Veränderung im Stadtgarten
GROSSEN EINSATZ für ihre Vision von einem kulinarischen Treffpunkt mit einfachen Mitteln zeigen die „Karlkutta“-Betreiber Christian Mägerle (links) und Dirk Zöller: Die Picknickdecken und die Sitzbank mit alten Stuhllehnen sind Programm. | Foto: jodo

Genussstation im Stadtgarten

„Karlkutta“ liegt am Zoo-Kanal

Wo die Gondoletta auf dem Kanal zwischen den Stadtgartenseen gleiten, wo die Indischen Elefantenkühe die Rüssel schwenken, da ist ab jetzt „Karlkutta“ ganz nah. Eine neue Wohlfühlstation in der Großstadtoase lockt die Besucher des Zoos und des Stadtgartens.

Neues zum „Nachtzoo“

Sieben Monate nachdem Margot Karle ihr bei den Karlsruhern so beliebtes Traditionscafé nach 43 Jahren geschlossen hat, beginnt etwas ganz Neues in und um den alten Holzpavillon aus den legendären 67er Buga-Zeiten. Am Mittwoch vor dem Sommerereignis „Nachtzoo“, Freitag und Samstag (15./16. Juni), ist Eröffnung.

Einfach und leicht

Zwei Neulinge wollen den Stadtgarten mit einem ganz anderen Konzept bereichern und die Zoo-Besucher verwöhnen. Schlemmen – locker, lässig, unkompliziert. Das ist das Programm von Dirk Zöller und Christian Mägerle. Mit Leichtigkeit und gewollter Einfachheit entwickeln die Zwei von „Karlkutta“ eine für Karlsruhes gastronomische Verhältnisse ungeahnt alternative Kreativität.

Die Geschäftspartner, der 38-jährige Sozialpädagoge Zöller und der 35-jährige Mägerle, erfahren in der Erwachsenenbildung, entwickeln unkonventionelle Ideen, um ihre Kombilösung aus Einfachheit und Genuss an die Leute zu bringen.

Kompositionen aus Regionalem

Da werden holländische „Broodjes“ aus regionalen Produkten in aller Frische zu Eigenkompositionen aus Fleisch und Käse, Gemüse und Obst, Dip und Chutney, Kräutern und Gewürzen – und auf Holzbrettchen serviert. Da werden Käseplatten mit Weißwein offeriert, aber auch Wurstspießchen und selbst gemachtes Saftwassereis für die Kinder. An einem Freiluftofen für ihre Crêpes arbeitet das Duo noch.

Harmonische Symbiose

Bei Zöller&Mägerle ist alles irgendwie „Karlkutta“. Eine „harmonische Symbiose“ für die Gäste, die zwischen Pflanzen und Tieren Köstlichkeiten genießen, ganz entschleunigt, ganz entspannt – darin sieht Zöller „die emotionale Bedeutung“ von „Karlkutta“. Für ihn bedeutet „Karlkutta“ das Einpflanzen indischer Lebensart in Karlsruhes Garten. Der Name „Karlkutta“ habe auch einen Bezug zur Vergangenheit des „Cafe Karle“. Er signalisiert also Erinnerung und Veränderung.

 

Den kulinarischen Aufbruch am Zoo macht die städtische Entwicklungsgesellschaft „Fächer“ möglich. „Wir haben den Pavillon für vier Jahre verpachtet“, erklärt Geschäftsführer Klaus Lehmann. So habe man im Verbund mit Zooverwaltung und Gartenbauamt genug Zeit, um ein Gesamtkonzept für die Zoo-Gastronomie zu entwickeln.

„Diese Zeit geben wir uns, dann wissen wir besser, wo die Reise hingeht“, bestätigt Zoodirektor Matthias Reinschmidt. Bis zur nächsten Fußball-WM kann also in dem laut Lehmann nur noch vorübergehend bewirtschaftbaren Holzhäusle an der Wolff-Anlage geköchelt werden.

Beratung auf der Fächerbank
AUF DER FÄCHERBANK sprechen von links Dirk Zöller, Matthias Reinschmidt, Karl-Heinz Greiner, Christian Mägerle, Klaus Lehmann und Nathalie Gorenflo über das „Karlkutta“. | Foto: jodo

 

„Es bleibt bei Selbstbedienung“, sagt Mägerle. Dabei werde man aber wie zu Margot Karles Zeiten der älteren Kundschaft den Kuchen bringen. Apropos Kuchen: Bei all dem bewussten Stilbruch durch diesen Generationenwechsel gibt es garantiert selbst gebackenen Kuchen. „Das war bei der Ausschreibung Bedingung“, betont Lehmann.

Bretterbank als Fächer gezimmert

In nur fünf Wochen haben Zöller&Mägerle eine Holzlandschaft gezimmert: Jetzt klebt an „Karlkutta“ eine Bretterbank im Fächermuster zum Sitzen, Liegen oder Spielen. Gegenüber liegen schon die Bauklötze in der Spiel-Pergola für die Kinder. Entlang der „Karlkutta“-Terrasse stehen frisch gehobelt und lackiert Sitzbalken mit Lehnen von Sperrmüllstühlen. Im indibadischen Café sitzt man an Tischen, auf deren alte Nähmaschinenfüße Altholzbretter geschraubt sind. „Wir nutzen Dinge um, wir setzen auf Einfachheit“, sagt Zöller.

 

Zoo-Cafe
NEUE TISCHKULTUR auf Nähmaschinenfüßen im Raum des früheren „Café Karle“. | Foto: jodo

So wächst „Karlkutta“ auch noch über die kleine Pavillonwelt hinaus auf die Stadtgartenwiesen. „Wir leihen indische Decken für ein Picknick aus“, berichtet Mägerle. „Und dazu wird es noch unseren Picknickkorb mit Schlemmereien geben“, strahlt Zöller.

Sie haben uns gleich überzeugt

„Sie haben uns gleich überzeugt, weil sie eine Vision haben, um einen Ort zu schaffen, wo man es sich gut gehen lassen kann“, erklärt Lehmann die Strategie der Fächer GmbH, mit der Förderung von jungen Kreativen das Lebensgefühl in der Stadt zu heben. „Diese bunten Hunde haben ein alternatives Konzept“, lacht der Zoodirektor. „So einen Farbtupfer findet man in keinem anderen Zoo, das ist ein reizvolles Alleinstellungsmerkmal für Karlsruhe. So etwas kann die Attraktivität steigern“, meint Reinschmidt.