Als Kandidaten beim SWR waren im Gespräch: (von links) Andreas Cichowicz, Kai Gniffke, Tina Hassel, Bettina Schausten und Norbert Himmler. | Foto: ARD (3), ZDF (2), dpa

Neuer SWR-Intendant

Kandidaten bleiben noch in der Deckung

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Große Namen sind beim SWR für den Posten des Intendanten im Gespräch. Noch halten sich die Kandidaten für die Nachfolge von Peter Boudgoust bedeckt.

Es ist sehr ruhig geworden um eine der besten freien Stellen in der Medienbranche. Dafür wird im Hintergrund heiß diskutiert, wer auf SWR-Intendant Peter Boudgoust folgen könnte. In einer Sitzung mehrerer Rundfunkräte wurde es hitzig. Dieses Mal ist eine Frau dran, sagte jemand und erntete Zustimmung. Unerhört, fanden andere – der oder die Beste solle es werden. Es stellen sich für die zweitgrößte Rundfunkanstalt der ARD noch mehr Fragen: Großer Name oder interne Lösung?

Ehemalige SWR-Akteure im Gespräch

Nach BNN-Informationen wurden hochkarätige Akteure aus der Medienbranche kontaktiert. Eine Absage gibt es demnach: Rainald Becker (59), ARD-Chefredakteur. „Er rechnet sich keine Chancen aus“, sagt ein Rundfunkrat. Und doch sagt es Einiges über die Attraktivität der Stelle aus, wenn der Mann, der schon als „mächtigster Polit-Journalist der ARD“ bezeichnet wurde, über eine Bewerbung nachgedacht hat.
Noch liegt keine Bewerbung vor, heißt es. Am 1. März endet die Frist, am 28. Juni sollen 74 Rundfunkräte und 18 Mitglieder des Verwaltungsrats den neuen Intendanten wählen. Die Wahl könnte auch schon vier Wochen zuvor in einer Sondersitzung stattfinden. Bei Zeitdruck soll Bougoust bereit sein, länger im Amt zu bleiben – bis zur Wahl.

Mit den Bewerbungen von Landessenderdirektorin Stefanie Schneider und Verwaltungsdirektor Jan Büttner rechnen viele im SWR-Umfeld. Auch externe Kandidaten von ARD und ZDF sollen angesprochen worden sein, die teilweise eine SWR-Vergangenheit haben. NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz (57) arbeitete fünf Jahre lang für den SWR-Vorgänger SDR, auch Kai Gniffke (58) würde eine Reportervergangenheit beim SWR mitbringen – der Chefredakteur von ARD-Aktuell gibt auf BNN-Anfrage keinen Kommentar ab.

Laufender Vertrag wohl kein Hindernis

Attraktiv könnte der Wechsel vom ZDF zum SWR für Norbert Himmler (48) sein. Er ist in Mainz geboren, seit sieben Jahren ZDF-Programmdirektor – die Stelle als Intendant wäre ein Aufstieg. Sein Vertrag läuft bis 2022. „An einem laufenden Vertrag würde es nicht scheitern“, ist sich ein Rundfunkrat sicher. Neben Himmler soll auch Tina Hassel (54) kontaktiert worden sein. Sie ist die erste Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, ihr Vertrag läuft bis 2020. Auf BNN-Anfrage wollten sich Himmler und Hassel nicht zu einem möglichen Interesse äußern.

Am unwahrscheinlichsten unter den kursierenden Namen ist Bettina Schausten (53). Die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios wird ab 1. März stellvertretende Chefredakteurin – und könnte in drei Jahren Chefredakteur Peter Frey beerben.

Stechl: „Entscheidend, wer sich am Ende bewirbt.“

Als ein Rundfunkrat auf die kursierenden Namen angesprochen wird, sagt er: „Das Gute ist, dass sie keine parteipolitische Präferenz haben.“ Die Rundfunkräte treffen sich je nach politischer Ausrichtung in Freundeskreisen – von grün, rot, konservativ bis unentschlossen oder einer Frauen-Vereinigung. Von den genannten Kandidaten kann keiner fest zugeordnet werden. „Für uns wäre das kein Problem“, sagt ein Rundfunkrat aus dem rot-grünen Freundeskreis. „Das würde der Situation beim SWR eher gut tun. Die bisher Genannten wären ein hochkarätiges Feld – wer sich da durchsetzt, hat schon mal einen Pluspunkt.“

Spätestens mit Ende der Bewerbungsfrist werden Interessierte aus der Deckung gehen und sich in den Freundeskreisen vorstellen. „Manche bringen sich derzeit selbst ins Gespräch“, sagt Verwaltungsratsvorsitzender Hans-Albert Stechl. „Entscheidend ist aber, wer sich am Ende bewirbt.“