Eine Seltenheit sind Autokinos sowieso schon. Bundesweit gibt es noch 18 solcher Abspielstätten wie hier das „Drive-In“ in Essen. Ein Theater im Autokino-Stil gibt es bislang gar nicht. Nun möchte der Kammertheater-Chef Bernd Gnann auf dem Karlsruher Messplatz eine solche Bühne einrichten. | Foto: dpa

Vorschlag für Messplatz

Kammertheater Karlsruhe will Autokino-Technik für Vorstellungen nutzen

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Kein Theater mehr vor Zuschauern – das ist derzeit die Vorgabe zur Eindämmung des Coronavirus. Etliche Bühnen versuchen stattdessen, über Internet-Angebote den Kontakt zu ihrem Publikum zu halten. Am Kammertheater Karlsruhe will man dem Vorstellungsstopp mit einer neuen Idee begegnen: Geschäftsführer Bernd Gnann hat beantragt, auf dem Messplatz einen mobilen Theaterbetrieb im Stil eines Autokinos einzurichten.

Schon beim Umzug der Bühnen ins Internet war das Kammertheater früh dabei. Die letzte Aufführung des Stücks „Comedian Harmonists“ vor der Einstellung des Vorstellungsbetriebs fand vor leerem Saal statt. Doch als Livestream erreichte sie mehr als 6.000 Abrufe.

Möglich wurde das kurzfristige Umdisponieren auch dank kurzer Wege zu technischen Ressourcen: Bernd Gnann ist nicht nur Geschäftsführer des Kammertheaters, sondern auch des Regionalsenders Baden TV. Über dessen Homepage ist die Aufführung ebenso abrufbar wie eine Vorstellung des Figurentheaters „marotte“, die eigens für das Streaming-Angebot aufgezeichnet wurde.

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„Ausfall von 380.000 Euro“

Doch das virtuelle Theaterangebot ist für Gnann nur eine Notlösung. Schon aus wirtschaftlichen Gründen drängt es den rührigen Theatermann, so bald wie möglich wieder Vorstellungen anzubieten. „Allein durch die Unterbrechung bis zum 19. April haben wir einen Einnahmenausfall von 380.000 Euro“, so Gnann gegenüber den BNN.

So wie sich das Virenszenario derzeit entwickle, sei mit einem regulären Spielbetrieb ab dem 20. April kaum zu rechnen. Um nicht auf ungewisse Zeit ausharren zu müssen, hat Gnann bei der Stadtverwaltung beantragt, auf dem Messplatz einen mobilen Theaterbetrieb im Stil eines Autokinos einrichten zu dürfen.

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Übertragung auf 20 Meter breite Leinwand

„Das Ziel ist, unseren Spielplan aufrechtzuerhalten“, erklärt der Theaterchef. Daher seien für dieses Modell Aufführungen der Musicals „Bed of Roses“ und „Traumschöff“ anvisiert. Die Stücke sollen live auf der Bühne aufgeführt und dabei auf eine 20 Meter breite und zehn Meter hohe Leinwand übertragen werden. Der Ton soll, wie im Autokino, per UKW-Frequenz ohne Zeitverzögerung ins Autoradio übertragen werden.

Die gesundheitlichen Auflagen des Abstandhaltens seien bei diesen Stücken gut zu gewährleisten, betont Gnann. Nicht zuletzt wolle er durch eine solche Spielstätte gewährleisten, dass die für Juni geplante Premiere eines neuen Zwei-Personen-Stücks mit Dieter Hallervorden wie geplant in Karlsruhe stattfinden könne.

Autokinos sind genehmigt

Der gesundheitliche Schutz für die Besucher werde ausgerichtet an den Auflagen, mit denen derzeit in anderen Städten der Betrieb von Autokinos genehmigt ist. In Kornwestheim und Essen beispielsweise laufen Autokinos der Kette „Drive-In“. Zugelassen sind zwei Personen pro Fahrzeug plus eigene Kinder bis zu 14 Jahren. In Marl wurde sogar die Eröffnung eines neuen Autokinos gestattet. Auch hier müssen Tickets und Snacks online gebucht und kontaktlos übergeben werden. Bei der Einfahrt halten Gäste ihr Smartphone mit dem QR-Code ans geschlossene Fenster, ein Mitarbeiter scannt den Code ab.

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Start nach Ostern angedacht

Sollte das Kammertheater auf dem Messplatz loslegen dürfen, dann könnte sich Gnann einen Start nach Ostern vorstellen. Auch bei der derzeitigen Belegung des Messplatzes mit dem Zelt des Zirkus „Flic-Flac“ und dem Skandinavischen Dorf rechnet er mit einer Platzkapazität für mehr als 200 Autos.