Esel auf Altem Flugplatz
SPÜRNASEN unter sich: Die Esel nehmen mit wachen Sinnen wahr, was in ihrem Wäldchen auf dem Alten Flugplatz abgeht. Erst wurde abgeholzt, so dass sie dort jetzt auf der blanken Erde stehen – und nun sondieren Bombensucher mit Gerät den Untergrund. | Foto: jodo

Pflege auf dem Alten Flugplatz

Kahlschlag im Wäldchen der Esel

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Die sieben Esel lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Viele Bürger aber sind aufgebracht. Sie trauen ihren Augen nicht: „Was geschieht da auf dem Alten Flugplatz, was soll das?“, fragen sie. Erst werden auf der großen Naturschutzfläche mitten im Stadtgebiet, die der Mensch nur auf den Wegen begehen darf, viele Bäume gefällt.

Wurzelacker vor dem Umpflügen

Ausgerechnet das Wäldchen in der Nordwestecke, wo sich die Eselherde zusammen mit zehn Schafen am liebsten aufhält, ist nun ein Stümpfeacker. Immerhin wiegen sich noch die Birken im Wind auf der ausgelichteten Fläche, die nun so gar nicht nach geschützter Natur aussieht.

Bombe im Boden?

Und jetzt lässt die Stadt dort auch noch nach Bomben suchen. Zwei Kampfmittelerkunder sondieren in der Vorfrühlingssonne den gerodeten Grund – da schauen nun auch Schaf und Esel staunend zu.

Alter Flugplatz
Diese Weite zwischen der Bebauung begeistert viele Karlsruher. Auf dem Alten Flugplatz laufen sie ihre Runden. Dabei gilt es, im Naturschutzgebiet mit besonders wertvollen Magerrasen-Biotopen nicht vom Weg abzuweichen. Seit 2010 steht die früher von den US-Truppen genutzte Fläche unter strengem Schutz und darf – von einer Ecke abgesehen – nicht mehr bebaut werden, hier der Blick nach Westen auf die Nordweststadt. | Foto: jodo

Das sind Pflegemaßnahmen

Die Experten vom städtischen Umweltamt erklären auf Nachfrage der BNN das Abholzen als bewussten Akt eines sehr aufwendigen Naturschutzes. „Das sind Pflegemaßnahmen im Vorgriff auf die Wohnbebauung des C-Areals am Ostrand des Alten Flugplatzes“, berichtet Umweltamtschef Norbert Hacker.

Weil für das Städtebauprojekt kostbarer Sandrasen in der Südostecke geopfert wird, schaffe man jetzt schon die vorgeschriebene Ausgleichsfläche. Bauland ist nur der Zipfel, wo der Tower stand. Sonst ist das Flugfeld seit 2010 streng geschützt.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

„Wir müssen damit fünf bis acht Jahre vor der Bebauung des C-Areals beginnen“, bekräftigt Hacker. Mit dem Abholzen im Norden des Flugplatzes schlagen die städtischen Umweltplaner zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit der Tabula-Rasa-Aktion wird erstens der Platz zum Anlegen des besonderen Magerrasens an Stelle des Wäldchens geschaffen.

Gegen den Götterbaum

Zweitens dient das flächige Abholzen überhaupt dem Erhalt der Naturlandschaft Alter Flugplatz. „Wir entfernen die amerikanische Traubenkirsche und den Götterbaum“, erklärt Ulrike Rohde, die Expertin im Umweltamt. „Wir müssen etwas tun, um das Verwalden der offenen Fläche zu stoppen“, erläutert Rohde. Nur mit solch einer Pflegemaßnahme gegen das Ausbreiten der Neophyten sei „die Qualität des Naturschutzgebiets“ zu halten.

An die Wurzeln

Doch dieser Aufwand reicht noch nicht. „Wir müssen jetzt auch die Baumwurzeln entfernen“, sagt Rohde. Und zur Vorbereitung dieses Eingriffs in den Oberboden sind die Kampfmittelerkunder angerückt. Mit ihrem Spürgerät können sie Bomben ausmachen, die im Zweiten Weltkrieg auf das damals von der Wehrmacht genutzte Flugfeld fielen. Anfangs war die Jahrzehnte bis zu ihrem Abzug 1996 von den US-Truppen genutzte Fläche Übungsgelände: Im Kaiserreich war sie Exerzierfeld des Heeres, anschließend Flugplatz für Zeppeline.

Kein Bodenaustausch

„Einen Bodenaustausch gibt es nicht“, versichert Rohde. Zudem würden „die das Landschaftsbild prägenden Birkengruppen“ überall auf dem Flugplatz nicht angetastet, versichert sie.

Insgesamt sind Hacker und Rohde mit dem Zustand des Alten Flugplatzes sehr zufrieden. Ehrenamtliche Naturschützer und städtische Feldhüter spielten für das Einhalten der strengen Regeln im Naturschutzgebiet eine wichtige Rolle. „Es sind nur noch vereinzelt Leute und Hunde auf der Wiesenfläche anzutreffen“, betont Hacker.

Schaf
Mit Schafblick registrieren die tierischen Landschaftspfleger den Eingriff. | Foto: jodo

Die Bevölkerung habe in den vergangenen zehn Jahren die Naturschutzordnung voll akzeptiert. Laut Rohde werden keine Löcher mehr in den Zaun geschnitten und kaum noch Holzwegleitplanken und Informationstafeln mutwillig beschädigt oder gar zerstört. Dazu kommen die Pflegeinsätze von Schulklassen, die jetzt nach einjähriger Pause wieder aufleben.

Meditation mit Fernsicht

Überhaupt sei das Bewusstsein für den Naturschutz des Alten Flugplatzes enorm gestiegen, meint Hacker. Schließlich genießen viele Bürger – besonders aus der Nord-, Nordwest- und Weststadt – diesen Freilauf als Spaziergänger oder Jogger. Allein diese Weite der offenen Landschaft ziehe an. Hacker spricht vom „meditativen Erlebnis“.

Karlsruher Steppe

Wenn die gefrorenen Gräser im Morgenlicht funkeln, wenn die Eselsohren aus dem Bodennebel schauen, oder die bedrohte Feldlerche in der flirrenden Mittagshitze eines Sommertags über der Karlsruher Steppe singt – da haben sehr viele Karlsruher den Alten Flugplatz als ihr geschütztes Erholungsgebiet ins Herz geschlossen.

Aktion gegen Müll

Die neue Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach kommt am Freitag, 22. Februar, zur Müllsammelaktion von Schulklassen auf den Alten Flugplatz. Um 10.30 Uhr ist der Eingang Nordost bei der New-York-Straße der Treffpunkt. Interessierte Bürger können bei der Putzete des Naturschutzgebiets helfen und mit der Dezernentin über das Naturschutzgebiet sprechen.