So war das früher: Drinnen brühte man den Filterkaffee auf, draußen servierte man ihn dann in einem Kännchen. | Foto: dpa

Die „Third Wave Of Coffee“

Kaffee: Draußen nur Kännchen

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Die Älteren unter uns werden sich noch gut an die drei Worte erinnern, die früher auf den Speisekarten vieler Ausflugslokale standen: „Draußen nur Kännchen“. Drinnen im Lokal gab’s Tee oder Kaffee in Tassen oder Kännchen, draußen nur in Kännchen. Wer die Dreistigkeit besaß, nach dem Grund dieses „Kännchen-Prinzips“ zu fragen, der wurde umfassend darüber belehrt, dass der Serviceweg von der Küche auf die Terrasse bisweilen schon mal 200 Meter betrage und dass der Inhalt eines Tässchen Kaffees auf diesem langen und bisweilen beschwerlichen Wege durchaus auch mal lauwarm werden könne.

„Kaufen Sie etwa einen Liter Benzin?“

Und das wolle doch auch niemand! Unvergessen die Antwort eines Biergarten-Wirtes aus Bayern, der einem „Preußen“, der draußen eine Tasse bestellt hatte, entgegnete, er bestelle doch an der Tankstelle auch nicht nur einen Liter Benzin, sondern ein bisschen mehr. Da hatte er, so gesehen, auch wieder Recht.

Österreich war uns beim Kaffee voraus

Die Zeiten, in denen man im Lokal lediglich zwischen „Kännchen“ oder „Tasse“ wählen konnte, sind auch in Deutschland längst vorbei, obwohl wir hierzulande in dieser Beziehung ziemlich lang hinter anderen Ländern herhinkten. Man denke sich nur an die Sortenvielfalt in den Wiener Kaffeehäusern. Einen „Kaffee“ bestellen dort höchstens völlig Unbedarfte.

„Überstürzter Neumann“ oder „Sperbertürke“?

Die Wissenden haben die Wahl zwischen einem „großen Braunen“, einem „kleinen Braunen“, einer „Melange“, einem „Verlängerten“, einem „Einspänner“ oder Dutzenden von anderen Spezialitäten, die so drollige Namen tragen wie „Überstürzter Neumann“, „Biedermeier“ oder „Sperbertürke.“

„Wir befinden uns in der dritten Welle“

In Deutschland befinden wir uns einer Mitteilung des Deutschen Kaffeeverbands zufolge derzeit übrigens in der „Third Wave Of Coffee“ (der dritten Welle des Kaffees). In den 50er Jahren hatte sich der Filterkaffee zum Volksgetränk entwickelt („erste Welle“), in den 80ern wurden italienische Klassiker wie Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato auch bei uns populär („zweite Welle“) und die „dritte Welle“ sei nun durch ein vollkommen neues Bewusstsein für den Kaffeegenuss geprägt.

Espresso im Kännchen „To Go“

Im Fokus stünden Themen wie Anbau, Sorten, Bohnenqualität, Röstung, Verarbeitung, Nachhaltigkeit und die Art der Kaffeezubereitung. Die „vierte Welle“ folgt dann vermutlich in 25 bis 30 Jahren. Motto: Espresso und Cappuccino gibt’s jetzt endlich auch in Biokunststoff-Kännchen. Drinnen, draußen und „To Go“.