Stichbehandlung mit dem Smartphone: Lukas Liedtke, Armin Meyer und Stefan Hotz (von links, Mit-Gründer Christof Reuter fehlt) hoffe, dass ihr heat_it bald als Medizinprodukt zertifiziert wird. | Foto: Sandbiller

Wirtschaft

heat_it: Start-up aus Karlsruhe bekämpft Insektenstiche mit dem Smartphone

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Schnaken, Wespen, Bremsen – sie können den Aufenthalt im Freien so richtig verderben. Eine Wärmebehandlung hilft, aber hat es einen erwischt, hat man meist nicht dabei. Ein Karlsruher Start-up hat nun einen Wärmeaufsatz fürs Smartphone entwickelt, mit dem sich Insektenstiche auch unterwegs bequem behandeln lassen. Der heat_it steht kurz vor der Zertifizierung als Medizinprodukt.

Wer kennt es nicht? Einmal nicht aufgepasst, schon haben sie einen erwischt: Schnaken, Wespen oder Bremsen sind eine bekannte Plage. Insektenstiche lassen sich mithilfe von Wärme in der Regel gut behandeln, aber gerade draußen hat man das entsprechende Gerät oft nicht zur Hand.

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Diesem Problem haben sich vier ehemalige Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie angenommen. Sie entwickelten einen Hitzeaufsatz fürs Smartphone, klein genug für den Schlüsselbund oder das Portemonnaie. Armin Meyer, Stefan Hotz, Lukas Liedtke und Christof Reuter stehen nun kurz vor dem nächsten großen Schritt: der Zertifizierung als Medizinprodukt.

Wettbewerbsbeitrag wird markttauglich

Zunächst sei es nur ein Beitrag für den Studentenwettbewerb Cosima im Oktober 2017 in München gewesen. „Wir fanden das eine witzige Idee und einen schönen Wettbewerbsbeitrag“, erzählt Armin Meyer. Doch immer mehr Menschen sprachen sie auf ihre Erfindung an. Im August 2018 gründeten sie dann ihr Unternehmen heat_it.

„Es war doch mehr Arbeit, als wir vorher gedacht hätten“, räumt Stefan Hotz ein. Co-Gründer Lukas Liedtke ergänzt: „Wir haben das Risiko aber nicht einen Moment bereut.“ Der heat_it wird ressourcenschonend in Deutschland produziert, viele Teile stammen aus der näheren Umgebung. Aktuell bauen die Jungunternehmer den heat_it noch selbst zusammen.

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heat_it bietet Modifizierungsmöglichkeiten

Von den vier Gründern geht nur noch Christof Reuter einer anderen Arbeit nach, die übrigen widmen sich in Vollzeit ihrem Start-up. Ihr heat_it nutzt das Prinzip der Hyperthermie. Mithilfe von Wärme wird die Ausschüttung von Histamin gehemmt, sodass die Reaktion des Körpers geringer ausfällt oder ganz ausbleibt.

Der heat_it wird einfach in den Ladeanschluss des Smartphones gesteckt. Mit einer App lässt sich die Behandlung modifizieren. | Foto: Sandbiller

Das kleine Gerät, das in etwa die Größe einer Eineuromünze hat, wird dabei in den Ladeanschluss des Smartphones gesteckt und bezieht seine Energie über den Handyakku. Es ist sowohl für Android- als auch Apple-Geräte verfügbar. Mit einer dazugehörigen App kann man einstellen, von was man gestochen wurde und wie empfindlich die Stelle ist. So lässt sich die Anwendung auch für Kinder modifizieren.

Crowdfunding endet am 30. August

Finanziert wird die Markteinführung mit einer Crowdfunding-Kampagne, die noch bis Freitag, 30 August, läuft. Für die haben die vier auch ein Video in den Rheinauen gedreht – und dabei ausgiebig Gelegenheit, ihr Produkt selbst zu testen. Das ursprüngliche Ziel von 20.000 Euro Spenden sind längst erreicht, inzwischen sind circa 70.000 Euro zusammengekommen.

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„Wer für unsere Kampagne gespendet hat, bekommt auf seine Bestellung auch 20 Prozent Rabatt. Und das gute Gefühl, eine junge Firma unterstützt zu haben“, erklärt Meyer lachend. Voraussichtlich ab Mai/Juni 2020 werden die ersten heat_its im Laden zu haben sein, Unterstützer sollen sie bereits im März erhalten. Auch die ProSieben-Sendung Galileo hat sich bereits mit dem heat_it befasst. Ihr Urteil war durchweg positiv.