Dezember müssen die Palmbacher teilweise lange Umwege in Kauf nehmen, da die L623 großräumig umfahren werden muss. Nur Busse dürfen von Palmbach Richtung Stupferich den Feldweg nutzen. | Foto: jodo

Sperrung ärgert Palmbacher

„Irgendwen trifft es leider“

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Das Schild ist nicht zu übersehen. „Bitte Motor abstellen“, steht dick und fett und schwarz darauf. Der Busfahrer, der gerade um die Ecke biegt, hält sich auch daran. Der Bus steht still, eine Minute, zwei Minuten, bis die Ampel umschaltet und er wieder weiterfahren darf – über den Feldweg, von Palmbach in Richtung Stupferich.

Das ist der Vorhof zur Hölle

Seit Anfang Juli ist die Ortsdurchfahrt durch den Höhenstadtteil gesperrt. Seither dürfen nur noch Busse zwischen Palmbach und Stupferich fahren. Sehr zum Leidwesen der Anwohner – besonders der Busverkehr ärgert die Menschen in der Straße „Im Winterrot“ und drumherum. „Das ist der Vorhof zur Hölle“, sagt ein BNN-Leser düster. Der Bus hält praktisch direkt vor seinem Schlafzimmerfenster, quasi rund um die Uhr, nur ein paar Stunden in der Nacht haben er und seine Nachbarn Ruhe. „Wenigstens stellen die Busfahrer nun meistens den Motor ab“, sagt er. Dennoch empfindet er die Situation als belastend: „Bei offenem Fenster zu schlafen, ist praktisch unmöglich.“ Bis Dezember soll es so weitergehen, solange werden in Palmbach die Netze von Gas-, Wasser- und Stromleitungen erweitert. Parallel wird die Fahrbahn saniert.

Nicht alle halten sich an die Vollsperrung

„Irgendwen trifft es leider“, sagt der Wettersbacher Ortsvorsteher Rainer Frank bedauernd. Tatsächlich müssten die Busse nun einmal irgendwohin umgeleitet werden, um über den Feldweg Richtung Stupferich fahren zu können. Nach Angaben des BNN-Lesers halten sich dabei längst nicht alle Autofahrer an die Vollsperrung. „Besonders im Berufsverkehr nehmen viele die Abkürzung über den Feldweg“, sagt er. Ganz schlimm sei es, wenn auf der Autobahn „Chaos“ herrsche, dann irrten auch schon einmal Ortsfremde durch den Höhenstadtteil. „Wir tun, was wir können“, sagt dazu Ortsvorsteher Frank. Spezielle Schilder weisen auf die Sperrung hin, auch Kontrollen finden an den gesperrten Wegen regelmäßig statt.

Endlich kontrolliert hier jemand

Einer der Kontrolleure, ein Verkehrspolizist auf einem Motorrad, hat gerade seine Maschine abgestellt. „Endlich kontrolliert hier jemand!“, ruft ihm ein Fußgänger zu, der mit seinem Hund vorbeikommt. „Katastrophal“ seien die Zustände, erzählt er und bestätigt, dass besonders am frühen Morgen viele Autofahrer den Feldweg nutzen. Wie aufs Stichwort fährt in diesem Moment ein Autofahrer den Weg entlang. Der Kontrolleur stoppt ihn, spricht einige Minuten mit ihm, dann fährt der Mann weiter. „Er kommt nicht von hier und will seine 97-jährige Mutter besuchen“, erklärt der Polizist. In der nächsten Stunde wird er noch zwei Kleintransporter kontrollieren, die die Baustelle im Stadtteil ansteuern. „Alles klar, die dürfen“, gibt der Verkehrspolizist sein Okay.

Lange Wege

Viele Anwohner ärgert auch, dass sämtliche Wege – wie etwa zum Einkaufen – doppelt so lange dauern, weil Umwege über Durlach oder Ettlingen gefahren werden müssen. „Besonders für Ältere ist das sehr ungeschickt“, findet der Spaziergänger mit seinem Hund.

Nach seiner Gassirunde kommt der Mann wieder am Haltepunkt der Busse vorbei. „Heute sind erstaunlich wenige Autofahrer unterwegs“, sagt er. Der Verkehrspolizist zuckt die Schultern und sagt: „Vielleicht hat es sich mittlerweile rumgesprochen.“