Stau auf der A 5 - in diesen Wochen und Monaten ein gewohntes Bild. | Foto: Fabry

Baustelle auf der A 5

Ist da eigentlich immer Stau?

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Auch am späten Dienstag war wieder Stau auf der A 5, nachdem sich zwischen Rastatt-Nord und dem Parkplatz „Schleifweg“ ein schwerer Verkehrsunfall ereignet hat. Gefühlt ist auf dem Streckenabschnitt zwischen Rastatt und Karlsruhe – zumindest aus Pendlersicht – jeden Tag Stau. Und wenn es schon auf der Autobahn nicht voran geht, kann man auch die Ausweichrouten vergessen. Dann ist auch die B 3 dicht. Spätestens ab Neumalsch. Und insbesondere gilt all das nach vieler Autofahrer Meinung vorrangig für die Fahrtrichtung Süden. Und warum ist der Stau auch in der Baustelle und nicht nur davor?

Drei Auffahrten

„Mit Zahlen ist die subjektive Einschätzung einer besonderen Stauhäufung nicht unbedingt belegbar“, erklärt Erster Polizeihauptkommissar Joachim Zwirner, Verkehrsfachmann beim Polizeipräsidium Karlsruhe. Aber dennoch kann er das Gefühl der Autofahrer nachempfinden. „Die Baustellensituation ist gerade nach Süden hin schon sehr ungewöhnlich“, so Zwirner. Auf einem kurzen Abschnitt folgen drei Auffahrten hintereinander, die sich sowohl vor der Baustelle – also zwischen Bruchsal und Karlsruhe-Mitte – als auch in der Baustelle selbst auswirken.

Eine Reise nach Süden kann auf der A 5 schwierig werden. Die Situation bei der Baustelle zwischen Karlsruhe und Rastatt wird durch die Zufahrten von der A 8 und zwei Anschlüssen geprägt.

Die Problemstellen

Von Norden her betrachtet kommen aus Richtung Pforzheim zwei Fahrspuren mit viel Verkehr auf die A 5 – direkt in den „Flaschenhals“ der dort beginnenden Reduzierung der Fahrspurenanzahl von drei auf zwei. Die Folge: Alles geht langsamer und der Stau kann sich je nach Situation aus Richtung Norden aufbauen.
Schon im kritischen Bereich liegt dann die Zufahrt Ettlingen/Karlsruhe-Rüppurr. Diese ist nach Angaben der Polizei mengenmäßig nicht so bedeutend, führt aber dennoch in der Gesamtbetrachtung zu einer weiteren Verlangsamung des Verkehrs – mit weiterer Rückwirkung Richtung Norden.

Rückstau in der ganzen Stadt Karlsruhe

Schließlich ist da die Auffahrt Karlsruhe-Süd am Ende des aus Karlsruhe herausführenden „Autobahnzubringers“ Landesstraße 605. Hier liegt viel Verkehr, der in die Baustelle hineindrängt. Und das hat doppelte Wirkung: Normalerweise rollt der Verkehr, wenn die Autos erst einmal im Baustellenbereich sind. Hier wird allerdings eine langsamere Fahrweise erforderlich, weil eben viele neue Fahrzeuge dazukommen und auf die zwei verbliebenen Fahrspuren drängen. Das langsame Fahren schlägt gleichzeitig aber auch nach Norden durch, wo der Rückstau vor der Baustelle länger werden kann. Und man merkt es stets auch in der Stadt Karlsruhe – auf der Tangente, in Rüppurr, der L 605 oder am Rheinhafen.
„Diese Sondersituationen haben wir in Fahrtrichtung Frankfurt nicht“, erklärt Joachim Zwirner. Im Gegenteil: Die Anschlussstelle Karlsruhe Süd ist auf dieser Fahrbahnseite wegen der Streckensanierung gesperrt – Ab- und Zufahrt. Freilich gilt auch dort: Kommt es innerhalb der Baustelle auch nur zu kleinen Kollisionen, haben diese meist große Auswirkung. Zu deutsch: einen langen Stau.

„Baustellen-Tagebuch“

Unbeschadet der technischen Begründungen mit den Zufahrten sind es Tag für Tag die „kleinen“ Vorkommnisse, die die Verkehrslage und die Pendlerlaune beeinträchtigen. Die Polizei hat eine Woche lang ein „Baustellen-Tagebuch“ geführt. Hieraus Auszüge:

  • Auffahrunfall: Die Beteiligten bleiben auf dem rechten Fahrstreifen stehen und verständigen die Polizei. Durch die Verkehrsbehinderung bildet sich ein Rückstau auf einer Länge von etwa zehn Kilometern.
    Zwei Fahrzeugführer klagen auf Grund der Hitze über Übelkeit und Schwindel. Sie stehen bei 34 Grad Celsius bereits länger im Stau. Bei einem Fahrzeug handelt es sich um ein Cabrio, so dass die Sonne direkt auf den Fahrer schien, der zweite Pkw hat keine Klimaanlage, weshalb sich die Hitze staut. Beide haben keine Getränke dabei.
  • Auffahrunfall mit drei Pkw und einem Lkw. Die A 5 ist in Richtung Karlsruhe gesperrt. Bei der Unfallaufnahme wird ein Fahrzeugführer beobachtet und fotografiert, wie er auf der linken von zwei Fahrspuren mit mäßigem Tempo in Richtung Süden fährt und ein Handy benutzt, um die Unfallstelle zu videografieren. Diese Sperrung muss wegen eines Pannen-Lkw, der Diesel verloren hatte, weiter aufrechterhalten werden. Es werden Getränke an Autofahrer ausgegeben, nachdem aufgrund der Unfalllage mit Vollsperrung nichts mehr geht und mehrere Verkehrsteilnehmer im Hochsommer über Wassernot klagen – verwendet wird der Getränkevorrat der Dienststelle des Autobahnpolizeireviers. Im Zusammenhang mit dem Unfall gibt es einen langen Stau, bei dem mehrere Fahrzeuge liegen bleiben.
    Zwischen Rastatt und Karlsruhe kommt eine Pkw-Fahrerin aufgrund von Unachtsamkeit nach rechts von der Fahrbahn ab, streift die dortige Leitplanke und verliert anschließend die Kontrolle über ihr Fahrzeug, so dass sie nach links in die Mittelleitplanke prallt. Hierbei werden drei Elemente auf die Nordfahrbahn verschoben.
  • Zwischen Karlsruhe und Rastatt kommt ein Pkw-Fahrer im Baustellenbereich von der Fahrbahn ab und kollidiert mit der am linken Fahrbahnrand stehenden Betonschutzwand. Diese wird in die Gegenfahrbahn in Fahrtrichtung Norden gedrückt. Eine Schutzwand wird bei der Kollision beschädigt und muss ausgetauscht werden.
  • Zwei Pkw befahren hintereinander die mittlere Fahrspur der Autobahn 5 in Richtung Süden. Aufgrund des Staus an der dortigen Baustelle muss der vordere sein Fahrzeug relativ stark abbremsen. Der nachfolgende Pkw-Lenker erkennt die Situation zu spät, versucht auszuweichen, fährt aber dennoch auf.
  • Ein Pkw bleibt mit einem defekten Reifen innerhalb der Baustelle auf dem rechten Fahrstreifen liegen.
    Ein Pkw bleibt bei der Anschlussstelle Ettlingen in Richtung Süden mit einem Defekt auf dem linken Fahrstreifen stehen. Mit Hilfe der Polizeistreife kann er von der Fahrbahn geschoben werden.