Viel Betrieb im Brücken-Kaffee auf der Rheinbrücke Karlsruhe. Die Radpendler aus der Pfalz bekommen Muffins und einen frischen Kaffee - immer morgens, am letzten Mittwoch im Monat. | Foto: Kuld

Rheinbrücke Karlsruhe

Kaffee und Muffins für die Radpendler

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300 Radfahrer auf der Rheinbrücke Karlsruhe in knapp drei Stunden. Das ist der Pendlerstrom aus der Pfalz in Richtung Karlsruhe. Am letzten Mittwoch im Monat bietet eine Gruppe von Aktivisten Brücken-Kaffee an – „ein Dank an die Radfahrer“.

„Bei Wind und Wetter.“ Petra Gerich ist überzeugte Radlerin. „Schon über 20 Jahre“ fährt sie täglich über den Rhein, von Maximiliansau zu ihrem Arbeitsplatz in Karlsruhe. „Zwölf Kilometer pro Weg“, fügt sie hinzu. An diesem Mittwoch macht sie schon kurz nach dem Start zu Hause eine kleine Pause. Auf der Rampe zur Brücke macht ein kleines handeschriebenes Schild auf die „letzte Tankstelle vor der Brücke“ aufmerksam.

Dank an die Radfahrer

Die „Tankstelle“ besteht aus einem kleinen Tisch, darauf Wasserflaschen, eine mobile Kaffeemaschine und ein paar Tupperdosen mit Muffins. Einer der „Tankwarte“ ist Patrick aus Rülzheim. Er fährt schon seit längerem täglich per Rad aus der Pfalz nach Karlsruhe. Seit dem Frühjahr ist er einigen Mitstreitern an jedem letzten Mittwoch eines Monats in der Frühe von sechs bis neun Uhr auf dem Rheinbrücke und gibt dort den „Brücken-Kaffee“ aus. „Das ist ein Dank an die Radfahrer“, sagt er zu der Aktion, die es ähnlich auch in Frankfurt und Ludwigshafen gibt. Gerade im Berufsverkehr sehe man auf der Brücke die Vorteile des Radelns – dort Stau, hier zügiges Vorankommen. Mit dem Brücken-Kaffee wollen die Initiatoren ein Zeichen zugunsten des Radfahrens setzen.

Exakte Strichliste

Es sind viele, die die Brücke nutzen. Johannes aus Kandel führt eine Strichliste über die Zahl der Radler. Kurz nach sechs hat er angefangen – und es geht tatsächlich Schlag auf Schlag. Viertel nach acht sind es schon etwa 250 Radpendler, die Richtung Karlsruhe unterwegs waren. Auch in der Gegenrichtung sind einige Menschen schon früh unterwegs. Die haben meist den Sportdress an und machen sich auf eine Pfalztour. Bezüglich der Zahl der berufstätigen Radpendler Richtung ist man sich im Brücken-Kaffee etwas unsicher – „die Schicht beim Mercedes fängt sehr früh an“.

Immer ein freundliches Lachen

Immer wenn sich ein Radfahrer die Rampe auf die Brücke hinaufmüht, schnappt sich Patrick einen der selbstgebackenen Muffins und bietet ihn auf der ausgestreckten Hand an. Manche fahren vorbei, manche schnappen sich den Muffin, andere halten und trinken auch einen Kaffee, den Alexander aus Wörth aus der Maschine presst. Was Patrick besonders freut: „Egal, ob sie halten oder durchfahren. Bei den allermeisten registrieren ein freundliches Lachen.“  Zu denen, die anhalten, gehört Steffen Abel. „Ich fahre seit zwei Jahren jeden Tag von Kandel nach Karlsruhe“, sagt er und freut sich über den angebotenen Kaffee. Carmen Zeiner ist jeden Tag pro Weg zwölf Kilometer auf dem Rad unterwegs zur Arbeit, „auch im Winter“. Das gilt gleichermaßen für Horst. Er fährt aus Lauterburg über den Rhein. „24 Kilometer pro Weg.“

Glühwein im Dezember?

Die Aktion von Patrick und seinen Kollegen kommt bei allen, die die die Rheinbrücke an diesem Mittwochmorgen nutzen, gut an. Auch bei denen, die zügig durchfahren. Das freundliche Lachen und der Hinweis „bin spät dran“ gehören dann fast standardmäßig dazu. Teilweise kennt man sich. Der Brücken-Kaffee soll auch weiter ausgeschenkt werden. Alexander und Patrick nehmen dabei auch schon den Dezember ins Visier. „Dann müssen wir wohl Glühwein mitbringen“, sagen sie lachend und stellen dann fest, dass der letzte Mittwoch im Dezember der Weihnachtsfeiertag ist. „Da müssen wir uns was überlegen.“

Diskussion um Radwegtrassen

Die Aktion hat letztlich auch einen politischen Hintergrund. Wie viele Radfahrer sind täglich unterwegs? Wie ist das mit dem Radweg bei der geplanten zweiten Rheinbrücke? Was ist mit der vorhandenen Radwegführung von Wörth nach Karlsruhe? Welche Chancen hat ein Radschnellweg von der Pfalz nach Baden? Da gibt es viele Fragen, die die Radpendler betreffen. So könnte etwa der bisherige südliche Radweg über die Rheinbrücke nach deren Querung nicht mehr wie bisher weitergeführt werden. Planungen, diesen nördlich der Tangente verlaufen zu lassen, ist für viele eine „Katastrophe“.

Höhere Zahlen?

Johannes weiß, dass die von ihm notierten Zahlen nur eine kleine Stichprobe sind. Er hat sie allerdings einmal hochrechnen lassen. „Da kommt man dann auf 1.900 Radfahrten auf der Brücke an einem Werktag im Sommer.“ In einer Machbarkeitsstudie des Regionalverbands wird die Strecke ab der Rheinbrücke ins Karlsruher Zentrum mit „bis zu 1.500 Radfahrten“ angegeben. Da liege man jetzt schon in den Sommermonaten deutlich drüber, heißt es beim Brücken-Kaffee. „Und es sollen auf dem Schnellweg ja eigentlich noch mehr Radler unterwegs sein.“

Kaffee geht aus

„Danke fürs Radfahren“ ruft derweil Patrick einigen Vorbeifahrenden zu und erntet neben Lächeln oder Zunicken einen nach oben zeigenden Daumen. Gegen halb neun hält der Strom noch an. „Viele können halt auch später anfangen“, lachen sie an dem Kaffee-Tisch, an dem der Kaffee mittlerweile ausgegangen ist. Auch die Muffins gehen zur Neige. Die Macher vom Brücken-Kaffee freuen sich, dass wieder viele Radler unterwegs waren. Sie packen ihre Sachen zusammen, und kommen in vier Wochen wieder auf die Brücke. Termin ist Mittwoch, 25. September, von sechs bis neun.