Was geht bei der Leichtathletik-WM in London? Auf den deutschen Weitsprung-Meister Julian Howard (Mitte) von der LGR Karlsruhe richten sich Anfang August die Blicke. Mit 8,15 Metern führt er die DLV-Jahresbestenliste an. Links Trainingskollege Florian Oswald (DM-Vierter), rechts LGR-Sprungtrainer Udo Metzler. | Foto: Manfred Spitz

Bestweite 8,15 Meter

LGR Karlsruhe: Weitspringer Howard „hungrig“ zur WM nach London

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Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft vom 4. bis 13. August in London ist Julian Howard von der Leichtathletik Gemeinschaft Region (LGR) Karlsruhe einziger Weitspringer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Zweimal hat Howard die DLV-Norm von 8,15 Metern erfüllt; zuletzt bei seinem ersten nationalen Titelgewinn im Freien in Erfurt. Zweimal deutscher Hallenmeister (2017 und 2014) war der 28-Jährige davor schon. Die DLV-Jahresbestenliste führt der KIT-Student (Lehramt: Mathe/Sport)  vor Maximilian Entholzner (Passau/7,92) und Florian Oswald (Weinheim/7,80), seinem Kumpel und Trainingspartner in der LGR-Sprunggruppe des Gaggenauers Udo Metzler, an.

Julian Howard hat einen Packen neuer Autogrammkarten zum Training ins Beiertheimer Carl-Kaufmann-Stadion mitgebracht. „Die muss ich noch unterschreiben“, sagt der Top-Weitspringer der Leichtathletik Gemeinschaft Region (LGR) Karlsruhe bestens gelaunt und fügt hinzu: „Die Nachfrage ist seit meinem Titel bei den Deutschen Meisterschaften gestiegen.“ Natürlich nicht explosionsartig, meint er schmunzelnd. „Aber man merkt‘s“. Viele Kinder und Familien wollten Autogramme, erzählt Howard. „Sie wünschen mir Glück – und drücken mir die Daumen für die WM.“

Aushängeschild der LGR Karlsruhe

Nach drei bescheidenen, vom Verletzungspech geprägten Jahren, läuft es beim 28-Jährigen in dieser Saison rund. „Das Karma hat eingesehen, dass ich jetzt dran bin, verletzungsfrei zu bleiben und sauber durchzukommen. Ich hatte in den vergangenen Jahren immer Pech. Nach guten Leistungen in der Halle habe ich es anschließend nie geschafft, das Niveau mit nach draußen zu nehmen“, so das LGR-Aushängeschild gegenüber leichtathletik.de.

Howards Geduld zahlt sich jetzt aus

Howards Geduld, seine Beharrlichkeit, jetzt scheint sie sich endlich auszuzahlen. „Dieses Jahr ist mir das Glück ein bisschen hold“, meint der 28-Jährige, der sich neben Sport und Studium künftig in seinem Charity-Projekt „Kinder zum weiten Sprung verhelfen“ (mit Kunz-Schulze-Immobilien) einbringen will. „Kinder und Sport, dass ich etwas weitergeben kann, das liegt mir am Herzen“, erklärt Howard, der sich auch schon bei den Special Olympics engagierte.

Verletzung verhinderte Olympia-Start 2016

Daran, dass ihm die Olympischen Spiele vergangenes Jahr in Rio wegen eines Muskelfaserrisses versagt blieben, hatte er zu knabbern. Andererseits, so Howard, war das vielleicht auch ein Vorteil: Ich bin immer hungrig geblieben.“ Und dieser Hunger ist längst nicht gestillt; seine nationalen Titel sind vielmehr Appetitanreger.

Weitsprung: WM-Finale am 5. August / Qualifikation tags zuvor

Dass die WM in London kein Selbstläufer wird ist klar, das weiß Julian Howard: „Aktuell bin ich weltweit um Platz 30. Weil zur Weltmeisterschaft maximal drei Springer pro Nation dürfen, ändert sich in der bereinigten Bestenliste noch etwas zu meinen Gunsten. Aber die Konkurrenz in London, schon die Qualifikation (Freitag, 4. August, 19.30 Uhr/Finale Samstag, 5. August, 20 Uhr); d. Red.), ist auf einem super Niveau. Da braucht man nicht drumrum zu reden.“

Mit 8,15 Metern Nummer eins der deutschen Jahresbestenliste

Die Weltbestenliste sei eine Sache, doch „auf Traumanlagen, auf denen man weit segeln kann, relativieren sich die Leistungen“, sagt LGR-Trainer Udo Metzler: „Wer acht Meter springen kann, kommt ins Finale der besten zwölf. Julian hat’s drauf, das hat er in dieser Saison gezeigt.“ Zuletzt mit seinem 8,15-Meter-Satz zu DM-Gold in Erfurt. „Und London ähnelt Erfurt. Die Anlage, die Windverhältnisse sind ziemlich gleich“, verdeutlicht der Diplom-Sportlehrer aus Gaggenau. „Ich glaube Julian hat gute Chancen ins Finale und da unter die Top Acht zu kommen – wenn er seine Leistung abrufen kann.“

Sprungcoach Udo Metzler von der LGR Karlsruhe: Anlage in London liegt Julian

Das hofft auch Julian Howards LGR-Trainingskollege Florian Oswald. Wie der deutsche Meister ist auch der DM-Vierte 28 Jahre alt, steht aber voll im Berufsleben. „Nach dem Informatik-Studium habe ich als SAP-Berater begonnen. Das heißt, ich habe im Job eine 40 bis 50 Stunden Woche. Das ist nicht so entspannt“, erzählt Oswald. Anfang 2016 kam er zu Udo Metzler. „Davor war ich national immer so Fünfter, Sechster. Nichts hat sich bewegt und ich wollte noch mal was neues machen“, so Oswald. „Durch die Formsteigerung bei Udo auf 7,80 Meter habe ich gemerkt: das ist noch nicht das Ende. Vielleicht steht auch Mal die acht vor dem Komma“, sagt der Weinheimer, der nach wie vor für die dortige TSG antritt: „Wahrscheinlich hätte ich in Karlsruhe die besseren Bedingungen. Aber das ist eben auch eine emotionale Bindung.“

Trainingspartner Florian Oswald drückt Daumen

Dass ihm bei den deutschen Meisterschaften Bronze um sieben Zentimeter haarscharf aus den Händen gerissen wurde – gegessen. „Klar, über einen vierten Platz freut man sich nie. Aber ich hatte mich beim ersten Versuch verletzt. Es war schwierig, wieder in den Wettkampf rein zu finden und ich habe die 7,64 rausgewürgt“, so Oswald. „Schade, dass ich gerade bei der DM meinen schlechtesten Wettkampf abgeliefert habe. Aber wenn mir vorher jemand gesagt hätte, du wirst Vierter, ich hätte es genommen. Es war eine tolle, eine konstante Saison. Und meine beste DM-Platzierung. Dann hole ich mir die Medaille eben in der Halle – oder im nächsten Sommer“, meint Florian Oswald schmunzelnd. Jetzt aber ist Daumen drücken angesagt. Für seinen Kumpel Julian Howard bei der Weltmeisterschaft in London.

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