Detlef Hofmann (r./Trainer Rheinbrueder) troestet den zu Traenen geruehrten Karlsruher Sportler des Jahres 2018: Saeid Fazloula (Rheinbrueder Karlsruhe). GES/ Sport Allgemein/ Karlsruher Sportlerball mit der Verleihung Karlsruher Sportler des Jahres, 30.03.2019
Gerührt: Der iranische Kanute Saeid Fazloula (links) mit Detlef Hofmann, Cheftrainer der Rheinbrüder. | Foto: Ges

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Kanu-Sportler Saeid Fazloula lässt in sein Seelenleben blicken

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Zu vorgerückter Stunde, die Sportlerball-Bühne war längst zur Tanzfläche geworden, da gewährte Saeid Fazloula Einblicke in sein Seelenleben. Als seine Tränen getrocknet, die Gedanken wieder klar waren, erzählte der frisch gebackene Sportler des Jahres 2018, wie sich der kurze Weg hinauf auf die Bühne angefühlt hatte.

„Da lief ein Film in meinem Kopf ab. Ich habe alles noch einmal gesehen“, berichtete der iranische Kanute. „Die Flüchtlingsroute, die ersten Monate in Deutschland, meine Zeit bei den Rheinbrüdern – alles in ein paar Sekunden.“ Zu viel für den 26-Jährigen, der während und nach seiner Flucht aus dem Iran im Spätsommer 2015 so vielen Widrigkeiten getrotzt hatte. Im Kampf mit den Tränen musste er sich geschlagen geben, was auch Rheinbrüder-Cheftrainer Detlef Hofmann nicht verhindern konnte. Fazloula, längst in Karlsruhe heimisch und 2018 bei EM und WM im deutschen Boot unterwegs, sorgte für den emotionalsten Moment in der Badnerlandhalle, der lange nachwirkte.

Fazloulas Geschichte bewegt PSK-Lions-Basketballer

Auch bei Maurice Pluskota. „Diese Geschichte hat mich persönlich sehr bewegt“, gestand der Basketballer der PSK Lions, nachdem er zusammen mit Fazloula und den weiteren Geehrten des Abends für das Abschlussfoto posiert hatte – in einer Hand die goldene Pyramide für die Mannschaft des Jahres, in der anderen eine Krücke. Eine Schienbeinverletzung verhinderte, dass der Center seinen Teamkollegen zeitgleich in Trier beim letzten Hauptrunden-Spiel helfen konnte, das die bereits für die Play-offs qualifizierten Lions verloren. „Ich werde die Mannschaft so schnell wie möglich informieren“, versprach Pluskota, der 2018 mit den Lions als Zweitliga-Aufsteiger bis ins Play-off-Halbfinale vorgestoßen war.

Frauen in der Überzahl

Trotz ihrer stattlichen Größe gingen Pluskota und Lions-Geschäftsführer Danijel Ljubic auf der Bühne ein wenig unter – angesichts der geballten Frauenpower um sie herum. Da waren etwa die Rheinbrüder-Kanutinnen, die bei den Deutschen Meisterschaften im Viererkajak Silber gewonnen und dafür nun auch bei der Sportlerwahl auf Rang zwei gelandet waren. Oder die Judoka des Budo-Club Karlsruhe – nach ihrem Bundesliga-Aufstieg ebenso auf Rang drei gewählt wie die Riege der Kunstturn Region Karlsruhe für ihren Vizemeister-Titel.

Leah Grießer ist beste Sportlerin

Überhaupt war die KRK an diesem Abend omnipräsent – so gleich beim Show-Act zum Auftakt. Mit dabei: Leah Grießer, die nur wenige Minuten die goldene Pyramide für die Sportlerin des Jahres entgegennehmen durfte. „Ich musste mich ganz schön sputen beim Umziehen“, berichtete die 20-Jährige, die Ende 2017 eigentlich ziemlich sicher gewesen war, „keinen Fuß mehr in eine Turnhalle zu setzen“. Nach einer Auszeit kam die Neureuterin aber besser denn je zurück, wurde deutsche Meisterin am Boden, Zweite mit der KRK in der Turnliga, startete bei EM und WM.

Schweigeminute für verstorbene Sportgrößen

Begonnen hatte der Abend mit einem Moment der Stille, in dem der verstorbenen Karlsruher Sportgröße Heinz Fütterer gedacht wurde. Der Platz des einstigen Ball-Stammgastes wurde an diesem Abend freigehalten. Sportbürgermeister Martin Lenz erinnerte zudem an KSC-Legende Kurt Sommerlatt und den früheren BNN-Sportredakteur Ralf Kattwinkel, die beide ebenfalls kürzlich verstorben waren.