Liebt Geheim- und Weltschreibmaschinen: Jörn Müller-Quade hier mit der Karlsruher Verschlüsselungsmaschine „Rehmann Diskret“. | Foto: Fabry

Experte der IT-Sicherheit

Jörn Müller-Quade ist fasziniert von Verschlüsselungsmaschinen

Wenn man den KIT-Professor Jörn Müller-Quade trifft, springt eines gleich ins Auge: Die Fliege. Sie ist sein Markenzeichen. Schon sein Vater war Fliegenträger. Er hat ihm auch gezeigt, wie man sie bindet. Wie viele der 50-Jährige genau besitzt, weiß er nicht, aber sie passen noch in eine Hutschachtel. „Wenn andere eine Krawatte haben, trage ich eine Fliege“, erklärt er.

Hinter jeder Maschine steckt eine Geschichte

Ähnlich begeistert ist Müller-Quade von historischen Verschlüsselungsmaschinen. „Sie sind verhältnismäßig selten, weil sie häufig zerstört werden, wenn sie nicht mehr eingesetzt werden. Hinter jeder Maschine steckt eine Geschichte.“ Auch Apple-Computer mag er, aber eher, weil diese gut funktionieren.

Für welche Bereiche engagiert sich der Professor beruflich? Er ist Inhaber des Lehrstuhls für IT-Sicherheit am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Direktor am Forschungszentrum für Informatik (FZI) und Leiter des Instituts für Kryptographie und Sicherheit.

„Der Cube, der ursprünglich für die CEBIT gekauft wurde, veranschaulicht Softwareschutz“, sagt Jörn Müller-Quade. | Foto: Fabry

Zufrieden und genügsam

Der Sicherheitsexperte ist ein durch und durch zufriedener und genügsamer Mensch. Er radelt täglich von Grötzingen zur Arbeit und erzählt gern anschaulich von den Dingen, die er macht. Zum Beispiel vom Kryptologikum, einer Ausstellung bei der es regelmäßig interessante Verschlüsselungsgeräte, aber auch moderne Chipkarten zu sehen gibt – oder von Kastel, dem Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologien, dessen Initiator er ist.

Zusammenarbeit mit Unternehmen und dem ZKM

Als Wissenschaftler ist der digitale Kopf ein Nutznießer der Digitalisierung. Seit etwa zehn Jahren sei das Thema IT-Sicherheit besonders relevant. Entsprechend sind auch die Anfragen an den Experten gestiegen, der gerne mit Start-ups, aber auch mit gestandenen Firmen wie Wibu-Systems zusammenarbeitet. Mit dem Unternehmen hat er sogar den IT-Sicherheitspreis gewonnen und einen internationalen Hacker-Contest veranstaltet, um zu erfahren, ob etwas bei der Entwicklung übersehen wurde. Auch mit dem ZKM gab es schon gemeinsame Projekte, beispielsweise bei der aktuellen Ausstellung „Open Codes“ und zuletzt bei der „Globalen“.

Wie ist der KIT-Wissenschaftler privat? Auf jeden Fall ein Familienmensch. Entspannen kann er am besten beim Radfahren, beim Wandern oder beim Bogenschießen in seinem Garten. Das Bogenschießen habe etwas Meditatives und Entspannendes für ihn. Das Gute: Es sei immer derselbe Ablauf, man müsse nichts denken und man bekomme direkt Feedback, ob man getroffen habe oder nicht.

Japan-Zimmer im Haus

Das Bügelzimmer seines Hauses hat er mit seinen beiden Töchtern spontan zu einem Japan-Zimmer umgestaltet. Nach Japan, wo er drei Jahre gelebt hat, ging dann auch eine Reise mit der Familie. Ansonsten bevorzugt er europäische Ziele. Wichtig ist ihm, überall etwas länger zu bleiben, als man es erwartet. „Einen Ort lernt man am besten kennen, wenn man ein Lieblingsrestaurant hat“, sagt er. So habe er es in Oxford oder Rom gemacht. Aber auch ins Fränkische, wo er eine Zeit studiert hat, wird es ihn und seine Familie bald für ein weiteres Projekt, wie er seine Reisen nennt, ziehen.