Jüdische Sportler
An jüdische Sportler erinnert eine Präsentation am Platz der Menschenrechte. | Foto: Sandbiller

Ausstellung dauert bis Oktober

Jüdische Sportstars auf dem Platz der Menschenrechte

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Den Ball, den Julius Hirsch vermutlich gerade Richtung Tor befördert hat, sieht man nicht. Aber in Aktion ist der Mann, der als lebensgroße Skulptur seit gestern auf dem Platz der Menschenrechte steht. Zwischen Brauerstraße und ZKM stehen insgesamt 17 solche Figuren, die an erfolgreiche jüdische Sportler erinnern. „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ ist die Präsentation überschrieben.

Jüdische Sportler im Blick

Erarbeitet wurde sie vom Zentrum deutsche Sportgeschichte und erstmals 2015 anlässlich der European Maccabi Games – es handelt sich um eine jüdische Sportveranstaltung – gezeigt. Nach Köln und Frankfurt macht die Schau nun Station am ZKM.

Julius Hirsch ist mit dabei

Julius Hirsch steht ganz vorne, in der Nähe der Brauerstraße. Ein Text informiert: Der Fußballstar aus Karlsruhe schoss zwischen 1911 und 1913 vier Tore in sieben deutschen Länderspielen.

Ein Foto zeigt ihn als Soldat im Ersten Weltkrieg, für seinen Einsatz dort erhielt er das Eiserne Kreuz. Auch sein Ausweis ist abgebildet, versehen mit einem „J“ für Jude und dem Zwangsnamen Israel.

Unterdrückung ist Thema

Die Schau dokumentiert nicht nur die Erfolge der Sportler. Auch ihre Unterdrückung und Verfolgung sind Thema. Julius Hirsch wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Zehn Tore in einem Länderspiel

Es gibt auch eine Figur für Gottfried Fuchs. Einst Vereinskamerad von Julius Hirsch, erzielte er in einem Länderspiel zehn Tore. 1912 war das, als Deutschland Russland mit 16:0 bei den Olympischen Spielen schlug.

1937 floh Gottfried Fuchs über die Schweiz, über England und Frankreich nach Kanada, wo er 1972 starb.

Nelly Neppach nahm sich das Leben

Die Tennislegende Nelly Neppach ertrug die Demütigungen, die Repressalien nicht. Mit 34 Jahren nahm sich die Berlinerin 1933 das Leben.

QR-Codes

Passanten auf dem Weg ins ZKM oder ins Kino, Jogger und Spaziergänger bleiben stehen. Sie betrachten die Figuren, lesen die Lebensgeschichten, die auf Deutsch und Englisch verfasst sind. QR-Codes führen zu weiteren Informationen.

Das Schachgenie

Emanuel Lasker sitzt nachdenklich an seinem Schachbrett. Vielen gilt er als bester Spieler aller Zeiten. 27 Jahre in Folge war er Weltmeister.

Lasker
Als Schachgenie gilt Emanuel Lasker | Foto: Sandbiller

Sein Freund Albert Einstein nannte ihn „einen der stärksten Geister, denen ich auf meinem Lebensweg begegnet bin“. 1933 floh der Sohn eines Kantors erst in die Sowjetunion, später in die USA.

Traum von Olympia

Die Leichtathletin Gretel Bergman träumte Anfang der 1930er Jahre von einer Medaille bei den Olympischen Spielen 1936. Doch 1933 wurde sie von ihrem Sportverein ausgeschlossen, sie ging dann nach England.

Das NS-Regime nötigte sie zur Rückkehr. Um den Boykott der Spiele durch die USA und andere Länder zu verhindern, wollte man die „Volljüdin“ angeblich in das deutsche Team integrieren – am Ende wurde ihr der Start bei Olympia trotz Qualifikation verwehrt. 1937 rettete sie sich in die USA.

Flucht in die USA

Auch die aus Offenbach stammende Weltklasse-Fechterin Helene Mayer floh 1937 nach Amerika. 1952 kehrte sie in ihre Heimat zurück, wo sie ein Jahr später an Krebs starb. Sie wurde nur 43 Jahre alt.

Zwischen Erfolg und Verfolgung

„Zwischen Erfolg und Verfolgung“ – darum geht es bei 16 der 17 Sportler. Denn mit Sarah Poewe schlägt die Schau den Bogen in die Gegenwart: Die 1983 in Kapstadt geborene Schwimmerin holte 2004 in Athen Bronze im viermal 100 Meter Lagen.

Es war die erste olympische Medaille, die eine jüdische Athletin nach dem Zweiten Weltkrieg für Deutschland holte.

Service

Die Ausstellung ist bis zum 7. Oktober auf dem Platz der Menschenrechte beim ZKM ganztägig frei zugänglich. Offizielle Eröffnung ist am Montag, 4. September, um 18 Uhr durch Oberbürgermeister Frank Mentrup, Lorenz Peiffer von der Leibniz Universität Hannover führt dann durch die Schau.